EntlassungenWie man sich fair von Mitarbeitern trennt

Den Job zu verlieren, stürzt Mitarbeiter in eine Krise. Wir zeigen, was Führungskräfte im Trennungsgespräch beachten müssen und worauf sie sich einstellen sollten. von Liane Borghardt

Wer sollte das Trennungsgespräch führen?

Trennungsgespräche sind immer Chefsache. Ob eine Kündigung als fair empfunden wird, hängt in erster Linie vom Schneid der bisherigen Führungskraft ab, dem Mitarbeiter die Entscheidung persönlich mitzuteilen – und nicht etwa durch einen Dienstleister oder gar per Post. Außerdem: Der direkte Vorgesetzte kennt den Betroffenen und seinen privaten Hintergrund am besten. Womöglich hat er bereits diverse Jahres- oder Kritikgespräche mit ihm geführt. Dadurch kann er sich ohnehin besser auf den Mitarbeiter einstellen. Ein Personalverantwortlicher, der sich mit arbeitsrechtlichen Fragen auskennt und erfahren in schwierigen Mitarbeitergesprächen ist, sollte allerdings ebenfalls anwesend sein – im Zweifel auch als Zeuge.

Wo sollte das Gespräch stattfinden?

Wovor sich Führungskräfte in Trennungsgespräche fürchten

Kündigungsgespräche sind auch für Führungskräfte furchtbar. Eine Kienbaum-Umfrage hat Entscheider nach ihren größten Ängsten gefragt:

  • 67 Prozent haben Sorge, das Arbeitegeber-Image könnte sich verschlechtern. Ihr persönliches aber auch.
  • 62 Prozent fürchten der Betriebsfrieden könnte hernach gestört sein.
  • 53 Prozent plagt die Angst, dass sich negative Gerüchte (über sie) verbreiten.
  • 12 Prozent graut es vor harten Verhandlern.
  • 11 Prozent hoffen, dass niemand um einen (anderen) Job bettelt.
  • 10 Prozent sorgen sich, dass der oder die Betroffene weint.

Glaskasten und Großraumbüro verbieten sich schon aus Gründen der Diskretion. Ebenfalls tabu: ein "Exekutionstag", in dem ausschließlich Trennungsgespräche geführt werden, etwa weil mehrere Kollegen auf einen Schlag entlassen werden sollen. Geeignet ist vor allem das Büro des Vorgesetzten – aber ohne Störungen durch Telefonklingeln oder Kollegen! Die Sitzordnung sollte nicht "konfrontativ" sein: Führungskraft und Mitarbeiter sitzen sich also nicht gegenüber, sondern über Eck. Sämtliche für das Gespräch relevanten Unterlagen wie der Arbeitsvertrag, die Personalakte oder Betriebsvereinbarungen sollten bereitliegen.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Trennungsgespräche sollten zügig nach der Entscheidung geführt werden, aber erst nach vollständiger Abstimmung der Informationspolitik (welche Information geht wie an wen?). Generell ungünstig ist der Freitag: Der Gekündigte muss die Möglichkeit haben, den Betriebsrat oder einen Rechtsanwalt zu kontaktieren; am Wochenende gelingt das schwer. Aus demselben Grund empfiehlt sich eher der Vor- als der Nachmittag. Es sei denn, der Mitarbeiter hat noch einen Termin vor sich – und wäre beispielsweise gezwungen, im Kundengespräch noch gute Miene zu machen. Unsensibel!

Leserkommentare
  1. Die Realität sieht auch für Führungskräfte oft anders aus:

    Der Chef ruft seinen Mitarbeiter zu sich und spricht kurz und knapp die Kündigung aus. Der Sicherheitsdienst wartet schon vor der Tür und geleitet den Gefeuerten unverzüglich vom Firmengelände.

    Persönliche Gegenstände vom Arbeitsplatz werden ggfs. per Post nachgeschickt.

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    Jemanden zu entlassen und vom Sicherheitsdienst vom Gelände scheuchen zu lassen klingt, als hätten wir die viel gescholtenen amerikanischen Zustände schon längst hier in Deutschland. Möglicherweise sind das die deutschen Verhältnisse.

