DiskriminierungNeues Geschlecht, neuer Job

Monika Strub wurde biologisch als Mann geboren. Mit ihrer Geschlechtsanpassung wechselte sie auch ihren Beruf. Doch als Frau suchte sie lange nach einer neuen Arbeit. von 

Ein bisschen Horst steckt in Monika Strub immer noch. Das merkt man schnell, wenn man sich mit der 36-Jährigen unterhält. Dann erzählt die junge Frau aus dem Badischen mit tiefer Stimme und aus freien
Stücken, warum sie es seit Jahren so schwer hat im Berufsleben: weil sie heute ein anderes Geschlecht hat. Monika Strub wurde als Mann geboren. Äußerlich ist ihr das nicht mehr anzusehen. Strub hat verschiedene Eingriffe einer Geschlechtsangleichung hinter sich. Nur ihre tiefe Stimme klingt noch männlich. Sie hat sich die Stimmbänder bislang nicht operieren lassen. "Ich dachte, ich versuche es erst einmal mit Singen zu Hause", sagt sie. Eine höhere Stimmlage lasse sich nämlich auch erlernen, aber das dauere seine Zeit.

Trotzdem hat Strub es schwer, einen Job zu finden. Zuletzt war sie in einem Vorstellungsgespräch bei einer Zeitarbeitsfirma gescheitert. "Glauben Sie nicht, dass es Probleme gibt?", hatte der Arbeitgeber sie gefragt. Es war nicht die fachliche Qualifikation, an der er zweifelte. Monika Strub glaubt, sie habe den Job nicht bekommen, weil ihr Gegenüber kein Verständnis für ihre geschlechtliche Identität hatte. "Viele Arbeitgeber sind damit überfordert", sagt sie.

Anzeige
Transsexualität

Bei transsexuellen Menschen herrscht eine Diskrepanz zwischen den körperlichen Geschlechtsmerkmalen und der Geschlechtsidentität: Es sind Männer, die mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden und Frauen, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kommen.

Die Weltgesundheitsorganisation stuft Transsexualität im Katalog ICD-10 als psychische Krankheit ein ("Geschlechtsidentitätsstörung“). Diese Einordnung ist jedoch umstritten, Transsexuellenverbände wehren sich gegen die Pathologisierung.

In Frankreich darf Transsexualität nicht als psychische Krankheit eingestuft werden, Frankreich hat die WHO 2009 aufgefordert, Transsexualität aus dem ICD-10 zu streichen.

Gesetz

In Deutschland gilt das Transsexuellengesetz (TSG). Dort ist unter anderem geregelt, unter welchen Bedingungen Transsexuelle ihren Vornamen ("kleine Lösung") und den Personenstand ("große Lösung") ändern lassen können.

Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht im Januar 2011 mit dem Operationszwang erneut einen Teil des Gesetzes für verfassungswidrig erklärt.

Angleichende OP

Bei der geschlechtsangleichenden Operation von Transfrauen werden die Hoden entfernt und aus dem Penis eine Vagina rekonstruiert. Bei der Operation von Transmännern werden in der Regel die Brüste, sowie Gebärmutter und Eierstöcke entfernt und manchmal ein Neophallus rekonstruiert.

Der Begriff "Geschlechtsumwandlung" wird von Transsexuellen als nicht zutreffend empfunden, da sich durch die Operation nicht ihr Geschlecht ändert, sondern nur die körperlichen Merkmale an die Geschlechtsidentität angepasst werden.

Der OP voraus geht eine Hormonbehandlung, die in der Regel ein Leben lang fortgeführt wird.

Begriffe

Transmann, Drag Queen? Wenn es um Transsexuelle geht, herrscht oft Sprachverwirrung. Das Transgender Netzwerk Berlin hat gängige Selbstdefinitionen aufgelistet.

Informationen gibt es unter anderem auch bei der deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und der Aktion Transsexualität und Menschenrecht.

Transgeschlechtliche Menschen werden in Deutschland sehr häufig diskriminiert , insbesondere im Berufsleben. Das stellt auch eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes fest. Wer nicht in seinem biologischen Geschlecht leben möchte oder ohne eindeutiges biologisches Geschlecht geboren wurde, hat es schwer. So vielfältig wie die geschlechtliche Identität, so vielfältig sind auch die Begriffe. Um die Vielfältigkeit widerzuspiegeln, spricht die ADS-Studie von Trans*Personen .

