Junge Arbeitnehmer leiden unter prekärer Beschäftigung und einer Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Das geht aus zwei Studien der IG Metall hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. Die Gewerkschaft hatte mehr als 4.000 Betriebsräte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in ihrem Unternehmen und 1.000 junge Arbeitnehmer zu ihren Zukunftsperspektiven befragt.

Mittlerweile ist jeder zweite junge Berufstätige unter 35 Jahren nur befristet angestellt. Für viele ein Grund, den Kinderwunsch aufzuschieben. Diejenigen, die sich für Kinder entscheiden, haben Probleme, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. In nur 38 Prozent der Betriebe sei die Kinderbetreuung durch Betriebskindergärten oder Ferienbetreuungsangeboten geregelt, nur 23 Prozent der Unternehmen haben Familienfreundlichkeit als einen Teil ihrer Betriebskultur erklärt und gerade einmal 62 Prozent aller jungen Mütter und Väter können bei ihren Arbeitgebern nach der Familienphase auf ihren Stammarbeitsplatz zurückkehren, so die Studie.

Die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht dabei besonders den jungen Frauen zu schaffen. Weil Kinderbetreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen, sind die Frauen häufig gegen ihren Willen länger in der Familienauszeit als geplant. Der Wiedereinstieg gelingt vielen hinterher nur noch in schlecht bezahlte Teilzeitstellen.

Zugleich berichten die Betriebsräte von Widerstand bei den Arbeitgebern, wenn es um Vereinbarungen für flexible Arbeitszeitmodelle geht. In nur zehn Prozent der Betriebe gebe es überhaupt eine Betriebsvereinbarung, die sich dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf widmet. "Die Arbeitgeber ziehen nicht mit", sagt IG-Metall-Vize Detlef Wetzel . Familienfreundlichkeit sei offenbar ein Schlagwort, um sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen . Die Ergebnisse der Umfrage stünden im Widerspruch mit der Aussage des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, wonach 99 von 100 Betrieben familienfreundliche Maßnahmen anbieten . Den schönen Worten müssten nun auch Taten folgen, fordert die Gewerkschaft. Hier sei auch die Politik gefragt.