Digitaler ArbeitsplatzDas allumfassende Intranet

Statische Website ade: Unternehmen setzen bei der Weiterentwicklung ihrer Intranets auf soziale Netzwerke. Im besten Fall entsteht mehr als ein Facebook fürs Büro. von 

Statisch, unübersichtlich, inaktuell. So sieht in vielen Unternehmen das Intranet aus. Oft ist nicht einmal der Kantinenspeiseplan auf dem aktuellen Stand, von den Kontaktdaten der Mitarbeiter ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass Mitarbeiter das firmeneigene Intranet in ihrem Büroalltag nur selten verwenden.

"Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie das Intranet nutzen könnten", sagt der Blogger und Wirtschaftsinformatiker Stephan Schillerwein. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Programmierung und Entwicklung von internen Firmenwebseiten und schreibt darüber in seinem Blog Intranet Matters . Das Intranet, sagt Schillerwein, wird sich künftig zum digitalen Arbeitsplatz entwickeln – einer unternehmensinternen, interaktiven Oberfläche, auf der die Mitarbeiter miteinander vernetzt sind und alles das finden, was sie zum Arbeiten in ihrem Unternehmen benötigen. Diesen Trend bestätigt auch der Global Intranet Trend Report . Für die Studie werden jedes Jahr mehrere Hundert Unternehmen aus Europa, den USA und Asien befragt.

Anzeige

"Die neuen Technologien verändern die Arbeitswelt grundlegend", ist Schillerwein überzeugt. "Im Prinzip lassen sich alle Systeme, Programme und firmenspezifischen Informationen bündeln. Das ermöglicht eine effektive Kommunikation und Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern einer Firma." Das Intranet der Zukunft ist gleichzeitig auch soziales Netzwerk: Jeder ist mit einem Profil vertreten, aus dem Interessen und Kompetenzen hervorgehen. Die Mitarbeiter können eigene Inhalte einstellen und ihr Wissen mit den Kollegen teilen. So wird das Expertenwissen innerhalb eines Unternehmens transparent und nutzbar.

Mit wenigen Klicks lässt sich das Intranet durchforsten und mitunter ein teures externes Consulting sparen, weil der Experte im eigenen Haus sitzt. Die Plattform Yammer macht es Unternehmen bereits möglich, ein Intranet anzulegen. Allerdings ist Yammer ein externes soziales Netzwerk, eher eine Art Facebook fürs Büro, statt Teil des Unternehmens.

Der digitale Arbeitsplatz bietet mehr, er macht viele Sitzungen überflüssig und flexibilisiert die Arbeit, denn er ist auch jederzeit von außen erreichbar. Die Mitarbeiter können Dokumente gemeinsam bearbeiten, miteinander diskutieren. Selbst E-Learning-Elemente lassen sich integrieren. Mitarbeiter an verschiedenen Standorten eines Unternehmens können zusammen an Weiterbildungen teilnehmen, ohne dass sie wirklich zusammenkommen müssen.

Die Benutzeroberfläche ist individuell auf den Mitarbeiter zugeschnitten, je nach dem welche Programme und Inhalte er braucht. Wer welche Inhalte einstellen darf, kann genau geregelt werden. Die Auszubildenden können beispielsweise an einem Auzubiblog mitwirken, das von allen Mitarbeitern gelesen werden kann; die Personalabteilung kann Umfragen für die Belegschaft einstellen; die Mitarbeiter der Marketingabteilung wiederum können in einem nur für sie zur Verfügung stehenden Bereich an einer neuen Kampagne arbeiten. Die Kommunikationsabteilung ist meist für die redaktionelle Pflege zuständig.

"Wenn alles, was zur Arbeit benötigt wird, auf einer digitalen Fläche zusammengeführt wird, die gleichzeitig die Kommunikation und Vernetzung fördert, steigert das langfristig die Effizienz und Produktivität und senkt die Kosten", sagt Schillerwein.

Leserkommentare
    • c2j2
    • 25. August 2011 7:11 Uhr

    aber es ist von jemandem erzählt, der daran verdient... ;)

    Was man merkt, denn ein solches "ideales" Intranet kostet viel Aufwand, manches wird nie gut funktionieren (daß alle ihr Wissen da einstellen, so daß andere partzipieren können), anderes läßt dem Admin die Haare zu Berge stehen (so eine Firmen-Wissensdatenbank soll von außen erreichbar sein?! Personaldaten? Kundendaten?). Und das alles soll immer auf dem neuesten Stand gehalten werden?

    Schöne Fantasien, aber wohl schwer zu realisieren.

