BewerbungsgesprächWelche Fragen sind im Vorstellungsgespräch tabu?

Darf der Bewerber im Jobinterview danach gefragt werden, ob er sich auch bei der Konkurrenz beworben hat? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Ich habe bald ein Vorstellungsgespräch und Angst vor der Frage, ob ich mich parallel bei der Konkurrenz um einen Ausbildungsplatz beworben, und ob ich dort auch am Auswahlverfahren teilgenommen habe. Muss ich die Wahrheit sagen oder darf ich lügen? Und darf eine Firma überhaupt einem anderen Unternehmen Auskunft geben, wer sich beworben hat?, fragt Michael Meister.

Sehr geehrter Herr Meister,

Arbeitgeber stellen Bewerbern häufig bei Vorstellungsgesprächen unbequeme Fragen . Doch Sie müssen längst nicht alle auch beantworten. Das Arbeitsrecht unterstützt nämlich generell das Interesse der Bewerber, ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren.

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"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Deshalb unterscheidet das Arbeitsrecht zwischen zulässigen und unzulässigen Fragen . Zulässige Fragen müssen Bewerber wahrheitsgemäß beantworten. Tun sie dies nicht, kann der Arbeitgeber später den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung gemäß § 123 BGB anfechten. Bei unzulässigen Fragen sind Bewerber nicht zur Wahrheit verpflichtet.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Zum Beispiel sind Fragen zu Ihrer Person und Ihrem beruflichen Werdegang zulässig, sofern ein berechtigtes Informationsinteresse besteht. Grundsätzlich unzulässig ist die Frage nach einer Schwangerschaft. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) ist diese Frage nicht einmal mehr dann zulässig, wenn die Arbeitnehmerin auf bestimmte Zeit eingestellt werden soll und deshalb feststeht, dass sie während eines wesentlichen Teils der Vertragszeit nicht wird arbeiten können. Auch ist die Frage nach einer Behinderung zum Beispiel nur zulässig, wenn diese die vorgesehene Tätigkeit beeinträchtigt. Entsprechend sind auch Fragen nach einzelnen Erkrankungen nur beschränkt erlaubt. So ist die Frage nach einer ansteckenden Krankheit, die Kollegen und Dritte gefährden könnte, eine zulässige Frage. Nicht zulässig ist jedoch die Frage nach einer HIV-Infektion, wenn dadurch die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers nicht gemindert ist.

Zu Ihrer Frage:
Sie müssen die Frage nach einer parallelen Bewerbung bei einem Konkurrenzunternehmen nicht wahrheitsgemäß beantworten. Denn diese Frage fällt unter das verfassungsrechtlich geschützte Persönlichkeitsrecht und geht das Unternehmen schlichtweg nichts an. Die Frage ist daher nach diesseitiger Rechtsauffassung unzulässig. Die Unzulässigkeit einer Frage führt alsdann dazu, dass Ihnen zugebilligt wird, diese Frage falsch zu beantworten, um durch ein bloßes Schweigen den Vertragsabschluss nicht zu gefährden.

Schließlich dürfen auch die Unternehmen aus Datenschutzgründen nicht Informationen über ihre Bewerber untereinander weitergeben.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Oder müssen Arbeitgeber nun mit einer
    Klagewelle rechnen wenn sie Ungeeignet schreiben?
    Aber natürlich müssen die Bewerber auf
    bestimmte Fragen nicht Antworten.
    Arbeitgeber aber auch nicht.

  2. Wenn man als Bewerber nicht gerade sowieso von der Konkurrenz kommt, und damit zu erkennen gibt, dass man mit denen nicht so richtig zufrieden ist, sollte man aber doch zugeben können, dass man sich auch bei Wettbewerbern beworben hat. Aus meiner bescheidenen Sicht sollte sich die die bewusste Frage stellende Firma sogar geehrt fühlen, dass ein Bewerber nicht nur sie selbst in Betracht zieht, um seine Arbeit einzubringen. Abgesehen davon wäre es auch, natürlich wiederum abhängig vom individuellen Fall, weltfremd anzunehmen, dass ein Bewerber nur die EINE Firma so toll findet, dass er künftig da mitarbeiten will...

  3. Personaler sind gut für die administrative Verwaltung der Mitarbeiter -
    die gängigen Pseudoauswahlverfahren sind Kasperletheater.

    Einstellen, vier Wochen beim Arbeiten zusehen und dann Entscheidung passt oder passt nicht - fertig

    Die ganze Bewerbungsindustrie an Büchern, Seminaren und Trainingskursen sind rausgeschmissenes Geld für beide Seiten.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da ich vormalig Sozialarbeit studiert und in dieser Zeit 4 Semester Verhaltensforschung/Psychologie belegt hatte, kommen mir die Fragen dieser "Personaler" so unsinnig und so verkrampft vor, dass ich jedesmal körperliche Schmerzen bekomme, wenn diese auftáuchen:
    Worauf sind sie stolz ?
    Wo sehen sie sich in 5 Jahren ?
    Wo sehen sie ihre Stärken?
    Was würden ihre früheren Mitarbeiter über sie sagen ?
    etc.etc.etc....
    Typisches Wochenendcrashseminargefasel, was von dubiosen Trainees entwickelt worden ist, um angebliche Schwachstellen in der Persönlichkeit des Bewerbers zu entdecken. Die einzige Schwachstelle, die bei mir dann auftaucht, dass ich mit den Augen rolle !!!!
    Ich kanns echt nicht mehr hören !!!!!!!

  4. Da ich vormalig Sozialarbeit studiert und in dieser Zeit 4 Semester Verhaltensforschung/Psychologie belegt hatte, kommen mir die Fragen dieser "Personaler" so unsinnig und so verkrampft vor, dass ich jedesmal körperliche Schmerzen bekomme, wenn diese auftáuchen:
    Worauf sind sie stolz ?
    Wo sehen sie sich in 5 Jahren ?
    Wo sehen sie ihre Stärken?
    Was würden ihre früheren Mitarbeiter über sie sagen ?
    etc.etc.etc....
    Typisches Wochenendcrashseminargefasel, was von dubiosen Trainees entwickelt worden ist, um angebliche Schwachstellen in der Persönlichkeit des Bewerbers zu entdecken. Die einzige Schwachstelle, die bei mir dann auftaucht, dass ich mit den Augen rolle !!!!
    Ich kanns echt nicht mehr hören !!!!!!!

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    Antwort auf "Mal wieder ..."
  5. Es ist nicht mehr auszuhalten. Ich habe es nun gottseidank nicht mehr noetig, mich irgendwo vorzustellen, aber es ist schon schlimm, was da mit gutglauebigen Jobsuchern von seiten schlecht ausgebildeter Personalchefs oder sog. Firmenpsychologen gemacht wird. Mein Vorschlag an den obigen Ratsuchenden: "Ob ich mich auch woanders beworben habe ? Na, klar. Es gibt noch andere Firmen, wo ich gerne arbeiten wuerde ".

    • murlo90
    • 28. September 2011 19:36 Uhr

    Greift das Persönlichkeitsrecht auch im Falle von Bewerbungen für Stipendien? Da wird nämlich mündlich und schriftlich gefragt, ob man sich nicht bereits anderswo beworben hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dürfte noch darunter fallen - nicht aber die Frage, ob man anderweitige Stipendien erhält.

  6. HIV aber nicht?
    Ist das nicht mehr ansteckend?
    Wenn ja, warum die Ausnahme?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ist hier das Zauberwort.
    Wenn ich z.B. Typhus-Dauerausscheider (Keime im Stuhl vorhanden, obwohl nicht mehr krank) bin, kann ich Kollegen anstecken, wenn ich mir nicht ordentlich die Hände wasche nach dem Toilettengang. Sogenannte Schmierinfektion.

    HIV dagegen wird hauptsächlich über Blut und andere Körperflüssigkeiten (Sperma z.B., Speichel dagegen eher nicht) übertragen. Wenn Sie sich also nicht gerade für einen Pornodreh bewerben oder für einen Job, bei dem Sie routinmäßig bluten, werden Sie im normalen Berufsalltag wohl kaum einer Situation ausgesetzt sein, in der die Gefahr hoch ist, Ihre Kollegen anzustecken.
    Dementsprechend würde das Wissen, dass Sie HIV haben, nicht der Sicherheit am Arbeitsplatz dienen, sondern höchstwahrscheinlich nur zu Diskrimination und Ausgrenzung führen.
    Das ist der Unterschied.

    • zelotti
    • 29. September 2011 8:50 Uhr
    8. Ach ja

    Wir haben Massenarbeitslosigkeit in Deutschland, wir haben Masseneinwanderung in Deutschland. Alles beste Voraussetzungen zum Untergraben der Solidarität und zur Schwächung der Arbeitnehmermacht. Wir brauchen viel mehr "Fachkräftemangel" um wieder ein angemessenes Sozialniveau zu realisieren, in denen Bewerbungsgespräche keine Demütigung sondern ein faire Chance sind. Die Gewerkschaften haben gar keine Macht mehr, die sind reiner Spielball geworden.

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