Urteil : Arbeitgeber darf Alkoholkranken nicht ohne Weiteres entlassen

Alkoholsüchtige Mitarbeiter können nicht einfach gekündigt werden. Der Arbeitgeber muss ihnen eine Chance zum Entzug geben, urteilte das Arbeitsgericht.

Suchtkranke Mitarbeiter sind ein Risiko für den Arbeitgeber. Dennoch darf er sie nicht ohne Weiteres entlassen. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am Dienstag bekannt gewordenen Urteil. Vor einer Kündigung müsse der Angestellte die Möglichkeit bekommen, eine Entziehungskur zu machen. Erst wenn der Mitarbeiter diese Chance ungenutzt lasse, komme eine Entlassung oder Änderungskündigung infrage (Az.: 10 Sa 419/10).

Das Gericht gab mit seinem Urteil der Klage einer Krankenschwester statt.

Die Frau ist nach eigenen Angaben alkoholkrank. Nachdem es mehrere unliebsame Zwischenfälle gab, kündigte der Arbeitgeber ihr fristlos, bot der Klägerin jedoch zugleich eine schlechter bezahlte Stelle an.

Die Richter waren der Meinung, der Arbeitgeber habe voreilig gehandelt. Denn Alkoholsucht sei nicht wie ein vorwerfbares Fehlverhalten, sondern wie eine Krankheit zu werten. Für den Arbeitgeber bedeute dies, dass er dem Mitarbeiter vor der Kündigung eine Chance auf Behandlung geben muss.

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Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Gutes Urteil

"Denn Alkoholsucht sei nicht wie ein vorwerfbares Fehlverhalten, sondern wie eine Krankheit zu werten."

Ich begrüße dieses Urteil. Wie man in den beiden Komentaren davor erkennen kann wird Alkoholsucht eben nicht als Krankheit, sondern als vorwerfbares Fehlverhalten ausgelegt.

Mir ist ein Fall bekannt, wo ein Mitarbeiter eines Automobilkonzernz an der Nadel landete. Er wurde clean und arbeitet dort wieder seit mehr als einem Jahrzehnt.

Manche große Konzerne werfen ihr Personal bei einer Erkrankung eben nicht gleich raus.