Einem Mitarbeiter einfach so kündigen ist in Deutschland nicht möglich. Für eine ordentliche Kündigung müssen gute Gründe vorliegen. So weit die Theorie. In der Praxis gilt aber: "Es gibt keine unkündbaren Arbeitnehmer." Alles andere wäre verfassungswidrig. Das sagt der Düsseldorfer Fachanwalt für Arbeitsrecht Helmut Naujoks, der sich auf das Thema Kündigungen spezialisiert hat.

Unzureichende Leistung

Erbringt ein Mitarbeiter dauerhaft unzureichende Leistungen, gibt es gleich verschiedene Möglichkeiten, sich von ihm zu trennen. Das konkrete Vorgehen hängt freilich vom jeweiligen Einzelfall, der wirtschaftlichen Situation und Größe eines Unternehmens ab. Dabei unterscheiden Fachanwälte zunächst zwischen drei unterschiedlichen Trennungsmethoden, die zum Teil auch eine Eskalationsstrategie darstellen können:

Aufhebungsvertrag

Bei offensichtlich unzufriedenen Mitarbeitern, kann das Angebot eines Aufhebungsvertrags wie ein Befreiungsschlag wirken: Der Vorgesetzte legt dem Betroffenen den Trennungswunsch sowie den Grund dafür dar. Anschließend wird dem Mitarbeiter ein Aufhebungsvertrag mit einem detaillierten Abfindungspaket vorgelegt. Nimmt der Mitarbeiter das Angebot nach einer eingeräumten Bedenkzeit nicht an, wird ihm die Kündigung in Aussicht gestellt und schließlich auch ausgesprochen (Kündigungsschutzgesetz, Paragraf 1a). Die dabei angebotene Abfindung errechnet sich aus einem halben Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr – unter der Bedingung, dass der Mitarbeiter keine Kündigungsschutzklage erhebt. Kommt es dennoch zum Gerichtsverfahren, gibt es noch zwei Chancen auf eine gütliche Einigung: Zum sogenannten Gütetermin als auch zum Termin der Urteilsverkündung bemühen sich die Arbeitsgerichte in aller Regel um eine einvernehmliche Lösung.

Betriebsbedingte Kündigung

Diese erfolgt nicht nur, wenn der Arbeitgeber beispielsweise eine inzwischen unnötig gewordene Abteilung schließt. Mitarbeitern kann trotz Sozialauswahl auch so betriebsbedingt gekündigt werden. Dann nämlich, wenn sich das Anforderungsprofil ihrer Tätigkeit ändert und sie dieses nicht mehr erfüllen.

Ein Beispiel: Ein Servicetechniker im bisher nationalen Einsatz muss künftig verhandlungssicher Englisch und Französisch sprechen, weil er ab sofort internationale Kunden betreut. Juristen sprechen dabei auch von einem "sinnentleerten Arbeitsverhältnis" infolge einer unternehmerischen Entscheidung. Und: Änderungen von Stellenbeschreibungen sind mitbestimmungsfrei, das heißt, sie bedürfen nicht der Zustimmung des Betriebsrats.