Führungskräfte Können Sie Chef?

Führungskräfte können motivieren, inspirieren und instruieren. Brillante Chefs können sogar noch mehr. Wir zeigen zehn Fähigkeiten, die Entscheider haben sollten.

Wer es auf einen Chefposten schafft, der hat in der Regel Talent, Fleiß, Biss – und eine gute Portion Glück. Jeder Manager übernahm im Lauf seiner Karriere ehrgeizig Sonderprojekte, sammelte zahlreiche Überstunden und biss sich gegen Konkurrenten durch. Mal lauter, mal unlauter. Das Problem daran: All diese Fähigkeiten helfen dabei, aufzusteigen. Sie zeichnen aber noch lange keine gute Führungskraft aus. Im Gegenteil. Nicht selten landen Mitarbeiter auf dem Chefsessel, die dazu gar nicht geeignet sind. Jene, die zwar gelernt haben, sich durchzusetzen, die aber umgekehrt keine Menschen führen und inspirieren können. Vom Motivieren mal ganz zu schweigen.

"Die meisten Manager entwickeln sich nur bis zu einem bestimmten Punkt", sagt die Harvard-Professorin Linda Hill, "und dann hören sie einfach auf." Fatal! Denn wer erst einmal in der Chefetage angekommen ist, braucht mehr als harte Ellenbogen und profunde Expertise. Er muss vor allem das Beste aus seiner Belegschaft herausholen – und dabei gelten andere Regeln als beim bisherigen beruflichen Fortkommen.

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Andere Regeln

Viele Personalentwickler haben das bereits verstanden. In Unternehmen wie Bosch, Henkel oder SAP laufen aktuell neue Programme zur Führungskräfteentwicklung. Manager aus der zweiten und dritten Ebene durchlaufen dabei unter anderem 360-Grad-Feedbacks, bei dem auch ihr Führungsstil überprüft und notfalls verbessert wird – und die Top-Manager stehen als Mentoren zur Verfügung. Damit machen sie vor, was viele andere Unternehmen derzeit diskutieren: Wie schaffen wir es, gute Führungskräfte zu exzellenten Top-Managern zu formen?

Wirklich brillante Chefs haben Seltenheitswert. Dabei hängt viel von ihnen ab. Rund 61 Prozent der deutschen Manager finden, dass ihre beruflichen Anforderungen in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen sind, fand das Hernstein Institut für Management und Leadership erst im Mai bei einer Umfrage heraus. Die Wissenschaftler wollten von gut 300 Führungskräften wissen, womit die sich im Job am meisten beschäftigten. Die wenigsten Stimmen bekam das Thema "Umsatz generieren". Mit weitem Abstand auf Platz eins: "Mitarbeitermotivation" – eine Kerndisziplin des Managements. Und eine zunehmend wichtige.

Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel sind längst der Flaschenhals in Sachen Wachstum. Kein Arbeitgeber kann es sich leisten, Talente zu vergraulen und Potenzial zu verschwenden. Fakt ist aber auch: Mitarbeiter entscheiden sich für Unternehmen – und gegen ihren Chef. Falls ihnen das Mikroklima missfällt, das ihr Vorgesetzter erzeugt, suchen sie sich einen anderen Job.

Das hat gewaltige Auswirkungen auf den Führungsalltag. Als das Institut der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr knapp 2.000 deutsche Personalchefs befragte, sagte jeder Zweite, dass die Bindung der Belegschaft an das Unternehmen immer wichtiger wird. Zwei Drittel aller Befragten und fast drei Viertel der Unternehmen ab 250 Beschäftigten haben ihre Führungskräfte deshalb explizit dazu verpflichtet, die Arbeitszufriedenheit der Belegschaft zu verbessern.

Die Manager müssen nun einen schwierigen Spagat meistern: Einerseits sollen sie führen und fordern. Also Ziele definieren, Orientierung geben, entscheiden. Gleichzeitig sollen sie die Mitbestimmung und Selbstverwirklichung der Angestellten fördern. Und das bitte schön so, dass alle ein ausbalanciertes Leben führen können und die Chefs trotz unvermeidbarer Meinungsverschiedenheiten sympathisch bleiben. Der autoritäre Gutsherrenstil, à la "Ich bin Chef, du nix", taugt nur noch für Management-Dinosaurier – und solche, die deren Schicksal teilen wollen

