Lesbische Karrierefrauen Selbstverhinderung aus Angst
Aus Angst vor Diskriminierung verheimlichen homosexuelle Frauen ihre sexuelle Identität am Arbeitsplatz häufiger als Männer. Damit verbauen sie sich Karrierechancen.
Könnte sie noch einmal ganz von vorne beginnen, Mercedes Rodriguez Garcia-Gutierrez würde heute einiges anders machen. "Ich würde von Anfang an offen zu meiner sexuellen Identität stehen und mich nicht verstecken", sagt die 45-jährige Vermögensberaterin. "Nur so kann ich im Job authentisch sein." Rodriguez Garcia-Gutierrez ist Vorsitzende der Wirtschaftsweiber, einem deutschlandweiten Netzwerk lesbischer Managerinnen. Ihre Biografie ist ein gutes Beispiel dafür, dass es Lesben mit Karriereambitionen oft in doppelter Hinsicht schwer haben: Sie müssen sich als Frauen in Führungspositionen in einer nach wie vor männerdominierten Welt behaupten und gleichzeitig um Akzeptanz als Homosexuelle kämpfen.
Im Gegensatz zu Schwulen sind Lesben in der gesellschaftlichen Debatte wenig präsent. Noch immer fürchten sich viele homosexuelle Frauen vor Diskriminierung und outen sich nicht. So kommt es, dass es zwar mittlerweile einen bekennenden schwulen Bürgermeister von Berlin und einen homosexuellen Außenminister gibt, aber bis auf eine Fernsehmoderatorin kaum lesbische Vorzeigefrauen.
Je höher die berufliche Position, umso seltener wagen Lesben das öffentliche Outing, sagt Rodriguez Garcia-Gutierrez. "Wir sind unsichtbar, aber das ist ein Fehler." Die Vermögensberaterin ist davon überzeugt, dass Lesben Arbeitgebern einiges an Vorteilen zu bieten haben. "Viele Lesben sind karrierebewusste Frauen, die bewusst auf Kinder verzichten und Erfüllung in ihrem Job suchen."
Selbstbewusst im Job auch mit ihrer sexuellen Neigung umzugehen, musste Rodriguez Garcia-Gutierrez jedoch selbst erst lernen. Lange outete auch sie sich nicht am Arbeitsplatz.
Fünfzehn Jahre lang war die gebürtige Spanierin bei der Dresdner Bank tätig, arbeitete sich dort bis zur Wertpapierberaterin hoch. Immer wieder hörte sie mit, wie ihre männlichen Kollegen über Schwule herzogen. "Ich wollte nicht auf die Witzliste", erinnert sie sich. "Also habe ich geschwiegen." Dass sie in jungen Jahren geheiratet hatte und aus der Ehe einen Sohn mitbrachte, machte es ihr leichter, ihr Lesbisch-Sein vor den Kollegen zu verheimlichen. "Alle dachten, ich sei eine alleinerziehende Mutter", erzählt sie. Ihre Lebensgefährtin erwähnte sie nicht, wenn sie über ihr Privatleben sprach. Sich als Frau auf einer 80-Prozent-Teilzeitstelle durch die Hierarchieebenen zu kämpfen, erschien ihr schwierig genug. "Ich wollte mich nicht zusätzlich angreifbar machen", sagt sie. "Ich dachte immer: Wenn ich mich oute, muss ich doppelt stark sein, als Frau und als Lesbe."
Doch letztlich war es das Schweigen, das ihr zum Verhängnis wurde. Als sie eines Tages vom Büro aus mit ihrer Partnerin am Telefon stritt, hörte ein Kollege mit. "Der hatte mich immer als Konkurrentin gesehen. Als er herausgefunden hatte, dass ich mit einer Frau zusammenlebe, begann er hinter meinem Rücken schlecht über mich zu reden." Danach war an ein berufliches Fortkommen im Unternehmen nicht mehr zu denken. 2007 kündigte Rodriguez Garcia-Gutierrez und machte sich als Vermögensberaterin selbstständig. Zeitgleich stieß sie zu den Wirtschaftsweibern.
Heute würde sie einiges anders machen, sagt die Unternehmerin. "Wenn man sich in einem Unternehmen nicht so geben kann, wie man ist, macht man sich angreifbar." Jungen Lesben rät sie deshalb, sich vor dem Berufseinstieg zu erkundigen, welche Unternehmen Wert auf Diversity Management legen. "Würde ich mich heute noch mal bewerben, würde ich nach einer Firma suchen, die erkannt hat, dass heterogene Teams wirtschaftlichen Erfolg bringen können."