Sie teilen das Schicksal anderer gesellschaftlicher Minderheiten – mit einem großen Unterschied: Schwule und Lesben etwa haben durch jahrelange Aufklärungsarbeit ein hohes Maß an Akzeptanz erreicht. In manchen Branchen können sie mittlerweile sogar Karriere machen und angesehene Politiker werden oder Fernsehmoderatorin zur Primetime. Transen, wie es oft falsch und abfällig über transgeschlechtliche Menschen heißt, erwarten die Leute allenfalls beim Christopher Street Day oder in freizügigen Berliner Techno-Clubs – aber nicht nebenan im Büro. "Die Aufklärung über Trans-Menschen in der Gesellschaft hinkt völlig hinterher", sagt Jannik Franzen.

Franzen hat mit seinem Forscherkollege Arn Sauer die Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt. Sie stützt sich auf Daten aus diversen internationalen Untersuchungen: Danach sind bis zu 54 Prozent der Trans-Personen arbeitslos. Und wer einen Job hat, kommt über ein prekäres Beschäftigungsverhältnis meist nicht hinaus. Viele Trans-Menschen sind für ihre Tätigkeit überqualifiziert, Karriere machen die wenigsten. Stattdessen gibt es große Berührungsängste seitens Vorgesetzter und Kollegen, Mobbing und gar Gewalt sind keine Seltenheit. Der Fall des Microsoft-Managers Michael Wallent, der nach einer Geschlechtsumwandlung zur weiblichen Megan Wallent den Top-Posten im Konzern noch festigte, gehört zu den Ausnahmen.

Monika Strub begann 2007 mit ihrer Geschlechtsangleichung. Damals machte sie eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Als Horst Strub hatte sie in der metallverarbeitenden Industrie gearbeitet. "Ich habe mich dann aber neu orientiert, wollte etwas mit Menschen machen", sagt die 36-Jährige. Doch die Suche nach Arbeit sei ein "Spießrutenlauf" gewesen. Wegen ihrer Transidentität bekam sie auf Bewerbungen Absagen, lange Zeit war Strub arbeitslos. Im Frühjahr versuchte sie es sogar als Politikerin und bewarb sich für die Linken um ein Mandat im baden-württembergischen Landtag. Die Partei blieb aber unter der Fünf-Prozent-Hürde. "Ich habe mich dann zwischenzeitlich selbständig gemacht und Brötchen ausgefahren", erzählt sie.

Leserkommentare
    • TDU
    • 29. Juli 2011 14:42 Uhr

    Sie glaubt, sie habe den Job nicht bekommen wegen ihrer Identität. Indizien dafür nennt sie keine. Als Beweis dienen Studien, eine Vereinsmitgliedschaft scheint also zwingend geboten.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in solchen Situatioen schlecht nennen. Kein (potentieller) Arbeitgeber wird offen zugeben einen Menschen wegen seiner sexuellen Ausrichtung, seines Statuses nicht einzustellen. Das wäre mit einer Klagewelle verbunden, die sehr hohe Kosten und das gerichtlich erzwungene Einstellen der Bewerberin führen würde. Also werden schön subjektiv, die "fachlichen Mängel" und "Nicht-Qualifikationen" aufgeführt die zu einer Ablehnung, also Nicht-Einstellung führen.

    Soviel zur Benennung von Indizien. Formal liegt es am potentiellen Arbeitgeber, dem Aspiranten/ der Aspirantin auf dem Job, klar zu machen warum er ihn/sie nicht nehmen will. Dass die Gründe wie so oft vorgeschoben sind, zeigt auch eine andere Studie. Menschen mit türkisch, persisch-klingendem Namen werden auch bei der Einstellung diskrimminiert.

    Da gibt es noch viel zu tun für die Gleichstellungsbeauftragen und auch das Umdenken zu Haltung gegenüber Minderheiten (sei sie die der sexuellen Orientierung, des Geschlechts -trans/-gender, und auch ethnische Minderheiten...)

    Man kann eher mal die ganzen Ablehungsschreiben anschauen und überprüfen auf Kriterien, die auf Internalisierung (sie gehort zu uns) und Externalisierung (sie passt nicht zu uns) untersuchen. Das wäre eine Textanalyse und recht aufwändig... würde aber so einige dunkle Floskeln an den Tag legen, die keiner als Antwort in dem Brief/ der Absage auf seinem Schreibtisch finden will.

    Best E

  1. Wie kann ein Arzt so einen Eingriff vornehmen? Die Menschen müssen ein Leben lang Schmerzmittel und Hormone nehmen. Wenn jemand sich als Frau/Mann fühlt spricht nichts dagegen und die Leute sollen auch ihre ungewöhnliche Sexualität ausleben. Aber der Wunsch nach einer körperlichen Geschlechtsumwandlung ist aus meiner Sicht ein psychologisches Problem und sollte von einem Arzt auch so behandelt werden.

    Der Kommentar ist nicht diffarmierend gemeint und soll Transexuelle nicht diskreminieren.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >>Der Kommentar ist nicht diffarmierend gemeint und soll Transexuelle nicht diskreminieren.<<

    Doch das ist er!

    >>Aber der Wunsch nach einer körperlichen Geschlechtsumwandlung ist aus meiner Sicht ein psychologisches Problem und sollte von einem Arzt auch so behandelt werden.<<

    Warum sollte ich einen Psychologen aufsuchen, wenn ich feststelle im falschen Körper geboren zu sein? Wenn ich meine Sexualität nicht ausleben kann, da mir was fehlt? Ist es nicht nach dem Prinzip des John Rawls zu begrüßen, dass die Menschen, die sich nicht in ihrem Körper zu Hause fühlen, diesen operativ ändern können dass sie es tun? Sich quasi das eigene Glück operativ erschaffen lassen? Ich finde es spricht nichts dagegen. Auch die Einnahme von Hormonen nicht. Fragen Sie doch mal die ganzen jungen Frauen im gebärfähigem Alter, die die Antibabypille nehmen und auch eine lange Zeit ihres Lebens Hormone futtern. Ist das auch falsch? Was ist mit den Frauen, die durch operative Eingriffe ihre Gebärmutter nicht mehr haben, die auch Hormone nehmen? Wo ist da die Grenze zu ziehen? Selbstbestimmung, so lange sie niemandem schadet ist nur zu unterstützen! Denn wenn jemand ein Leben lang gezwungen ist im falschen Geschlecht zu leben... wird nicht glücklich werden. Ähnlich wie mit einem Partner, der nicht selbst aus freien Stücken gewählt worden ist (Thema: Zwangsehe).

    So far E.

    ...entsteht doch wohl im Gegenteil erst durch das unvorstellbare Leiden, das sich einstellt, wenn man/frau täglich damit leben soll, dass die persönliche sexuelle Identität das Gegenteil aussagt wie der Körper, an den sie gebunden ist - oder?

    Es muss die Freiheit und das unbestittene Recht eines jeden Menschen sein, hier unter Zuhilfenahme operativer Eingriffe das unerträgliche Gespalten-Sein in Harmonie zu verwandeln - und die macht dann psychisch gesund.

    Wen sollte das ausserdem etwas angehen, wer sollte sich hiervon persönlich betroffen fühlen - ausser den tatsächlich Betroffenen?

  2. Letztlich versuchen Minderheiten genau das gesetzlich zu erzwingen, was sie dem Arbeitgeber gerade noch vorgeworfen haben-nämlich gerade wegen ihrer Auffälligkeiten eingestellt werden zu müssen.

    Arbeitgeber entscheiden nie und in keinem Fall alleine mittels der fachlichen Qualifikationen-das ist so, das weiß auch jeder. Wers nicht glaubt, einfach mal versuchen, ungewaschen und mit Bierfahne den Traumjob zu ergattern.

    Und wenn der Arbeitgeber keine Transen im Betrieb will, dann ist das eben so. Wer das ändern will, muss als Transe selber einen Betrieb gründen und dort barrierefrei einstellen.

    Den Gesetzgeber braucht es hier nicht, kann man alles haben, wenn man will. Transsexualität ist nunmal entweder "normal", oder eine chronische Krankheit, für die man einen Sonderstatus beansprucht. Da muss man sich entscheiden. Sieht man sich selber als "normal", dann kann man nicht nach dem Gesetzgeber schreien, denn der hat hier nichts zu melden.

    Also, glauben Transsexuelle nun wirklich selber, dass sie "normal" sind, oder zweifeln sie daran?

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sehr sehr dünnem Eis.

    Heute sind es die Transsexuellen, den man das Recht auf freie Arbeitswahl nimmt und das Recht auf eigene sexuelle Orientierung, welche auch ua. in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist.

    Sind dann morgen die Menschen unter 1,5 Metern dran?

    Übermorgen die Dicken, BMI 60?

    Dann irgendwann die Brillenträger?...

    Ich denke nur das Muster weiter was Sie aufstellen...

    >>Den Gesetzgeber braucht es hier nicht, kann man alles haben, wenn man will. Transsexualität ist nunmal entweder "normal", oder eine chronische Krankheit,[...] sieht man sich selber als "normal", dann kann man nicht nach dem Gesetzgeber schreien, denn der hat hier nichts zu melden.

    Also, glauben Transsexuelle nun wirklich selber, dass sie "normal" sind, oder zweifeln sie daran?<<

    Und ob man den Gesetzgeber braucht ansonsten haben wir wieder schnell den Zustand wie 1933. Nein Danke!

    Bei einem Arbeitsplatz, einer Tätigkeit hat die sexuelle Orientierung keine Rolle zu spielen. Denn sie geht den Arbeitsgeber nichts an. Was ein Mensch [!] mit anderen ähnlich sexuell interessierten Menschen in seinem Privatleben macht geht nur ihn und den Sexualpartner was an. Niemanden sonst. Ansonsten haben wir wieder einen Haufen von verschiedenen Moralvorstellungen... die jede etwas anderes sagt und die Minderheite (ethnisch, sexuell, religiös etc) werden von verschiedenen sich selbst bezeichnenden "Normalen" ausgegerenzt. Schlagen Sie mal nach Gleichheistgrundsatz: Tipp GG. E.

    Redaktion

    Hallo Don Homer,

    ich möchte Sie bitten, Ihre Wortwahl zu überdenken. Der Begriff "Transe" ist nicht nur völlig falsch, sondern zudem abwertend und diskreditierend. (Wie im Artikel auch dargestellt.) Und natürlich sind Trans*Menschen völlig normal! Eine Vielzahl von Kindern wird bspw. ohne ein eindeutiges Geschlecht geboren.

    Natürlich: Biologischer Fakt ist, dass es zwei Geschlechter gibt. Aber Geschlecht ist vor allem auch eine Strukturkategorie, die unserem Denken vorgeschaltet ist.

    Ich finde es gut, dass sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes des Themas Diskriminierung von Trans*Personen in der Arbeitswelt angenommen und eine erstmals umfassende Studie in Auftrag gegeben hat. Vor allem durch Aufklärung kann erreicht werden, dass das, was normal und eben auch Wahrheit ist, auch als solche gesellschaftlich akzeptiert wird. Und Arbeitgeber, die ganz offen diskriminieren, weil sie mit der geschlechtlichen Identität eines sonst fachlich kompetenten Mitarbeiters/IN nicht umgehen können, sind m.E.n. nicht akzeptabel. Ebenso wie offene Diskriminierung wegen Religion, Herkunft, Alter oder Hautfarbe etc. es nicht ist.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

  3. sehr sehr dünnem Eis.

    Heute sind es die Transsexuellen, den man das Recht auf freie Arbeitswahl nimmt und das Recht auf eigene sexuelle Orientierung, welche auch ua. in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist.

    Sind dann morgen die Menschen unter 1,5 Metern dran?

    Übermorgen die Dicken, BMI 60?

    Dann irgendwann die Brillenträger?...

    Ich denke nur das Muster weiter was Sie aufstellen...

