ChefsacheEinfach flexibel arbeiten

Immer mehr Berufstätige wollen flexibel arbeiten, darunter auch viele Entscheider. Welches Modell zu wem passt, zeigt Sabine Hockling in den Tipps für Führungskräfte. von 

Die Präsenzarbeitszeit hat ausgedient. Immer mehr Männer und Frauen interessieren sich für flexible Arbeitszeiten. Auch vielen Führungskräften geht es mittlerweile nicht mehr nur um Geld, Macht und Boni, sie wünschen sich ebenfalls eine ausgewogene Work-Life-Balance . Die Arbeitszeitmodelle werden zum wichtigen Kriterium für oder gegen die Entscheidung, bei einem Unternehmen zu arbeiten.

Dabei nutzen bislang nur wenige Berufstätige diese Modelle. Eine Studie der Strategieberatung Bain & Company zeigt, dass sich 94 Prozent der befragten Frauen und 78 Prozent der Männer zwar für flexible Arbeitszeiten interessieren, tatsächlich aber nur 46 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer solche Angebote nutzen. Befragt wurden 3.300 Berufstätige aus den USA, Europa und Asien. Die Untersuchung zeigte auch, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen flexible Modelle anbieten – aber gerade einmal 18 Prozent der Beschäftigten sie auch in Anspruch nehmen. Und Führungskräfte machen fast nie davon Gebrauch.

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Das liegt maßgeblich an den wenig attraktiven Angeboten. Zwar gibt es ein Recht auf Teilzeitarbeit, doch diese Möglichkeit geht vor allem von der Halbtagsstelle aus. Eine 50-Prozent-Reduzierung ist aber weder finanziell, noch für die eigene berufliche Entwicklung attraktiv. Doppelspitzen, Sabbaticals, 90-, 80- oder 70-Prozent-Stellen, Lebensarbeitszeitkonten, Homeoffice-Tage und Vertrauensarbeitszeit hingegen sind noch lange nicht überall Usus – und schon gar nicht in Kombination und auf Führungsebene.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Dabei zeigt sich, dass die Zufriedenheit mit dem Job auch bei den Entscheidern steigt, wenn solche Modelle selbstverständlich vom Unternehmen angeboten werden. Auch die Bindung der Führungskräfte an das Unternehmen nimmt zu und sie empfehlen ihren Arbeitgeber häufiger weiter. Es ist also ratsam, flexible Arbeitszeitmodelle nicht nur Mitarbeitern auf unteren Hierarchiestufen mit Kindern zu ermöglichen – sondern allen.

So unterschiedlich wie die Mitarbeiter, ihre Position und ihr familiärer Hintergrund, so verschieden sind auch die Bedürfnisse. Als Arbeitgeber sollten Sie daher zunächst systematisch die Wünsche Ihrer Belegschaft erfassen.

Dabei können Sie Ihre Mitarbeiter in verschiedene Gruppen unterteilen. Die Bain-Studie beispielsweise unterscheidet Skeptiker, Aufsteiger, Unterbrecher und Alternative.

Jenen Mitarbeitern, die zu der Gruppe der Skeptiker zählen, ist es zwar sehr wichtig, dass der Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle anbietet und diese auch von Kollegen genutzt werden. Die Zweifler selbst glauben aber, dass es für die eigene Karriere besser ist, diese Möglichkeit nicht in Anspruch zu nehmen. Darum ist es unwahrscheinlich, dass dieser Mitarbeitertypus von flexiblen Arbeitszeitmodellen Gebrauch macht.

Skeptiker können Sie überzeugen, indem Sie beispielsweise im Intranet oder in Mitarbeiterpublikationen für die verschiedenen Arbeitszeitmodelle werben und positive Beispiele aus dem Unternehmen anführen.

Leserkommentare
  1. Nun arbeite ich in einem Beruf, wo am Ende des Tages das Ergebnis zählt. Vom Grundsatz her dürfte es meine Chefs also nicht die Bohne interessieren, ob ich 39 Stunden die Woche faul am Badesee liege und in einer Stunde das erreiche, wofür andere vielleicht 39 Stunden brauchen, was theoretisch in meinem Job durchaus im Einzelfall möglich ist.