- Datum 06.07.2011 - 07:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 39
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Die Redaktion/lv
"Er wusste, dass der Beruf für mich Priorität hat und er nicht wegen einer Schwangerschaft auf mich verzichten muss."
Denn wie wir ja alle wissen, werden lesbische Frauen ja auf keinen Fall schwanger (okay, sie werden eher nicht "zufällig" schwanger, aber von vornherein davon auszugehen, dass sie jeden Kinderwunsch zurückstellt bzw. das ihrer Partnerin überlässt, ist schon etwas voreilig)
...Gender-Mainstreaming-Artikel gib' uns heute...
...ob sie nun lesbisch oder hetero sind ist doch vollkommen egal.
Ich sehe hier wirklich keinen Unterschied.
Das manche Frauen deshalb leider benachteiligt werden hat nichts mit ihrem Sexualleben zu tun.
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten um eine konstruktiven Diskussion zu gewährleisten. Danke. Die Redaktion/lv
...haben Sie recht und die sexuelle Orientierung sollte gar keine Rolle im Leben außerhalb einer Beziehung spielen. Die Realtität sieht aber anders aus (und nein, ich bin selbst weder schwul noch lesbisch ;-) ), d.h. Menschen werden ständig danach beurteilt, ob und mit wem sie ein Sexualleben haben. Ich gewinne allerdings oft den Eindruck, dass das Schwulsein einen schlechteren Ruf hat als das Lesbischsein. Wenn ich mir die Meinungen vieler Leute, insbesondere auch Kollegen (was sich hin und wieder nebenbei in Unterhaltungen ergibt) anhöre, stehen mir die Haare zu Berge, welche Vorurteile und Fehlinformationen es auf dem Gebiet gibt.
Wäre ich dem gleichen Geschlecht zugeneigt, würde ich mir gut überlegen, wem gegenüber ich es preisgebe. Es gibt einfach zu viele Kleingeistige und Dumme. Dies anzusprechen ist keineswegs unnötig.
Das stimmt einerseits schon, aber Sie lassen etwas außen vor. Homosexuelle werden immer noch diskriminiert und wie soll sich irgendetwas ändern, wenn man sich versteckt? Gerade am Arbeitsplatz kommen ja Menschen zusammen, die man sich nicht unbedingt selbst ausgesucht hat. Das kann ein toller Ort zum Abbau von Vorurteilen sein. Schlussendlich arbeitet man als Team und hat ein gemeinsames Ziel, sodass solche Geschichten wie sexuelle Orientierung im Optimalfall in den Hintergrund treten.
Auch die Wahl des Outings der Professorin finde ich gut. So oute ich mich auch immer, und es wissen bei mir alle auf Arbeit wie in der Freizeit. Ich lasse bei neuen Kollegen oder Bekannten einfließen, dass ich einen Freund habe. Wenn ich dann erzähle, dass wir jetzt einen Hund haben ist auch dem Letzten klar wie der Hase läuft. Dann spreche ich nämlich über meine Beziehung. Zu sagen: ich bin schwul, würde das Thema unnötig sexualisieren und Sex hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen.
...haben Sie recht und die sexuelle Orientierung sollte gar keine Rolle im Leben außerhalb einer Beziehung spielen. Die Realtität sieht aber anders aus (und nein, ich bin selbst weder schwul noch lesbisch ;-) ), d.h. Menschen werden ständig danach beurteilt, ob und mit wem sie ein Sexualleben haben. Ich gewinne allerdings oft den Eindruck, dass das Schwulsein einen schlechteren Ruf hat als das Lesbischsein. Wenn ich mir die Meinungen vieler Leute, insbesondere auch Kollegen (was sich hin und wieder nebenbei in Unterhaltungen ergibt) anhöre, stehen mir die Haare zu Berge, welche Vorurteile und Fehlinformationen es auf dem Gebiet gibt.
Wäre ich dem gleichen Geschlecht zugeneigt, würde ich mir gut überlegen, wem gegenüber ich es preisgebe. Es gibt einfach zu viele Kleingeistige und Dumme. Dies anzusprechen ist keineswegs unnötig.
Das stimmt einerseits schon, aber Sie lassen etwas außen vor. Homosexuelle werden immer noch diskriminiert und wie soll sich irgendetwas ändern, wenn man sich versteckt? Gerade am Arbeitsplatz kommen ja Menschen zusammen, die man sich nicht unbedingt selbst ausgesucht hat. Das kann ein toller Ort zum Abbau von Vorurteilen sein. Schlussendlich arbeitet man als Team und hat ein gemeinsames Ziel, sodass solche Geschichten wie sexuelle Orientierung im Optimalfall in den Hintergrund treten.
