Vorträge : Das Präsentationsalphabet

Von A wie Aufbau bis Z wie Zwischenfrage: Gelungene Präsentationen sind kurz und prägnant. Wir zeigen, worauf es ankommt. Von Tina Groll

A wie authentisch auftreten: Authentizität ist alles. Ein guter Redner hat etwas zu sagen. Und da ist es wichtig, dass er klar formulieren kann. Affektierte Gesten lenken ab, gleiches gilt für affektierte Sprache.

B wie Beamer: Peinlich für den Redner, nervig für das Publikum: Der Vortrag sollte längst begonnen haben, aber die Technik streikt. Der gute Redner prüft die Technik vorher und bleibt souverän, wenn der Beamer trotzdem ausfällt. Hat er doch seine Präsentation im Kopf und kann sie im Notfall auch frei vortragen.

C wie Copyright: Die meisten Präsentationen zeigen Bilder, Videos und Logos. Vorab sollte der Redner deshalb die Rechtslage klären. Insbesondere wenn der Vortrag öffentlich ist oder anschließend ins Netz gestellt wird, muss eine Autorisierung für verwendetes Fremdmaterial vorliegen. Ansonsten werden Urheber- oder Persönlichkeitsrechte verletzt. Und das kann teuer werden.

D wie Dramaturgie: Eine spannende Präsentation beginnt mit einem Knall und endet mit einem Feuerwerk. Sie orientiert sich am Zuhörer, ist kurz und regt zum Mitdenken an. Sie enthält alles Wesentliche und nichts Überflüssiges. Verzichtbar sind deshalb Inhaltsangaben, Zusammenfassungen und schlechte Witze. Ein guter Redner regt die Sinne seiner Zuhörer an. Er wirft die wichtigsten Kennzahlen an die Wand und erzählt dazu eine Geschichte, die sich einprägt.

E wie Einleitung: "Wie schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind!" – ein langweiliger Vortrag beginnt oft mit floskelhaften Begrüßungssätzen. Der Einstieg entscheidet aber darüber, wie lange die Leute zuhören. Die ersten Sätze sollten gleich ins Thema führen. Das geht interaktiv mit einer Frage an das Publikum, nachrichtlich mit der Zusammenfassung eines spannenden Studienergebnisses; es geht mit einer Parabel oder Geschichte oder mit einem persönlichen Einstieg .

F wie Folien: Wer seinen Vortrag ohne Folien halten kann, sollte das auch tun. Ansonsten gilt der Grundsatz: So wenig Folien wie möglich, verbunden mit einem klarem Layout. Wilde Farben und verschiedene Schriftarten sind genauso störend wie die Folien bis zur Unleserlichkeit vollzuschreiben. Nicht mehr als zwei Farben und zwei Schriftarten verwenden. Nicht jede Folie braucht einen eigenen Titel. Seitenzahlen dagegen können bei der Orientierung helfen. Überflüssig ist es, permanent den eigenen Namen, das Logo und die Anschrift des eigenen Unternehmens zu nennen. Diese Angaben gehören zwar in die Präsentation, sind aber am Besten auf der Titelseite und allenfalls auf der letzten Folie aufgehoben. Quellenangaben gehören auf die letzte Seite, wenn sie unverzichtbar sind. Auf jeden Fall ist es eine Schlussfolie, die den Zuhörern fürs Zuhören dankt. Die Folien sollten so lange stehen, wie das Publikum braucht, sie zu lesen, aber nicht so lange, dass sich der automatische Bildschirmschoner aktiviert.

G wie Grafiken: Grafiken vermitteln komplexe Sachverhalte und Zahlen und lockern die Präsentation auf. Allerdings nur, wenn sie in Maßen verwendet werden. Darum nur die wichtigsten Kennzahlen darstellen, aber nicht in starren Bildern, denn die werden schlecht verinnerlicht. 

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Was ist schlecht an "der gelunge Vortrag"

Leider nennen sie nicht ein Beispiel, was sie als "schlecht" bzw. "unpassend verallgemeinert" empfinden. Ich persönlich finde den Punkt ""Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit" – am besten nicht nur sagen, sondern auch noch auf die letzte Folie geschrieben. Lassen Sie das!" widersprüchlich. Soll ich nun nicht für das Zuhören bedanken, oder doch, wie in "F wie Folien"?

Und ganz ehrlich, an der Uni haben wir das nicht gelernt. Im Gegenteil, gute Noten bzw. Scheine gab es sogar für die miserabelsten Vorträge, die nahezu alle Regeln einer Präsentation verletzten. Das mag vielleicht an der technischen Ausrichtung meines Fachs liegen oder daran, dass es die Dozenten selbst nicht können. Sie haben also Recht, an der Uni lernt man es "anders", aber besser keinesfalls.

hmmmm

Welcome to the midage of presentation. Diese "Tipps" lesen sich wie ein Manual, als Spandau Ballett noch auf Platz 1 der Charts stand. Wir schreiben das Jahr 2011 und es existieren nicht nur Banken, liebe ZEIT, die intern nach diese Regeln präsentieren: dröge, langwelig in den unendlichen Weiten unendliche vieler Meetings. Wenn ein Mensch nicht präsentieren kann, dann helfen ihm diese Tipps auch überhaupt nicht weiter. Selbst wenn er ein Silo voll mit Wasser neben sich stehen hätte. Ein berühmter Mann aus der Werbug hat mal gesagt:

"Eine Präsentation muss wie ein Kinderbuch sein".

Alleine der Vergleich sagt mehr, als dieses ganze "ABC der erfolgreichen Präsentation."

It depends...

Hier werden allgemeine Regeln aufgestellt, die für manche Vorträge passen, für viele nicht. Zwischen der Präsentation, um vom skeptischen Vorstand das Budget genehmigt zu bekommen, und der Show, mit der der Außendienst auf das neue Produkt eingeheizt wird, gibt es einfach zu viele Unterschiede.

Z.B. die Regel: ""Ich bitte Sie, Ihre Fragen bis zum Schluss aufzuheben." Völlig falsch." In den meisten Fällen sollte man die Diskussion, die über simple Verständnisfragen hinausgeht, nach dem Vortrag führen (und je weniger erfahren/unsicher man ist, desto stärker würde ich zu diesem Vorgehen raten):
- meistens wird doch nach dem gefragt, was ein paar Folien später kommt;
- der Vortrag kann durch Fragen und Diskussion in der Mitte sehr an Schwung verlieren;
- das Zeitmanagement wird durch Fragen und Diskussion während des Vortrages sehr schwierig;
- man braucht einem feindseligen Publikum nicht unbedingt die Chance geben, einen schon während des Vortrags zu destabilisieren.

Erst die Basics, dann die Pirouetten

Hier ist die Rede von einer Präsentation, nicht von einer Kick-off-Veranstaltung für Außendienstmitarbeiter (bei der gruppendynamische Prozesse große Bedeutung haben).

Natürlich kann man vieles auch anders machen - zum Beispiel den Medieneinsatz variieren oder Schlüsselpersonen aus dem Publikum einbinden. Dennoch würde ich mal behaupten: Wer die hier vorgestellten Regeln beherrscht, ist präsentationssicher und wird seine Zuhörer nur selten langweilen.