    2 Leserempfehlungen
  1. Das alles können Sie träumen, und in einer sehr kleinen Firma können Sie es vielleicht verwirklichen. Aber in der Realität sieht es so aus: viele Firmen sind immer noch mit Internet-Explorer 6 unterwegs, der ist etwa 9 Jahre alt, woraus sich schließen läßt, daß es die Gesamtsoftware ebenfalls ist. Wer wie wir ein großes Portal betreibt, kann sehen, wie häufig welche Browser eingesetzt werden und das auch noch nach Tageszeit. Viele Mitarbeiter sind nicht motiviert, sich mit neuen Techniken derart auseinander zu setzen, daß alles sich weiter einwickelt.. Das kostet ja auch viel Zeit und läßt sich nicht einfach auf einem Wochenendlehrgang lernen. Die Firmenleitungen begreifen oft nichts, sind auf Berater angewiesen. Alles läuft "husch husch", kaum wird mal etwas gründlich angegangen.

    Wir sind in der glücklichen Lage, fast alles so machen zu können wie im Artikel beschrieben. Wir kennen aber viele Systemadministratoren und wissen, wie traurig es meistens aussieht. Das gilt selbst für großen Internet - Firmen. Der Mensch ist träge, und Programme sind meistens wenig ergonomisch, da sich niemand professionell darum kümmert und weil sie dadurch viel teurer werden. Genau das müßte aber passieren.
    Den Datenschutz kann man aber komplett vergessen: es gibt immer Möglichkeiten, "alles" zu Vorgängen in Erfahrung zu bringen, die über Computer gelaufen sind. Wer da überhaupt von der Möglichkeit von Datenschutz redet, hat keine Ahnung oder will selbst nur beruhigen und verschleiern.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    IE6? Das ist aber heftig!

    Ansonsten: Zustimmung.

    Im Prinzip hat der Autor ja Recht, dass sich durch ein vernünftiges Intranet usw. die Produktivität steigern lässt. Das Problem ist, dass die Mitarbeiter/Kollegen selten gewillt sind, sich in Neues einzuarbeiten, und ihnen Produktivität meistens ein Fremdwort bzw. egal ist.

    Jede Einführung eines neuen Systems bringt die gleichen Probleme mit sich: Mitarbeiter müssen geschult (was die Produktivität zunächst senkt) und Daten migriert werden. Nicht zuletzt müssen aber auch notorische Technikskeptiker überzeugt oder notfalls "mundtot" gemacht werden, bevor sie mit ihrer negativen Einstellung die ganze Abteilung/Firma infizieren. All diese Probleme versursachen Zusatzkosten, die berücksichtigt werden müssen.

  2. ...habe ich das Intranet immer als internes "Durchhalteblättchen" erfahren: Die neusten Ergüsse aus dem Vorstand (gähn !!).Ansonsten kenne ich keinen der sie benutzt.Die Telefonliste ist veraltet, was die einzelnen Leute tun, weiss kein Mensch, man hat ja seine Ansprechpartner !

  3. 5. Genau!

    "Die Mitarbeiter können eigene Inhalte einstellen und ihr Wissen mit den Kollegen teilen."

    Sorry, aber das macht in der Praxis keine ***.

    Und wie sollen sich die Kollegen die auf der Profilseite veröffentlichten Informationen aneignen? Sollen die etwa bei Bedarf zigtausend Mitarbeiterprofile durchsuchen?

    Besser eine Datenbank als altbewährtes, gut recherchiertes und gepflegtes Nachschlagewerk!

    Eine Leserempfehlung
    • jagu
    • 25. August 2011 9:14 Uhr

    Es ist in Büros mittlerweile fast normal, dass jeder Sachbearbeiter die Kundenakte im Netz aufspüren kann.

    Dazu ist das weltoffene Outlook gerne die Basis.

    Das Intranet als Community wird aber noch etwas auf sich warten lassen, weil die üblichen Webmaster (der Microsoft Freak aus der EDV-Abteilung) gar nicht in der Lage sind, solche komplexen Systeme zu verwalten, geschweige denn Informationen sicher zu managen.

    Es ist typisch für Programmierer, sich in tollen Möglichkeiten zu versteigen und sich vorzustellen "was alles ginge".

    Was ein Betrieb wirklich braucht, wie er führen und kalkulieren muss weiß er meistens nicht.

    Leider kosten solche Systeme viel Zeit und Geld um sie auch inhaltlich zu pflegen, abzusichern, es muss auf jede betriebliche Änderung sofort reagiert werden, denn wenn Lücken entstehen, wird es zum Zweitsystem, neben der üblichen Zettelwirtschaft und diese Mischung kann zum absoluten Chaos führen.

    Insofern beschreibt der Artikel ein theoretisches Wunschdenken, das in der Praxis ganz sicher noch einige Jahre braucht.

  4. In Zukunft "verklicken" wir also unsere gesamte Arbeitzeit, kriegen gar nichts mehr geregelt, geschweige denn erledigt, die Führungskräfte blicken überhaupt nicht mehr wo die Mannstunden hingehenb, alle brauchen vom vielen Klicken Therapeuten, Augenarzt und Kardiologen, und am Ende werden wir von Nordkorea, Kuba und Iran in der Arbeitsproduktivität überholt. Toll !

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Apps | Arbeitsrecht | Auszubildende | Blog | Blogger
Service