    Nur sieht die Realität bei den meisten Chefs anders aus. Sie sind oft von Kontrollsucht und mangelndem Vertrauen geplagt und somit wird mit allerlei Controllingtools versucht, den Mitarbeiter zu überwachen, damit er auch ja nicht auch nur eine Stunde am Badesee während seiner Arbeitszeit hockt. Es könnte ihm ja zu gut gehen und das will man ja nicht. Bei vielen Vorgesetzten herrscht das Prinzip, nur ein unter Druck stehnder Mitarbeiter hat genug Biss, über das Ziel hinaus zu performen (Neudeutsch). Geht es ihm zu gut, fehlt ihm der Biss und dann ist er ein Under- oder Lowperformer.

    So wahrt man nach außen den Schein, trickst die Controllingtools eben aus und arbeitet so, wie man arbeiten muss, um erfolgreich zu sein. Das beihnaltet auch mal den Besuch am Badesee. Dank W-lan kann man da ja auch ganz gut arbeiten. Die Welt will halt beschissen werden.

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    Solche Probleme hätten Chefs vielleicht nicht, wenn Sie Löhne zahlen würden, die der Arbeitnehmer für angemessen hält. Solange bei den Lohnkosten nach unten gedrückt wird, müssen Chefs damit Leben, dass Mitarbeiter so arbeiten, wie es für sie am angenehmsten ist, und das heißt im Zweifelsfall dann auch am Badesee.

    Ich mache mich garantiert nicht kaputt. Ich arbeite für dringende Projekte nicht am Wochenende und auch nicht bis tief in die Nacht... es sei denn es steht ein entschädigender Bonus in Aussicht. Aber bevor dieses Bekenntnis an den Glauben meiner Arbeitskraft, die im innersten meiner selbst schlummert, über die Lippen des Chefs kommt, gefriert wohl die Hölle.

    • Chali
    • 22. Juli 2011 11:01 Uhr

    Das "Anakastische Syndrom" sorgt für viel Umsatz!

    • -kano-
    • 22. Juli 2011 8:56 Uhr
    2. Fehler

    Die Firma heißt BAIN & Company, bitte korrigieren.

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    Redaktion

    Wir haben die zwei überflüssigen r entfernt. Danke!

  2. Solche Probleme hätten Chefs vielleicht nicht, wenn Sie Löhne zahlen würden, die der Arbeitnehmer für angemessen hält. Solange bei den Lohnkosten nach unten gedrückt wird, müssen Chefs damit Leben, dass Mitarbeiter so arbeiten, wie es für sie am angenehmsten ist, und das heißt im Zweifelsfall dann auch am Badesee.

    Ich mache mich garantiert nicht kaputt. Ich arbeite für dringende Projekte nicht am Wochenende und auch nicht bis tief in die Nacht... es sei denn es steht ein entschädigender Bonus in Aussicht. Aber bevor dieses Bekenntnis an den Glauben meiner Arbeitskraft, die im innersten meiner selbst schlummert, über die Lippen des Chefs kommt, gefriert wohl die Hölle.

    Antwort auf "Wahre Worte"
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    Die Ausbeutung geht ja meist noch weiter. I.d.R. steht in den Arbeitsverträgen, "Mehrarbeit ist mit dem Gehalt abgegolten". Mehrarbeit wird also seitens der Chefs gerne gesehen, sie müssen es ja nicht bezahlen. Aber Minderarbeit wird nicht akzeptiert. Ergo, Dienst nach Vorschrift. Wer Erdnüsschen füttert, bekommt eben auch nur Äffchen.

    > Solche Probleme hätten Chefs vielleicht nicht, wenn Sie Löhne zahlen würden, die der Arbeitnehmer für angemessen hält. <

    Was halten Sie denn persönlich für angemessen ... 5.000 .... 10.000 ?

