InnovationsfähigkeitUnternehmer sollten kreativ bleiben

Wenn die Gründungsphase erfolgreich war, sollten sich junge Unternehmer nicht zu früh auf dem Erfolg ausruhen. Wer seine Firma auf Kurs halten will, muss kreativ sein. von Chris Löwer

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von diesem Spruch hält Dirk Röhrborn erst einmal gar nichts. Er bringt die Kommunikation in Unternehmen auf Trab und zwar auf High-Tech-Niveau. Röhrborn ist Gründer der Firma Communardo. Sie entwickelt Softwarelösungen, die den Austausch in Teams, Projekten und Betrieben erleichtern. Interne Blogs, Firmenwikis oder soziale Unternehmensplattformen à la Facebook. An Ideen mangelt es den Dresdenern nicht.

Was Communardo den Kunden angedeihen lässt, lebt die Firma auch nach innen. "Unser Grundprinzip ist Vernetzung, um innovativ zu bleiben", sagt Röhrborn. Dieses Jahr feiert das Unternehmen sein zehnjähriges Bestehen, aus drei Gründern sind 300 Mitarbeiter geworden. Die Umsätze steigen im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr. Es zahlt sich aus, dass Communardo schnell auf Markterfordernisse reagiert und sich einen Vorsprung durch Innovation verschafft hat.

Anzeige

Das gelingt nicht jedem Mittelständler. Nach der Gründungs- und Wachstumsphase ist die Gefahr groß, den Anschluss zu verpassen. Nicht selten kommt das Angebot in die Jahre oder ein Wettbewerber drängt mit einem gut kopierten Produkt auf den Markt. Eine kritische Zeit: "Meist ist nach fünf Jahren der Punkt erreicht, an dem junge Unternehmen wissen müssen, womit sie künftig Geld verdienen möchten", sagt Eva Diedrichs vom Kompetenzteam Innovation der Beratung A.T.Kearney. "Wer dann keine Strategie hat, für den wird es knapp."

Kein Schema F

Wachstum führe fast unweigerlich über Innovation, sagt die Beraterin. Doch viele Führungskräfte ließen sich vom Tagesgeschäft vereinnahmen, statt sich Zeit für die strategische Entwicklung zu nehmen. Damit drohe die Gefahr, in die "Wachstumsfalle" zu geraten, sagt Werner Geiger, Geschäftsführer der Beratung Agamus: "Vor allem technologiegetriebene Unternehmen werden mit einem Produkt groß, vernachlässigen dabei aber, Organisationsstrukturen und eine grundsätzliche Geschäftsidee zu entwickeln."

Immerhin: Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wollen 56 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen in diesem Jahr mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Jedoch: Nur rund 24 Prozent betreiben Innovationsmanagement. Bei Großunternehmen ist es fast die Hälfte.

Sollten junge Unternehmer den Konzernen nacheifern? Horst Geschka, Chef der Geschka & Partner Unternehmensberatung in Darmstadt, meldet Zweifel an: "Erfolgreiche Mittelständler orientieren sich nicht am Innovationsmanagement großer Unternehmen. Sie lehnen es sogar ab, deren Rezepte in einfacher Ausführung zu kopieren."

Leserkommentare
  1. 6 Mio ALG2, Aufstocker, Niedriglöhner in Brot und Lohn
    zu bringen, das Ihnen ein angemessenes Leben bietet.

    Erfolgs-Startup gesucht

  2. Den Anschluss zu verpassen - das ist eine Gefahr, die nicht nur nach der Gründungsphase sondern in allen Phasen des Lebenszyklus eines Unternehmens droht. Auch etablierte Konzerne sind schon aufgrund von Schwächen im Geschäftsmodell und wenig Innovation vom Markt verschwunden. An dieser Stelle sei an Quelle erinnert. Der erfolgreiche Versandhändler, der online nicht Schritt halten konnte

  3. liegt darin, daß man versucht, die gleichen Aussagen auf sämtliche Branchen und Situationen anzuwenden.

    Solcherlei Systeme müssen dann entweder falsch sein oder in Beliebigkeit ergehen. So auch hier.

    Kreativität ist besser als Borniertheit? Sach bloß.

    Gute Kommunikation im Betrieb ist besser als schlechte Kommunikation? Da muß man auch erstmal drauf kommen.

    Hier noch ein paar Hinweise, ganz kostenlos:

    - gute Unternehmensführung ist gut

    - Vorausdenken ist besser als sich überraschen lassen (außer manchmal)

    - intelligentes Handeln ist besser als dummes Handeln!

    - ein Anzug wirkt seriöser als ein mit Suppenflecken beckleckertes T-Shirt

    - Betriebswirtschaftslehre ist keine ernstzunehmende Wissenschaft

    - Wenn es regnet, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß es naß wird

    • Peugeot
    • 02. September 2011 9:45 Uhr

    ... auch mal einen Artikel lesen, in dem es um ein Start-up geht, das tatsächlich ein physisches Produkt herstellt, einen Gebrauchsgegenstand, ein "Konsumgut"... HARDWARE eben.

    Gibt es anscheinend in D. nicht mehr. Sehr schade.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Blog | Facebook | Silber | Unternehmensberatung | Darmstadt
Service