    >>Den Gesetzgeber braucht es hier nicht, kann man alles haben, wenn man will. Transsexualität ist nunmal entweder "normal", oder eine chronische Krankheit,[...] sieht man sich selber als "normal", dann kann man nicht nach dem Gesetzgeber schreien, denn der hat hier nichts zu melden.

    Also, glauben Transsexuelle nun wirklich selber, dass sie "normal" sind, oder zweifeln sie daran?<<

    Und ob man den Gesetzgeber braucht ansonsten haben wir wieder schnell den Zustand wie 1933. Nein Danke!

    Bei einem Arbeitsplatz, einer Tätigkeit hat die sexuelle Orientierung keine Rolle zu spielen. Denn sie geht den Arbeitsgeber nichts an. Was ein Mensch [!] mit anderen ähnlich sexuell interessierten Menschen in seinem Privatleben macht geht nur ihn und den Sexualpartner was an. Niemanden sonst. Ansonsten haben wir wieder einen Haufen von verschiedenen Moralvorstellungen... die jede etwas anderes sagt und die Minderheite (ethnisch, sexuell, religiös etc) werden von verschiedenen sich selbst bezeichnenden "Normalen" ausgegerenzt. Schlagen Sie mal nach Gleichheistgrundsatz: Tipp GG. E.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Perfide Strategie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Einen konkreten Arbeitsplatz kann sich jedoch niemand einfach frei wählen (sonst würden sich wohl viele einen besser bezahlten Job nehmen). Ein Arbeitsplatz wird vergeben, wenn die Vorstellungen von Arbeitgeber und Bewerber übereinstimmen. Und auf beiden Seiten zählen neben den „harten“ Fakten (z.B. Qualifikation, Gehaltshöhe) auch „weiche“ Faktoren (z.B. Arbeitsklima).

    Weiche Faktoren sind natürlich das Einfallstor für Diskriminierung – es ist absolut richtig, aufzuklären und eklatante Diskriminierung anzuprangern. Aber der Artikel übersieht, dass auch weiche Faktoren wichtig sind. Man heuert halt keine Arbeitsmaschine mit bestimmten technischen Daten an, sondern Menschen, die ins Team und zu den Kunden passen sollen. Der Artikel deutet an, welche Probleme Arbeitgeber vermuten können (falsche Anreden, Toilettenbenutzung, …). Für Arbeitgeber ist ihre Firma meist kein soziales Projekt, sondern auf geschäftlichen Erfolg ausgerichtet. Da tendiert man dazu, den Bewerber zu nehmen, der sich anscheinend am leichtesten in das Team integriert (auch wenn das Zeugnis einen Hauch schlechter ist). Bei einer Krankenpflegerin, die eine Geschlechtsangleichung vorgenommen hat, wird übersehen, dass das für Pflegebedürftige durchaus ein Problem sein kann (nicht muss). Ihnen kann es wichtig sein, ob sie sich von einem Mann oder einer Frau im Intimbereich waschen lassen wollen. Nirgendwo werden Arbeitsstellen allein nach harten Fakten vergeben. Es hilft nicht, dies einfach zu ignorieren.

  4. Redaktion

    Hallo Don Homer,

    ich möchte Sie bitten, Ihre Wortwahl zu überdenken. Der Begriff "Transe" ist nicht nur völlig falsch, sondern zudem abwertend und diskreditierend. (Wie im Artikel auch dargestellt.) Und natürlich sind Trans*Menschen völlig normal! Eine Vielzahl von Kindern wird bspw. ohne ein eindeutiges Geschlecht geboren.

    Natürlich: Biologischer Fakt ist, dass es zwei Geschlechter gibt. Aber Geschlecht ist vor allem auch eine Strukturkategorie, die unserem Denken vorgeschaltet ist.