    Eine Firma muss in der Planung alle Kosten einkalkulieren um einen zu erwartenden Gewinn kalkulieren zu können. Die Konkurrenz gibt die Margen vor ... sprich Verkaufspreise für Waren. Das ist die Realität.

    Ich hatte ein längere Zeit einen kleinen "Gewerbetrieb" im Bereich Software-Entwicklung für Reporting-Systeme von Kapitalanlagegesellschaften. In den Verträgen geht es um den Betrag für die Realisierung und den Fertigstellungstermin, beides fix. Es interessiert den Auftraggeber "nicht die Bohne" unter welchen Rahmenbedingungen der Vertrag erfüllt wird. Und dann soll ich mit den Mitarbeitern darüber diskutieren welchen Lohn sie für angemessen halten? Aufgrund von Gesetzesänderungen mussten größere Teile der Software überarbeitet werden und das drei Monate vor dem Fertigstellungstermin. Das interessiert den Auftraggeber auch überhaupt nicht. Wir hatten in dieser Zeit im Durchschnitt eine 60-Stunden-Woche ohne dass ich dafür eine Rechnung stellen konnte.

  3. Redaktion

    Wir haben die zwei überflüssigen r entfernt. Danke!

    Antwort auf "Fehler"
  4. "Die Untersuchung zeigte auch, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen flexible Modelle anbieten – aber gerade einmal 18 Prozent der Beschäftigten sie auch in Anspruch nehmen."

    Kein Wunder: Teilzeitarbeit verträgt sich nicht mit einem echten Führungsjob. Auch die sogenannte Doppelspitze macht nach meiner Erfahrung keinen Sinn. Verantwortlichkeiten müssen eindeutig zugewiesen werden, und sowohl die Mitarbeiter wie die Chefs und nicht zuletzt die Key Accounts benötigen Führungskräfte, die jederzeit möglichst face-to-face ansprechbar sind und sich jederzeit kümmern können. Alles andere schafft Probleme und/oder behindert deren umgehende Lösung.

    Fazit: Teilzeit ist etwas für Mitarbeiter, aber nicht für Chefs. Letztere wissen das auch.

  5. Die Ausbeutung geht ja meist noch weiter. I.d.R. steht in den Arbeitsverträgen, "Mehrarbeit ist mit dem Gehalt abgegolten". Mehrarbeit wird also seitens der Chefs gerne gesehen, sie müssen es ja nicht bezahlen. Aber Minderarbeit wird nicht akzeptiert. Ergo, Dienst nach Vorschrift. Wer Erdnüsschen füttert, bekommt eben auch nur Äffchen.

    Antwort auf "Re: Wahre Worte"
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    ... und soll ihn auch bekommen, keine Frage.

    Aber diejenigen, die ihre Leistungsbereitschaft in erster Linie vom Lohn abhängig machen, kannst du (nicht persönlich gemeint, deswegen klein geschrieben) vergessen. Solche Leute werden auch kaum gefördert und gehaltsmäßig wahrscheinlich nie dort landen, wo sie vielleicht doch irgendwie gerne hin wollen. Führungskraft werden sie schon gar nicht. Aber ein Unternehmen kann ja auch nicht nur aus Häptlingen bestehen. Es braucht vor allem Indianer.

  6. ... und soll ihn auch bekommen, keine Frage.

    Aber diejenigen, die ihre Leistungsbereitschaft in erster Linie vom Lohn abhängig machen, kannst du (nicht persönlich gemeint, deswegen klein geschrieben) vergessen. Solche Leute werden auch kaum gefördert und gehaltsmäßig wahrscheinlich nie dort landen, wo sie vielleicht doch irgendwie gerne hin wollen. Führungskraft werden sie schon gar nicht. Aber ein Unternehmen kann ja auch nicht nur aus Häptlingen bestehen. Es braucht vor allem Indianer.

    Antwort auf "@Christian Dossmann"
    • Chali
    • 22. Juli 2011 11:01 Uhr

    Das "Anakastische Syndrom" sorgt für viel Umsatz!

    Antwort auf "Wahre Worte"

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