ZapfenpflückerArbeitsplatz in der Baumkrone

Auf Bäume klettern als Lebensunterhalt: Zapfenpflücker sammeln Baumsamen aus bis zu 60 Metern Höhe. Von ihrem Arbeitsergebnis hängt die Forstwirtschaft ab. von 

Von der reinen Entfernung her hat Kay Busemann einen kurzen Weg zur Arbeit. 50 Meter muss er von seinem Wohnmobil zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen. Trotzdem braucht er gut eine Stunde, bis er angekommen ist. Sein Arbeitsplatz ist eine Douglasfichte und Buemann muss ganz bis in die Kronen klettern. Er arbeitet als Zapfenpflücker. Die reifen Zapfen von Fichte, Kiefer und Tanne enthalten Baumsamen, aus denen das Saatgut für die Forstwirtschaft wird. Busemanns Aufgabe ist denkbar einfach: Er muss die Bäume erklimmen und die reifen Zapfen ernten.

© Tim Boyle/Getty Images

Zunächst untersucht der Zapfenpflücker den Baum und prüft, ob sich der Aufstieg lohnt. Dann wirft er eine Wurfschnur, die mit einem Gewicht befestigt ist, in den Baum. Daran hängt ein Seilsystem, das ihm beim Aufstieg hilft. Bei den sehr hohen Bäumen benutzt Busemann eine Zwille. Sobald die Wurfschnur mehrere tragfähige Äste erwischt hat, zieht der Zapfenpflücker das Kletterseil an der Schnur in den Baum herauf. Daran sichert er sich und klettert in die Krone.

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Ob die Zapfen im Baum wirklich reif sind, erkennt Busemann erst, wenn er oben ist. "Es kann sein, dass der ganze Baum voller Zapfen ist, aber die sind dann nicht befruchtet. Dann enthalten sie auch keine Samen und die ganze Kletterei war umsonst", erzählt er. Wenn er aber Glück hat, pflückt er jeden Zapfen per Hand. Entweder werden sie in Säcken gesammelt, vom Baum geschüttelt oder in vorher aufgespannten Netzen aufgefangen. Hinterher reinigt, trocknet und wiegt der Pflücker seine Ernte noch.

Aber warum überhaupt in den Baum klettern? Lassen sich die Zapfen nicht einfach vom Boden auflesen, sobald sie im Herbst herunterfallen? Nein, erklärt Busemann. Denn damit die Samen als Forstsaatgut taugen,  müssen sie die Zapfen noch grün vom Baum geerntet werden. Wenn sie braun am Boden liegen, enthalten sie gar keine Samen mehr.

Die Erntezeit beginnt jetzt im August und dauert bis November. Dann klettern die Zapfenpflücker auch schon mal im Schnee in die Bäume hinauf. Je nach Baumart variiert die Erntezeit. Douglasfichten müssen im August geerntet werden. Sie sind mit ihren 40 bis 60 Metern Höhe eine besondere Herausforderung. Im September sind die Weißtannen dran. Schon ab Ende  September öffnen sich ihre Samenträger. "Und dann verweht die ganze Saat vom Winde", sagt Busemann. Geerntet werden darf nur in Waldbereichen, für die eine Genehmigung vorliegt.

Etwa hundert Zapfenpflücker gibt es in Deutschland. Von ihrem Erfolg hängt letztlich die gesamte Forstindustrie ab. Auftraggeber sind Forstbaumschulen oder Saatguthändler. Während der Saison reisen die Zapfenpflücker von Ernteplatz zu Ernteplatz, dann leben sie in Wohnmobilen, die sie in der Nähe des Arbeitsortes aufstellen. Die Pflücker arbeiten als Selbständige, oft sind sie hauptberuflich in einem anderen grünen Beruf tätig, etwa als Forstwirt oder Baumpfleger.

Der Verdienst richtet sich nach dem Ertrag. Etwa drei Euro gibt es pro Kilo Zapfen, rund hundert Kilo erntet ein Pflücker am Tag. Aus einem Zentner Zapfen wiederum wird ein Kilo Samen gewonnen. 

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