Ein bisschen Horst steckt in Monika Strub immer noch. Das merkt man schnell, wenn man sich mit der 36-Jährigen unterhält. Dann erzählt die junge Frau aus dem Badischen mit tiefer Stimme und aus freien
Stücken, warum sie es seit Jahren so schwer hat im Berufsleben: weil sie heute ein anderes Geschlecht hat. Monika Strub wurde als Mann geboren. Äußerlich ist ihr das nicht mehr anzusehen. Strub hat verschiedene Eingriffe einer Geschlechtsangleichung hinter sich. Nur ihre tiefe Stimme klingt noch männlich. Sie hat sich die Stimmbänder bislang nicht operieren lassen. "Ich dachte, ich versuche es erst einmal mit Singen zu Hause", sagt sie. Eine höhere Stimmlage lasse sich nämlich auch erlernen, aber das dauere seine Zeit.

Trotzdem hat Strub es schwer, einen Job zu finden. Zuletzt war sie in einem Vorstellungsgespräch bei einer Zeitarbeitsfirma gescheitert. "Glauben Sie nicht, dass es Probleme gibt?", hatte der Arbeitgeber sie gefragt. Es war nicht die fachliche Qualifikation, an der er zweifelte. Monika Strub glaubt, sie habe den Job nicht bekommen, weil ihr Gegenüber kein Verständnis für ihre geschlechtliche Identität hatte. "Viele Arbeitgeber sind damit überfordert", sagt sie.

Transgeschlechtliche Menschen werden in Deutschland sehr häufig diskriminiert , insbesondere im Berufsleben. Das stellt auch eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes fest. Wer nicht in seinem biologischen Geschlecht leben möchte oder ohne eindeutiges biologisches Geschlecht geboren wurde, hat es schwer. So vielfältig wie die geschlechtliche Identität, so vielfältig sind auch die Begriffe. Um die Vielfältigkeit widerzuspiegeln, spricht die ADS-Studie von Trans*Personen .

Sie teilen das Schicksal anderer gesellschaftlicher Minderheiten – mit einem großen Unterschied: Schwule und Lesben etwa haben durch jahrelange Aufklärungsarbeit ein hohes Maß an Akzeptanz erreicht. In manchen Branchen können sie mittlerweile sogar Karriere machen und angesehene Politiker werden oder Fernsehmoderatorin zur Primetime. Transen, wie es oft falsch und abfällig über transgeschlechtliche Menschen heißt, erwarten die Leute allenfalls beim Christopher Street Day oder in freizügigen Berliner Techno-Clubs – aber nicht nebenan im Büro. "Die Aufklärung über Trans-Menschen in der Gesellschaft hinkt völlig hinterher", sagt Jannik Franzen.

Franzen hat mit seinem Forscherkollege Arn Sauer die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt. Sie stützt sich auf Daten aus diversen internationalen Untersuchungen: Danach sind bis zu 54 Prozent der Trans-Personen arbeitslos. Und wer einen Job hat, kommt über ein prekäres Beschäftigungsverhältnis meist nicht hinaus. Viele Trans-Menschen sind für ihre Tätigkeit überqualifiziert, Karriere machen die wenigsten. Stattdessen gibt es große Berührungsängste seitens Vorgesetzter und Kollegen, Mobbing und gar Gewalt sind keine Seltenheit. Der Fall des Microsoft-Managers Michael Wallent, der nach einer Geschlechtsumwandlung zur weiblichen Megan Wallent den Top-Posten im Konzern noch festigte, gehört zu den Ausnahmen.

Monika Strub begann 2007 mit ihrer Geschlechtsangleichung. Damals machte sie eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Als Horst Strub hatte sie in der metallverarbeitenden Industrie gearbeitet. "Ich habe mich dann aber neu orientiert, wollte etwas mit Menschen machen", sagt die 36-Jährige. Doch die Suche nach Arbeit sei ein "Spießrutenlauf" gewesen. Wegen ihrer Transidentität bekam sie auf Bewerbungen Absagen, lange Zeit war Strub arbeitslos. Im Frühjahr versuchte sie es sogar als Politikerin und bewarb sich für die Linken um ein Mandat im baden-württembergischen Landtag. Die Partei blieb aber unter der Fünf-Prozent-Hürde. "Ich habe mich dann zwischenzeitlich selbständig gemacht und Brötchen ausgefahren", erzählt sie.