    • Elite7
    • 01. September 2011 1:06 Uhr

    Jetzt werden sogar noch überall Tips gegeben und Seminare abgehalten "Wie kündige ich effizient meinen Mitarbeitern".
    Dass ich meinem Arbeitnehmer persönlich Kündige und Anteilnahme zeige und ihn seine Sachen mitnehmen lasse sollte ja wohl genauso selbstverständlich sein, wie ich nicht per SMS mit meiner Freundin schluss mache, sie zum Teufel jage und ihre Sachen vor die Tür stelle. Und persönlich schluss zu machen ist immer eine sehr unangenehme Sache und das sollte sie auch sein. Sollte es etwa zur Selbstverständlichkeit werden unseren Mitarbeitern zu kündigen? Ich finde es ja schon sehr geschmacklos, dass in Frankreich doch sogar ein Spiel entwickelt wurde, wo schon den Kleinsten das richtige Kündigen beigebracht wird.

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    denn bei Kündigungen kann zum erhöhten Leid der Betroffenen viel falsch gemacht werden. Da es zu geringstne Teil um Fakten geht. Unerfahrene Führungskräfte können da sehr viel falsch machen.
    Ich werde niemals meine erste Kündigung als Vorgesetzter vergessen, die emotional zum totalen Fiasko wurde. Ich kann auch verstehen, warum manche Unternehmen Gekündigte direkt aus dem Unternehmen geleiten, das kann der Schadensbegrenzung dienen, insbesondere wenn im Gespräch Fehler gemacht wurden oder der Gekündigte sowohl uneinsichtig ist, als auch über starken Rückhalt in der Belegschaft verfügt. Deshalb finde ich das zwar nicht richtig, aber nachvollziehbar.
    Es ist viel zu einfach, das Problem nur aus der Pertspektive des Gekündigten zu betrachten.

    H.

  2. mal einen Artikel mit der Überschrift zu lesen:
    'Wie sich Mitarbeiter fair von Führungskräften trennen' - was da wohl dabei herauskäme?

    • jon777
    • 01. September 2011 4:50 Uhr

    Fristlose Kündigungen verlaufen ander als betriebsbedingte oder verhaltensbedingte Kündigungen.

    Eigentlich sollte der Gekündigte, durch voher sachlich geführte Beurteilungsgespräche und gegebenenfalls Abmahnungen, wissen was auf ihn zukommt. Bestenfalls hat er sich beruflich schon anderweitig orientiert und das Arbeitsverhältnis wird im Einvernehmen gelöst.

    Vorgesetzte die schon nicht in der Lage sind ein sachliches Beurteilungsgespräch zu führen, sondern jedem Konflikt ausweichen, führen meist auch grauenhafte Kündigungsgespräche.

    Ein Unternehmen mit hoher Fluktuation und Personalmanagement nach Gutsherrenart hat es schwer qualifizierte Kräfte zu finden.
    Entscheident ist hier welche Führungskultur die Geschäftsleitung vorlebt!

  3. Jemanden zu entlassen und vom Sicherheitsdienst vom Gelände scheuchen zu lassen klingt, als hätten wir die viel gescholtenen amerikanischen Zustände schon längst hier in Deutschland. Möglicherweise sind das die deutschen Verhältnisse.

    Antwort auf "Realität?"
  4. denn bei Kündigungen kann zum erhöhten Leid der Betroffenen viel falsch gemacht werden. Da es zu geringstne Teil um Fakten geht. Unerfahrene Führungskräfte können da sehr viel falsch machen.
    Ich werde niemals meine erste Kündigung als Vorgesetzter vergessen, die emotional zum totalen Fiasko wurde. Ich kann auch verstehen, warum manche Unternehmen Gekündigte direkt aus dem Unternehmen geleiten, das kann der Schadensbegrenzung dienen, insbesondere wenn im Gespräch Fehler gemacht wurden oder der Gekündigte sowohl uneinsichtig ist, als auch über starken Rückhalt in der Belegschaft verfügt. Deshalb finde ich das zwar nicht richtig, aber nachvollziehbar.
    Es ist viel zu einfach, das Problem nur aus der Pertspektive des Gekündigten zu betrachten.

    H.

  5. "Eine Kienbaum-Umfrage hat Entscheider nach ihren größten Ängsten gefragt: ... "

    wer die dann folgende aufstellung ließt, stellt fest, daß die befragten "führungskräfte" sich hauptsächlich sorgen um sich selber machen.
    *örgs*!

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