Bestatter : Zwischen Kaufmannsjob und Trauerbegleitung

Wenn sie von ihrem Beruf erzählen, hört jeder gebannt zu. Bestatter erweisen Toten die letzte Ehre und helfen Angehörigen. Aber sie verkaufen auch eine Dienstleistung.

Wenn Bestatter über ihren Beruf reden , werden sie oft gefragt: "Macht dieser Job denn Spaß?" Ja, sagt Sigrid Ahrens. Sie führt ein Bestattungsinstitut in Bremen und liebt ihre Arbeit. Die meisten Menschen haben aber ein falsches Bild von diesem Job, sagt sie.

"Ein großer Teil unserer Arbeit nimmt ein Stück Trauerbegleitung in Anspruch", erzählt die Bestatterin. Denn auch wenn der Tod zum Leben dazu gehört, so reißt der Verlust eines geliebten Menschen immer eine Lücke in das Leben der Hinterbliebenen. In ihrer Verzweiflung ist der Bestatter oft einer der ersten Ansprechpartner. 

"Es kommt vor, dass wir mitten in der Nacht von Angehörigen angerufen werden. Dann muss man die Menschen beruhigen und ihnen beistehen", sagt Ahrens. Für sie ist Einfühlungsvermögen die wichtigste Fähigkeit, die ein Bestatter mitbringen sollte. Trauernde erleben einen emotionalen Ausnahmezustand. 

© Tim Boyle/Getty Images

Das macht die Beratung zum Balanceakt zwischen Trauerbegleitung und dem Verkaufsgespräch. Die Bestatter kümmern sich nicht nur um die Trauerfeier, sie betreuen die Angehörigen auch vor, während und nach der Bestattung. "Wir schalten Anzeigen, organisieren die Feier inklusive Musik, dem Redner und Pastor", sagt Ahrens.

Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl ist gefragt

Ein Hauptteil der Arbeit passiert im Hintergrund. Ein Sterbefall bedeutet viel Schreibtischarbeit. Bestatter besorgen Sterbeurkunden, schreiben Versicherungen an, melden Krankenversicherungen ab und kümmern sich auch um banale Dinge wie das Kündigen von Zeitungsabos. "Die Arbeit am Verstorbenen selbst macht nur einen kleinen Teil unserer Arbeit aus", sagt die Bestatterin.

Doch wie ist der tägliche Umgang mit Toten? "Man gewöhnt sich daran. Der Tod lässt einen nie ganz kalt. Es gibt immer wieder Fälle, die einen bewegen – beispielsweise, wenn ein Kind stirbt." Die psychische Belastung sei nicht zu unterschätzen. Unfallopfer sind oft entstellt, Selbstmorde oft dramatisch. Manchmal kommen da auch gestandene Bestatter an ihre Grenzen. Auch die körperliche Belastung sei nicht zu unterschätzen. Die Arbeitszeit variiert stark, Überstunden und Bereitschaftsdienst gehören dazu. "Die Menschen sterben auch an Wochenenden, an Feiertagen, in der Nacht. Da muss man zur Stelle sein", sagt Ahrens.

Der Zugang zum Beruf ist frei. Ein Gewerbeschein genügt, eine Prüfung oder eine Ausbildung sind keine Pflicht. Quereinsteiger mit langjähriger Erfahrung können sich durch die zuständige Handwerkskammer zum geprüften Bestatter fortbilden lassen. Erst seit 2003 gibt es den staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zur Bestattungsfachkraft. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Später ist eine Fortbildung zum Meister möglich. Viele lassen sich auch zum Thanatopraktiker weiterbilden. Thanatopraxis ist die ästhetische Wiederherstellung von Verstorbenen, etwa von Unfallopfern.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Auch nur Dienstleister

Bei aller Trauer und Tränen im Fall des Falles - nicht vergessen: B. sind letztlich auch nur Dienstleister. Leider herrscht dort aber oft die Mentalität von Schlüsseldiensten - soll heissen ist der Schaden erst mal da wird aus der Not der Kunden heraus schnell gnadenlos abkassiert. Wir mussten zB für einen Sarg für das Krematorium über 800 Euro bezahlen und erfuhren leider erst hinterher im www. das dies auch wesentlich günstiger hätte gehen können. Es wird Zeit das in dieser Branche die Marktwirtschaft einzieht und zwar von der Kundenseite her. Also nicht sofort einen Auftrag unterschreiben, sondern Angebote einholen, sich im www informieren und dann verhandeln (ja!) und dann erst unterschreiben. Särge für das Krematorium gibt es übrigen schon ab 200 Euro...

800 € sind zu viel, wenn.....

Handelte es sich bei dem 800 € Sarg denn um einen Kiefer-Natur Verbrenner? Dann ist das natürlich ein "guter" Preis den Sie bezahlt hatten. Da war schon eine Portion Frechheit dabei.

Was das Vergleichen angeht haben Sie grundsätzlich Recht, machen tun das aber die wenigsten und ganz ehrlich, wer will denn im Trauerfall Angebote vergleichen? Man ist doch froh wenn alles schnell geregelt wird. Wer dann natürlich an den "falschen" gerät sieht das dann auf der Rechnung. Ein guter und ehrlicher Bestatter wird ihnen aber schon vorher genau sagen können was das alles kostet.

Die www Angebote für den Bestattervergleich haben ihre Tücken. So bekomme ich auch Anfragen über so ein Portal und erlebe oft das die Präferenz "BILLIG" ist. Dafür wollen die Hinterbliebenen aber ganz viel haben. Das "Geiz ist geil" Prinzip funktioniert hier nicht.

Eine würdevolle Bestattung muß nicht teuer sein, sie sollte aber nicht zum Grabbeltischniveau verkommen.