ZEIT ONLINE: Herr Gradinger, vermute ich richtig, dass Sie Mitglied in einem Serviceclub sind?

Sebastian Gradinger: Ja, ich gehöre dem Round Table an, einem Club für junge Männer zwischen 18 und 40 Jahren. Aus beruflichen Gründen bin ich jedoch momentan nicht aktiv.

ZEIT ONLINE: Sie haben auch über die Funktion von Serviceclubs promoviert. Dienen Rotary, Lions oder Kiwanis vor allem als Karrierenetzwerke ?

Gradinger: Nein, Serviceclubs werden als Karrierenetzwerke überschätzt. Sie erfüllen vor allem eine soziale Funktion, insbesondere auf regionaler Ebene. Die Mitglieder eint ein Solidaritätsgedanke. Man will etwas für den Nächsten tun. Viele verwechseln Ursache und Wirkung. Die Leute sind nicht im Club, um Karriere zu machen. Die sind im Club, weil sie Karriere gemacht haben. Sie verfügen daher meist über gute Kontakte und pflegen diese dann im Club. Das Eintrittsalter ist deshalb meist sehr hoch, es gibt in allen Serviceclubs so gut wie keine jungen Mitglieder. Dennoch ist an dem Elite-Vorwurf etwas dran: Viele haben ein gewisses Statusdenken. Ab einer bestimmten gesellschaftlichen Stellung gehört es für manche dazu, bei den Rotariern oder Lions zu sein.

ZEIT ONLINE: Sie sind allerdings sehr jung in einen Club eingetreten.

Gradinger (lacht): Ich bin so jung Mitglied geworden, weil Round Table ein Club für junge Männer ist. Mit 40 ist dann Schluss. Im Übrigen bin ich auch deshalb Mitglied geworden, weil mich die Clubs wissenschaftlich interessiert haben.

ZEIT ONLINE: Nun haben die meisten großen Clubs auch Jugendorganisationen. Stimmt der Eindruck, dass es dort eher um Karrierekontakte geht?

Gradinger: Vor dem Hintergrund der vergleichsweise jungen Mitgliederschaft und ihres beruflichen Ehrgeizes kann man die Jugendorganisationen vielleicht noch am ehesten mit einem Karrierenetzwerk vergleichen. Dennoch ist das soziale Engagement bei den Jugendorganisationen meist größer als in den Mutterclubs. Oft aber haben die Jungen mit den Mutterclubs nur in begrenztem Rahmen zu tun. Deshalb werden viele aus den Jugendorganisationen später auch gar nicht Mitglied im Mutterclub. Wer aber allein aus Status- oder Karrieregründen Mitglied in einem Club wird, überlebt dort nicht lange. Denn die Serviceclubs regulieren sich selbst. Es gibt eine strikte Anwesenheitspflicht, und wer kein Engagement bringt, wird ausgeschlossen.

ZEIT ONLINE: Und für Sie selbst spielten Karriereaspekte keine Rolle?

Gradinger: Nein, wirklich nicht. Ich habe von meiner Mitgliedschaft im Club verhältnismäßig wenig profitiert. Ich habe tolle Reisen gemacht und Manager kennengelernt, die mir später in meiner ersten Führungsposition bei Fragen zur Mitarbeiterführung geholfen haben. Aber ich habe keinen Job über den Club gefunden, geschweige denn, dass mir eine Führungsposition auf dem Silbertablett serviert worden wäre.