Auch die Wahl des Outings der Professorin finde ich gut. So oute ich mich auch immer, und es wissen bei mir alle auf Arbeit wie in der Freizeit. Ich lasse bei neuen Kollegen oder Bekannten einfließen, dass ich einen Freund habe. Wenn ich dann erzähle, dass wir jetzt einen Hund haben ist auch dem Letzten klar wie der Hase läuft. Dann spreche ich nämlich über meine Beziehung. Zu sagen: ich bin schwul, würde das Thema unnötig sexualisieren und Sex hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen.
...haben Sie recht und die sexuelle Orientierung sollte gar keine Rolle im Leben außerhalb einer Beziehung spielen. Die Realtität sieht aber anders aus (und nein, ich bin selbst weder schwul noch lesbisch ;-) ), d.h. Menschen werden ständig danach beurteilt, ob und mit wem sie ein Sexualleben haben. Ich gewinne allerdings oft den Eindruck, dass das Schwulsein einen schlechteren Ruf hat als das Lesbischsein. Wenn ich mir die Meinungen vieler Leute, insbesondere auch Kollegen (was sich hin und wieder nebenbei in Unterhaltungen ergibt) anhöre, stehen mir die Haare zu Berge, welche Vorurteile und Fehlinformationen es auf dem Gebiet gibt.
Wäre ich dem gleichen Geschlecht zugeneigt, würde ich mir gut überlegen, wem gegenüber ich es preisgebe. Es gibt einfach zu viele Kleingeistige und Dumme. Dies anzusprechen ist keineswegs unnötig.
"So kommt es, dass es zwar mittlerweile einen bekennenden schwulen Bürgermeister von Berlin und einen homosexuellen Außenminister gibt, aber bis auf eine Fernsehmoderatorin kaum lesbische Vorzeigefrauen."
Ich fürchte das liegt auch in der Natur der Sache.
Während Schwule landläufig als überdurchschnittliche attraktive und sympathische Männer gelten, gilt für Lesben nun mal genau das Gegenteil ("Kampflesbe"). Als richtig "vorzeigbar" gelten nun mal die wenigsten Lesben. In der öffentlichen Wahrnehmung sind Lesben sowas wie die Geeks, Nerds und Weirdos unter den Frauen.
Es gibt bei beiden solche und solche. Wahrgenommen werden immer diejenigen, die als anders hervorstechen. Genauso wenig wie jeder Schwule tuntig oder superattraktiv oder besonders "feminin" ist, ist jede Lesbe (oder der Großteil) eine "männliche Kampflesbe". Diejenigen lesbischen Frauen, die aussehen wie alle anderen und ihr Lesbischsein nicht outen, fallen schlichtweg nicht auf.
...Anne Will, die entspricht dieser Vorstellung nicht. Aber selbst wenn es so wäre: warum sollte das schlecht sein oder negativ für das berufliche Fortkommen? Mark Zuckerberg und Bill Gates waren auch sozial Außenseiter, "Nerds". Hat es ihrem beruflichen Fortkommen geschadet?
Es gibt bei beiden solche und solche. Wahrgenommen werden immer diejenigen, die als anders hervorstechen. Genauso wenig wie jeder Schwule tuntig oder superattraktiv oder besonders "feminin" ist, ist jede Lesbe (oder der Großteil) eine "männliche Kampflesbe". Diejenigen lesbischen Frauen, die aussehen wie alle anderen und ihr Lesbischsein nicht outen, fallen schlichtweg nicht auf.
...Anne Will, die entspricht dieser Vorstellung nicht. Aber selbst wenn es so wäre: warum sollte das schlecht sein oder negativ für das berufliche Fortkommen? Mark Zuckerberg und Bill Gates waren auch sozial Außenseiter, "Nerds". Hat es ihrem beruflichen Fortkommen geschadet?
Es gibt bei beiden solche und solche. Wahrgenommen werden immer diejenigen, die als anders hervorstechen. Genauso wenig wie jeder Schwule tuntig oder superattraktiv oder besonders "feminin" ist, ist jede Lesbe (oder der Großteil) eine "männliche Kampflesbe". Diejenigen lesbischen Frauen, die aussehen wie alle anderen und ihr Lesbischsein nicht outen, fallen schlichtweg nicht auf.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren