Präsentieren Bloß nicht langweilen

Die meisten Präsentationen sind unendlich langweilig. Dabei haben die Redner oft lange Vorbereitungszeit investiert. Wir zeigen, was einen spannenden Vortrag ausmacht.

Manchmal dauern sie nur wenige Minuten, manchmal Stunden und manchmal eine gefühlte Ewigkeit: Vorträge und Präsentationen füllen den Joballtag. Doch in den allermeisten Fällen langweilt der Redner seine Zuhörer. Eine Umfrage ergab, dass 84 Prozent aller Präsentationen als einschläfernd empfunden werden, ganze 97 Prozent als verbesserungswürdig.

Michael Moesslang kennt das. Jahrelang ärgerte sich der Redner, Coach und Inhaber einer Werbeagentur über langweilige Vorträge, nun hat er ein Buch über Präsentationstechniken geschrieben. In So würde Hitchcock präsentieren gibt er Tipps für spannende Vorträge. Grundlegend für einen guten Vortrag seien die Dramaturgie und die Persönlichkeit des Vortragenden, schreibt der Autor. Wenn beides fehlt, sollte man die Präsentation lieber gleich ganz lassen, und die Informationen einfach per Mail verschicken.

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Ansonsten kommt es auf Authentizität an. Wer etwas zu sagen hat, wird auch gehört. Nichts ist schlimmer als Redner, die nichts zu sagen haben, sich gar nicht für ihr Thema interessieren und schauspielern. Der Rest ist Handwerkszeug.

Der gelungene Vortrag
  • Phrasen vermeiden: Wenn Sie die meisten Zuhörer ohnehin schon begrüßt haben, sollten Sie auf diese Anrede dringlich verzichten, weil sie unnatürlich wirkt.
  • "Es freut mich sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind." Sagen Sie diesen Satz niemals! Erstens interessiert keinen der Zuhörer, was Sie persönlich freut. Und zweitens sitzen die meisten ohnehin nicht freiwillig dort.
  • Man fängt zu spät an, der Beamer ist nicht hundertprozentig, die Luft ist schlecht, der Kaffee kalt und am besten entschuldigen Sie sich auch noch für die wenige Zeit, die für die Vorbereitung zur Verfügung stand. Lassen Sie es!
  • Werfen Sie die Inhaltangabe niemals an die Wand, nehmen Sie nicht die Spannung weg!
  • "Ich bitte Sie, Ihre Fragen bis zum Schluss aufzuheben." Völlig falsch. Erstens nimmt das der Präsentation die Abwechslung, zweitens ist es unhöflich und drittens wirken Sie dadurch angreifbar. Außerdem müssen Verständnisfragen sofort geklärt werden.
  • Dunkeln Sie niemals den Raum zu sehr ab, egal wie die Leinwand rüberkommt! Das ermüdet die Zuhörer und Sie selbst geraten häufig auch noch aus dem Blickfeld.
  • Ihre Hände sind ein wichtiges Kommunikationsmittel. Verzichten Sie daher wenn irgend möglich auf Notizen in der Hand!
  • Viele Redner schauen aus Unsicherheit über die Köpfe der Zuhörer hinweg. Vermeiden Sie das.
  • "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit" – am besten nicht nur sagen, sondern auch noch auf die letzte Folie geschrieben. Lassen Sie das!
Die gelungene Präsentation
  • Titelfolie: Beschränken Sie sich auf eine klare Headline. Je nach Situation kann Ihr Name und das Logo Ihrer Firma darauf stehen.
  • Kundenlogo: Denken Sie ans Urheberrecht.
  • Seitenzahl & Datum: Beides sollten Sie nur in Ausnahmesituationen verwenden.
  • Eigener Name: Die Zuhörer sollten Ihren Namen ohnehin kennen – ihn am Anfang und am Ende auf einer Folie zu zeigen genügt.
  • Quellenangabe: Quellenangaben gehören ins Handout. Verzichten Sie darauf, sofern es aus lizenzierungsrechtlichen Gründen geht.
  • Schrift: Verwenden Sie maximal zwei Schrifttypen. Und auch das nur, wenn sie gut zusammenpassen.
  • Hintergrund / Layout: Schwarze Schrift auf weißem Grund – lassen Sie es! Weiß ist bei den heutigen lichtstarken Beamern oft zu hell. Je nach dessen Leistung sollten sie die Farbe genau abwägen. Dunkle Töne sind grundsätzlich besser.

Dazu gehört, auf langwierige Begrüßungen zu verzichten. Floskeln im Stile von "Vielen Dank, dass Sie so zahlreich erschienen sind" sagen nichts aus und allzu ausschweifende Angaben zur eigenen Vita nur, dass der Redner selbstverliebt ist. Auch eine Inhaltsangabe an die Wand zu werfen, ist nach Ansicht des Coachs tabu. "Vergeuden Sie die jetzt noch starke Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer nicht mit einem langweilig Überblick!", schreibt er. Ebenso verboten sind Notizen in der Hand und schlechte Witze. Lachen hingegen ist erlaubt – aber in Maßen. Moesslang rät, mit Humor in Vorträgen sparsam zu sein. Die Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich, und ein Vortrag mit schlechten Gags bleibt negativ beim Kunden in Erinnerung.

Stattdessen soll der Vortragende die Sinne seiner Zuhörer reizen. Niemand könne sich Bildern und Emotionen entziehen – und schon gar keinen Geschichten. Wer es schafft, pure Kennzahlen in eine lebendige Geschichte zu verpacken, erreicht sein Publikum, schreibt Moesslang.

Die bloßen Zahlen zeigt man am besten auf Folie an der Wand. Doch Vorsicht mit der Folienfolter. Je mehr Informationen eine Folie enthält, umso mehr verliert sie an Bedeutung. Ästhetik ist natürlich wichtig, aber weniger ist mehr. Eine gelungene Präsentation hat nur kurze Texte und Bilder statt Worte. Ein guter Redner lässt die einzelnen Folien lange genug stehen, damit das Publikum alles erfassen kann, aber nicht so lange, dass es öde wird. Grundsätzlich dürfen die Folien nie zum Mittelpunkt werden.

Dort steht ja bereits die Persönlichkeit des Redners. Und weil das so ist, machen die Zuhörer alles Negative auch an seiner Person fest. Ein normaler Effekt, den der Vortragende kennen sollte. Darum rät der Autor, auch alle Dinge zu kontrollieren, die nicht per se in der eigenen Verantwortung liegen. Ist der Raum gut gelüftet? Reicht die Verpflegung? Sind die Handys aus? Stören die Zuspätkommer?

Bleibt nur, auch das Lampenfieber in den Griff zu bekommen. Moesslang hat einen wirksamen Tipp: Kaltes Wasser trinken und sich auf die Botschaft konzentrieren.

Erschienen im Handelsblatt

 
Leser-Kommentare
  1. Antwort auf "Tipps vom Profi!"
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    ... hätte sich das Problem der Seitenzahlen dann aber wieder erledigt.

    ... hätte sich das Problem der Seitenzahlen dann aber wieder erledigt.

  2. ... die Ansicht eines Menschen wieder, besteht aber nicht notwendigerweise aus reiner Wahrheit. Und ich finde, Vokabeln wie "falsch" oder "verboten" oder Formulierungen wie "Lassen Sie das" sind fehl am Platze.

    Was ich unterschreiben kann, ist "Ansonsten kommt es auf Authentizität an." Das ist aus meiner Sicht das Wichtigste, der Wunsch, den Leuten etwas mitzuteilen und die eigene Meinung und das Wissen weiterzugeben. Ansonsten, Entspannung, verboten ist da gar nicht, und es gibt auch keinen Knigge, dem ich mich krampfhaft anpassen sollte.

    • frty2
    • 15.08.2011 um 16:03 Uhr

    aber die Seitenzahl gehört definitiv auf eine Folie drauf, sonst fängt das Spielchen an. "Ich hab da mal eine Frage, gehen sie mal ca. 10 Folien zurück - Nein noch eine weiter! - Noch eine - Oh, war das doch später? ....". Das nervt wirklich alle anderen, die kleine Nummer am in der Ecke aber nicht.

  3. ... hätte sich das Problem der Seitenzahlen dann aber wieder erledigt.

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    Direkte Zwischenfragen funktionieren mit 10 Leuten - mit 20 an der Uni, vielleicht noch mit 30.

    Schlagen sie mal auf einer Konferenz vor dass man bei hunderten Leuten Zwischenfragen stellt - wenn ihr gegenüber keinen Lachanfall bekommt würde ich mich wundern.
    Dazu kommt auch dass manche Leute sich ihre Präsentation in Gedanken zurechtgelegt haben durch Zwischenfragen aus ihrer Bahn geworfen werden und dadurch ihren roten Faden verlieren.

    • Zack34
    • 15.08.2011 um 17:18 Uhr


    sind per se nichts schlimmes, im kleineren Rahmen (also instituts- oder teamintern) können sie sogar sehr vorteilhaft sein.

    Allerdings sind die meisten externen Präsentationen an einen streng geordneten und zeitlich durchgeplanten Verlauf einer Veranstaltung fest gebunden. Und spontane Fragen sind nun mal Unterbrechungen. Gerade deshalb ist es auf Konferenzen gang und gäbe, dass Fragen nach dem Vortrag in den dafür vorgesehenen 5-10min nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet werden. Dann ist meistens schon der Nächste dran... Alles, was in dem Rahmen nicht zur Sprache kommen konnte, kann in vier Augen in einer der Pausen oder nach Abschluss erortert werden.

    Sonst wird die Konferenz regelrecht gesprengt. Und dann sind am Ende alle Beteiligten sauer.

    ps.
    Seitenzahl ist gerade aus den oben genannten Gründen sehr hilfreich, sie verkürzt die Suche nach dem betr. Inhalt,
    und stört auch visuell ganz sicher niemand.

    Direkte Zwischenfragen funktionieren mit 10 Leuten - mit 20 an der Uni, vielleicht noch mit 30.

    Schlagen sie mal auf einer Konferenz vor dass man bei hunderten Leuten Zwischenfragen stellt - wenn ihr gegenüber keinen Lachanfall bekommt würde ich mich wundern.
    Dazu kommt auch dass manche Leute sich ihre Präsentation in Gedanken zurechtgelegt haben durch Zwischenfragen aus ihrer Bahn geworfen werden und dadurch ihren roten Faden verlieren.

    • Zack34
    • 15.08.2011 um 17:18 Uhr


    sind per se nichts schlimmes, im kleineren Rahmen (also instituts- oder teamintern) können sie sogar sehr vorteilhaft sein.

    Allerdings sind die meisten externen Präsentationen an einen streng geordneten und zeitlich durchgeplanten Verlauf einer Veranstaltung fest gebunden. Und spontane Fragen sind nun mal Unterbrechungen. Gerade deshalb ist es auf Konferenzen gang und gäbe, dass Fragen nach dem Vortrag in den dafür vorgesehenen 5-10min nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet werden. Dann ist meistens schon der Nächste dran... Alles, was in dem Rahmen nicht zur Sprache kommen konnte, kann in vier Augen in einer der Pausen oder nach Abschluss erortert werden.

    Sonst wird die Konferenz regelrecht gesprengt. Und dann sind am Ende alle Beteiligten sauer.

    ps.
    Seitenzahl ist gerade aus den oben genannten Gründen sehr hilfreich, sie verkürzt die Suche nach dem betr. Inhalt,
    und stört auch visuell ganz sicher niemand.

  4. Also ich habe schon meine ersten Probleme mit manchen "Vorschlägen"...

    Inhaltsangaben können sehr wohl sehr nützlich sein - vor allem bei langen Vorträgen. Dazu kommt auch dass manche sie als zwingend notwendig empfinden, andere wieder nicht.

    Zweitens - Zettel in der Hand: Nicht jeder kann sich unbedingt die ganze Präsentation merken - da sind Zettel nichts schlimmes, bloß: Keine klein bedruckten A4 Seiten sondern kleine Handkarten mit großer Schrift anfertigen die einen erinnern was man sagen wollte.

    Letztens - Anwesenheit:
    Bei vielen Präsentationen ist die Anwesenheit durchaus "Wunschsache" - bei zum Beispiel jeder Konferenz ist kein Teilnehmer da weil er da sein muss, sondern weil er den Vortrag hören will. Insofern ist ein Dank für die Anwesenheit situationsbedingt auch nicht schlecht.

    Was einschläfert sind:
    - Dunkle Folien im dunklen Raum.
    - Gelbe Schrift auf blauem Grund.
    - Überheizte Räume.
    - Eine vorgelesene Präsentation.
    - Überladene Folien.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Direkte Zwischenfragen funktionieren mit 10 Leuten - mit 20 an der Uni, vielleicht noch mit 30.

    Schlagen sie mal auf einer Konferenz vor dass man bei hunderten Leuten Zwischenfragen stellt - wenn ihr gegenüber keinen Lachanfall bekommt würde ich mich wundern.
    Dazu kommt auch dass manche Leute sich ihre Präsentation in Gedanken zurechtgelegt haben durch Zwischenfragen aus ihrer Bahn geworfen werden und dadurch ihren roten Faden verlieren.

    Eine Leser-Empfehlung

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