Wie aber führt man Mitarbeiter richtig? Wir zeigen die zehn wichtigsten Regeln in der Übersicht:

Leser-Kommentare
    • F.K.
    • 17.08.2011 um 7:29 Uhr

    Keine Angst, es ist ztiemlich unwahrscheinlich, dass einer Ihrer potentiellen Vorgesetzten die Einhaltung oben genannter Regeln wirklich von Ihnen erwarten.
    Wenn Sie befördert werden wollen, müssen Sie dem bzgl. Ihrer Beförderung relevanten Entscheidungsträger zu verstehen geben, dass Sie die aktuell Firmenkultur im Umgang mit Mitarbeitern, egal wie sie aussieht, mitpuschen.

  1. ..."Bosch, Henkel oder SAP laufen aktuell neue Programme zur Führungskräfteentwicklung...und die Top-Manager stehen als Mentoren zur Verfügung." Es ist gefühlter Fakt, daß gerade das Top-Management ganz weit weg von den beschriebenen Kompetenzen ist. Unschwer erkennbar an den aktuellen Fällen wie bspw. Ackermann (Aufsichtsrat) oder Siemens (Löscher/Vertragsbruch) - wie sollen diese Personenen Mentoren der o.g. Werte sein ? Wie soll dann Bindung entstehen ?

  2. Kleine Kritik an der Überschrift! ;-)

    Eine Leser-Empfehlung
  3. "Wer es auf einen Chefposten schafft, der hat in der Regel Talent, Fleiß, Biss..."
    Schon das trifft gar nicht mehr zu, denn Führungs-Posten werden nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern anhand anderer Kriterien (Vitamin B, Firmen-Politik,etc.) vergeben.
    Zum anderen werden die genannten Regeln automatisch alle erfüllt, wenn der Chef die nötige geistige Reife und Sozialkompetenz mitbringt. Und daran scheitert es hauptsächlich.
    Denn die meisten Chefs sind Karrieristen und Egoisten.

  4. @F.K.: Es mag sein, dass für die Beförderung zur Führungskraft gewisse Regeln gelten, allerdings helfen die bei der Führung von Mitarbeitern nicht weiter. Das habe ich im Artikel auch thematisiert.
    @Photonensurfer: Es geht im Text nicht nur um Topmanager - sondern um alle Angestellten mit Personalverantwortung, also auch und vor allem die zweite und dritte Führungsebene. Das hat mit den von Ihnen genannten Beispielen nichts zu tun.
    @pharynx: Die Kritik verstehe ich nicht.
    @Azmi kamali: Das ist mir zu pauschal. Erstens schreibe ich ja, dass "eine gute Portion Glück" für den Aufstieg notwendig ist. Dass Beziehungen nicht schaden, will ich gar nicht bestreiten. Allerdings implizieren Sie mit Ihrer Aussage, dass es hauptsächlich Glückspilze sind, die es nach oben schaffen. Dem würde ich massiv widersprechen. Zumal ich nicht glaube, dass sich jemand langfristig dort hält, wenn er völlig inkompetent ist.

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    "Zumal ich nicht glaube, dass sich jemand langfristig dort hält, wenn er völlig inkompetent ist."
    Hallo Herr Rettig,
    Leider werden wir tagtäglich eines anderen belehrt.
    Die soziale Herkunft spielt bei der Posten-Vergabe eine immer größere Rolle. Wenn man über die nötigen Beziehungen verfügt, kann man sich immer wieder ungestraft Fehltritte erlauben.
    Ich sage nur: George W. Bush
    Ausserdem ist es den Unternehmen wichtiger, dass die Chefs unternehmensloyal sind. Da nimmt man gerne Abstriche bei der Qualifikation und Kompetenz in Kauf.

    • F.K.
    • 17.08.2011 um 12:28 Uhr

    Vor 10 Jahren habe ich einem großen DAX-Unternehmen den Rücken gekehrt. Dort habe ich einen Abteilungsleiter kennengelernt der so war, wie Sie es beschreiben. Und wissen Sie was der gemacht hat? Auch das Unternehmen verlassen. Und wissen Sie, warum? Weil er es nicht mehr ausgehalten hat, dass ihn seine Vorgesetzten auf Linie bringen wollten. Weil es z.B. nicht erwünscht war, mit privaten Problemen der Mitarbeiter mitzufühlen und deshalb auch mal eine Schwächephase im Beruf zu tolerieren. Ich sage Ihnen, wo das, was Sie schreiben funktioniert. In kleinen Firmen, in denen der Chef jeden Mitarbeiter und deren Familien kennt, wo der Chef ganz selbstverständlich die monitäre Verantwortung für die immer gefüllten Kaffeemaschine übernimmt, wo man sich auf der Straße trifft. Aber diese Chefs brauchen keinen Coach für Mitarbeiterführung. Meine Buch-Tipp: Laurence J. Peter: "Schlimmer geht's immer."
    Ach, und wenn Sie wissen wollen, wo große Unternehmen die Schwerpunkte der Mitarbeiterführung sehen: http://www.zeit.de/karrie...

    "Zumal ich nicht glaube, dass sich jemand langfristig dort hält, wenn er völlig inkompetent ist."
    Hallo Herr Rettig,
    Leider werden wir tagtäglich eines anderen belehrt.
    Die soziale Herkunft spielt bei der Posten-Vergabe eine immer größere Rolle. Wenn man über die nötigen Beziehungen verfügt, kann man sich immer wieder ungestraft Fehltritte erlauben.
    Ich sage nur: George W. Bush
    Ausserdem ist es den Unternehmen wichtiger, dass die Chefs unternehmensloyal sind. Da nimmt man gerne Abstriche bei der Qualifikation und Kompetenz in Kauf.

    • F.K.
    • 17.08.2011 um 12:28 Uhr

    Vor 10 Jahren habe ich einem großen DAX-Unternehmen den Rücken gekehrt. Dort habe ich einen Abteilungsleiter kennengelernt der so war, wie Sie es beschreiben. Und wissen Sie was der gemacht hat? Auch das Unternehmen verlassen. Und wissen Sie, warum? Weil er es nicht mehr ausgehalten hat, dass ihn seine Vorgesetzten auf Linie bringen wollten. Weil es z.B. nicht erwünscht war, mit privaten Problemen der Mitarbeiter mitzufühlen und deshalb auch mal eine Schwächephase im Beruf zu tolerieren. Ich sage Ihnen, wo das, was Sie schreiben funktioniert. In kleinen Firmen, in denen der Chef jeden Mitarbeiter und deren Familien kennt, wo der Chef ganz selbstverständlich die monitäre Verantwortung für die immer gefüllten Kaffeemaschine übernimmt, wo man sich auf der Straße trifft. Aber diese Chefs brauchen keinen Coach für Mitarbeiterführung. Meine Buch-Tipp: Laurence J. Peter: "Schlimmer geht's immer."
    Ach, und wenn Sie wissen wollen, wo große Unternehmen die Schwerpunkte der Mitarbeiterführung sehen: http://www.zeit.de/karrie...

  5. In Seminaren und Schulungen lernt man nur einstudierte Verhaltensweisen.
    Im Berufsalltag sind Chefs aber oft mit neuen Situationen konfrontiert, da stößt man mit vergangenheitsbezogenen Verhatensweisen und repetitiven Phrasen schnell an seine Grenzen.
    Da ist Intelligenz gefragt, die Fähigkeit situativ angemessen zu reagieren. Und das lernt man nicht in Seminaren.

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    Redaktion

    Hi Azmi,

    ich glaube schon, dass Mitarbeiterführung zu lernen ist. Zumindest hilft es, zu wissen, wie gruppendynamische Prozesse ablaufen. Führungskräfte müssen auch psychologische Kenntnisse haben - da reicht Intelligenz allein nicht aus. Sicher gibt es eine ganze Menge an Angeboten auf dem schönen Beratungs- und Coachingmarkt, deren Nutzen fraglich ist - allerdings reichen eben Fachkenntnisse allein nicht aus. Mitarbeiterführung ist eben auch nur ein Handwerk.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

    Redaktion

    Hi Azmi,

    ich glaube schon, dass Mitarbeiterführung zu lernen ist. Zumindest hilft es, zu wissen, wie gruppendynamische Prozesse ablaufen. Führungskräfte müssen auch psychologische Kenntnisse haben - da reicht Intelligenz allein nicht aus. Sicher gibt es eine ganze Menge an Angeboten auf dem schönen Beratungs- und Coachingmarkt, deren Nutzen fraglich ist - allerdings reichen eben Fachkenntnisse allein nicht aus. Mitarbeiterführung ist eben auch nur ein Handwerk.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

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