Wenn Bestatter über ihren Beruf reden , werden sie oft gefragt: "Macht dieser Job denn Spaß?" Ja, sagt Sigrid Ahrens. Sie führt ein Bestattungsinstitut in Bremen und liebt ihre Arbeit. Die meisten Menschen haben aber ein falsches Bild von diesem Job, sagt sie.

"Ein großer Teil unserer Arbeit nimmt ein Stück Trauerbegleitung in Anspruch", erzählt die Bestatterin. Denn auch wenn der Tod zum Leben dazu gehört, so reißt der Verlust eines geliebten Menschen immer eine Lücke in das Leben der Hinterbliebenen. In ihrer Verzweiflung ist der Bestatter oft einer der ersten Ansprechpartner. 

"Es kommt vor, dass wir mitten in der Nacht von Angehörigen angerufen werden. Dann muss man die Menschen beruhigen und ihnen beistehen", sagt Ahrens. Für sie ist Einfühlungsvermögen die wichtigste Fähigkeit, die ein Bestatter mitbringen sollte. Trauernde erleben einen emotionalen Ausnahmezustand. 

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Das macht die Beratung zum Balanceakt zwischen Trauerbegleitung und dem Verkaufsgespräch. Die Bestatter kümmern sich nicht nur um die Trauerfeier, sie betreuen die Angehörigen auch vor, während und nach der Bestattung. "Wir schalten Anzeigen, organisieren die Feier inklusive Musik, dem Redner und Pastor", sagt Ahrens.

Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl ist gefragt

Ein Hauptteil der Arbeit passiert im Hintergrund. Ein Sterbefall bedeutet viel Schreibtischarbeit. Bestatter besorgen Sterbeurkunden, schreiben Versicherungen an, melden Krankenversicherungen ab und kümmern sich auch um banale Dinge wie das Kündigen von Zeitungsabos. "Die Arbeit am Verstorbenen selbst macht nur einen kleinen Teil unserer Arbeit aus", sagt die Bestatterin.

Doch wie ist der tägliche Umgang mit Toten? "Man gewöhnt sich daran. Der Tod lässt einen nie ganz kalt. Es gibt immer wieder Fälle, die einen bewegen – beispielsweise, wenn ein Kind stirbt." Die psychische Belastung sei nicht zu unterschätzen. Unfallopfer sind oft entstellt, Selbstmorde oft dramatisch. Manchmal kommen da auch gestandene Bestatter an ihre Grenzen. Auch die körperliche Belastung sei nicht zu unterschätzen. Die Arbeitszeit variiert stark, Überstunden und Bereitschaftsdienst gehören dazu. "Die Menschen sterben auch an Wochenenden, an Feiertagen, in der Nacht. Da muss man zur Stelle sein", sagt Ahrens.

Der Zugang zum Beruf ist frei. Ein Gewerbeschein genügt, eine Prüfung oder eine Ausbildung sind keine Pflicht. Quereinsteiger mit langjähriger Erfahrung können sich durch die zuständige Handwerkskammer zum geprüften Bestatter fortbilden lassen. Erst seit 2003 gibt es den staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zur Bestattungsfachkraft. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Später ist eine Fortbildung zum Meister möglich. Viele lassen sich auch zum Thanatopraktiker weiterbilden. Thanatopraxis ist die ästhetische Wiederherstellung von Verstorbenen, etwa von Unfallopfern.