    Ich finde es gut, dass sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes des Themas Diskriminierung von Trans*Personen in der Arbeitswelt angenommen und eine erstmals umfassende Studie in Auftrag gegeben hat. Vor allem durch Aufklärung kann erreicht werden, dass das, was normal und eben auch Wahrheit ist, auch als solche gesellschaftlich akzeptiert wird. Und Arbeitgeber, die ganz offen diskriminieren, weil sie mit der geschlechtlichen Identität eines sonst fachlich kompetenten Mitarbeiters/IN nicht umgehen können, sind m.E.n. nicht akzeptabel. Ebenso wie offene Diskriminierung wegen Religion, Herkunft, Alter oder Hautfarbe etc. es nicht ist.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Perfide Strategie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kriton
    • 29. Juli 2011 15:42 Uhr

    Seit Jahrzehnten (bzw. Jahrhunderten) versuchen verschiedene Wissenschaften herauszufinden, wie viele Geschlechter es biologisch überhaupt gibt. Da es vier verschiedene biologische Dimensionen gibt, an denen Geschlecht differenziert wird, ist das ein komplexes Unterfangen. Jede dieser Dimensionen - bspw. das Chromosomengeschlecht oder das Hormonengeschlecht - hat mehr als zwei Ausprägungen bzw. nur relative Verteilungen, keine davon hat exakt zwei kategorial zu trennende. Die unterschiedlichen Ausprägungen verschiedener Dimensionen zur Geschlechtsbestimmung wiederum sind nicht kausal verbunden: Ein xx-Chromosomensatz ist z.B. nicht automatisch mit einem erhöhten Östrogenspiegel verbunden.
    Die Vorstellung, es gäbe "von Natur aus" zwei und nur zwei einander ausschließende Geschlechter, ist eine rein soziale und läßt sich wissenschaftlich nicht belegen. (vgl. u.a. Londa Schiebinger, Emily Martin, Thomas W. Laqueur, Stefan Hirschauer, Donna Harraway, Paula-Irene Villa etc.)

    Ist der Begriff "Transe" wirklich so abwertend? Ich sehe darin eher eine Abkürzung für das Wort "Transsexuelle/r". Warum der Begriff falsch sein soll erschließt sich mir nicht.

    Ein Konstrukt wie "Trans*Personen" finde ich dagegen eher lächerlich.. Das ist wieder so ein Begriff wie "Bundesbürger mit Migrationshintergrund", der nicht mehr aussagt, aber durch Verschleiern politisch korrekt wird.

    • zyx99
    • 31. Juli 2011 0:05 Uhr

    aber eine Norm, und etwas was davon abweicht. Und ein Arbeitgeber möchte nun mal kein Risiko, und alles was von der Norm abweicht ist ein Risiko. Außerdem wird hier niemand leugnen, dass der Samen des Mannes der das x oder y Chromosom trägt im Regelfall das Geschlecht bestimmt. Also, es ist eine Ausnahme, diese Ausnahme bestätigt die Regel. Sie macht das Leben interessant, des Zweifels ohne. Wenn ein TRANsSExueller (TRANSE, Abkürzung, liebe Redaktion, kein Schimpfwort!) also keinen Job findet, weil er seine Sexualität auslebt, geht er bewusst das sehr hohe Risiko ein, Arbeitslos zu werden.
    Damit kostet er der Krankenkasse Geld und danach dem Staat Hartz 4.
    Ich denke(Das ist meine persönliche Meinung die ich hier kundtue), dass Transen wahrscheinlich in geschätzten 75% der Fälle eine gestörte Beziehung zur Sexualität, Vater und Mutter Rolle und frühkindlich bedingte Minderwertigkeitsgefühle haben. Das ist meines Erachtens nach ein sehr trauriger Verlauf, sich in dem was man ist nicht wohl zu fühlen. Eine Operation ist meines Erachtens nach dann eine Flucht nach vorn, Probleme, Angst durch ein neues Geschlecht und die damit verbundenen Reize zu betäuben. Es löst keine Probleme, es wird nichts aufgearbeitet, und die Probleme nehmen weiter zu.
    Über Menschen die ohne eindeutiges Geschlecht geboren werden rede ich nicht, dass so etwas passiert ist traurig, wohl aber normal, mit dem es sich zu arrangieren gilt.

  5. so jedenfalls habe ich den geschilderten Fall verstanden - von einem Metallberuf umsattelt in einen Krankenpflegerischen dürfte das für jeden gleichgültig welcher sexuellen Orientierung man für sich sieht schwierig sein.

    Hinzu kommt noch, dass es vermutlich auch für die Patienten nicht ohne sein dürfte und das ist auch der zukünftige Arbeitgeber verpflichtet, zu bedenken.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service