Lehrstellenmarkt Freie Auswahl auf dem Ausbildungsmarkt

In drei Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr. In vielen Branchen fehlen schon jetzt die Bewerber. Doch sind es meist Berufe mit unattraktiven Arbeitsbedingungen.

Gut drei Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. September überschlagen sich die Wirtschaftsverbände mit Meldungen über Zehntausende noch freier Lehrstellen. Doch Experten warnen: Ausgeglichen ist der Ausbildungsstellenmarkt noch lange nicht. Nach den vielen Jahren des Mangels kehrt jetzt allenfalls langsam ein Stück Normalität zurück.

135.700 freie Lehrstellen registrierte die Bundesagentur für Arbeit Anfang August. Ihnen standen allerdings auch bundesweit noch 145.800 unvermittelte Bewerber gegenüber. Vergleicht man Lehrstellen-Gesamtangebot und Gesamtbewerberzahl in diesem Jahr, so kommen auf 100 suchende Jugendliche 93 angebotene Stellen.

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Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann aber erst dann von einem ausgeglichenen Ausbildungsmarkt die Rede sein, wenn auf 100 Bewerber 112,5 freie Plätze kommen, damit die jungen Menschen von dem im Grundgesetz garantierten Recht auf freie Berufswahl Gebrauch machen können.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn rechnet bei den angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätzen in diesem Jahr mit einem Zuwachs von rund zehn Prozent. Die Abschaffung der Wehrpflicht und die doppelten Abiturientenjahrgänge in den Flächenländern Bayern und Niedersachsen haben den Kreis der Lehrstellen-Interessenten in diesem Jahr weniger schrumpfen lassen.

Trotzdem wird der Zuwachs beim Angebot ausreichen. Schon 2010 hatte sich die Entspannung angekündigt. Zum Teil kommen jetzt auch leistungsschwächere Jugendliche mit schlechteren Schulnoten schneller zum Zug, die in den Vorjahren als noch "nicht ausbildungsreif" in eine der zahlreichen "Warteschleifen" mit häufig zweifelhaftem Nutzen abgedrängt worden waren. 2010 waren 185.000 junge Leute – rund 35,2 Prozent der Bewerber – länger als ein Jahr auf Lehrstellensuche. Zwei Jahre zuvor waren dies laut Berufsbildungsbericht noch 263.000 (42,4 Prozent).

Besonders die Gastronomie, Lebensmittelhandel, Fleischer, Bäcker und Gebäudereiniger klagen über nicht zu besetzende Lehrstellen. Allerdings handelt es sich häufig um Branchen und Berufe mit geringer Ausbildungsvergütung, vielen Überstunden, unregelmäßigen Arbeitszeiten und geringen Übernahmequoten nach Abschluss.

 
Leser-Kommentare
  1. funktionieren halt in beide Richtungen. Diese Umkehrbarkeit ist der Industrie/Gewerbe bis heute nicht klar.

    Wenn ich als Jugendlicher die Wahl zwischen einem schicken 9-17 uhr Bürojob habe und einem 4-X job als Bäcker, wobei der Bäcker noch schlechter bezahlt wird, gibts kaum einen der so blöde ist den Bäcker zu wählen.

    Es sind primitive Beweggründe aber so isses nunmal. Da haben diese Berufe halt nur die Wahl attraktivere Bedinungen zu bieten....

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