SchirmmacherEin guter Regenschirm hält ein Leben lang

Keine zehn Schirmmacher gibt es noch in Deutschland. Arbeitsmangel haben die Letzten ihres Standes aber nicht. Vielmehr klagt die Branche über Nachwuchsprobleme.

Jetzt im Herbst macht Till Finger gute Geschäfte. Herbst und Winter – das ist seine Saison. Finger ist Schirmmacher, in fünfter Generation. Sein Ur-Ur-Urgroßvater hatte vor 132 Jahren begonnen, Schirme herzustellen und zu reparieren. Die darauf folgenden Generationen taten es ihm gleich, so auch Till Finger. Seit fünf Jahren führt er den kleinen Betrieb in Bremen. Finger ist einer der Letzten seines Standes. "Nicht einmal zehn Schirmmacher gibt es noch", sagt Finger. Mit den günstigen Preisen der in Masse produzierenden Billigschirmanbieter konnten die meisten Handwerksbetriebe nicht mithalten. 1998 wurde schließlich auch die Ausbildung zum Schirmmacher abgeschafft.

Die, die überlebt haben, machen heute wieder gute Geschäfte. "Hochwertige Schirme sind wieder gefragt", sagt der Bremer.

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Neben dem Verkauf sind Reparaturen die Hauptbeschäftigung des Schirmmachers. Meist sind es Fabrikate aus Fernost, die Finger reparieren soll. Häufig sind die Stangen gebrochen, die das Stoffdach des Schirms tragen, oft ist auch der Schieber zum Öffnen defekt oder die Nieten, die die Stangen verbinden, müssen ersetzt werden. Schirme, die er selbst hergestellt hat, sieht er nur selten in seiner Werkstatt wieder. "Qualität hält eben", sagt der Handwerker.

50 Schirmebaut erim Jahr

Vom großen Schirm für zwei Personen bis hin zum Minischirm für die Handtasche: Etwa 50 Schirme baut Finger im Jahr in Handarbeit, meist nach den individuellen Vorstellungen des Kunden. Viele bringen eigene Entwürfe mit, nach denen Finger dann den Schirm baut. "Die Kunden wollen etwas Außergewöhnliches oder einen besonderen Schirm aus bestimmten Stoffen oder Holz."

Zunächst wählt er den Stoff, schneidet oder stanzt ihn in Form. Die einzelnen Teile näht er zusammen und spannt sie über Metallschienen, die mit dem Stoff das Dach des Schirms bilden. In der Krone, dem Mittelpunkt eines jeden Schirms, werden die Schienen fixiert. Dieses Gestell befestigt Finger am Stock. Zu guter Letzt werden noch der Griff, oft aus hochwertigem Holz, gedrechselt, und die Spitze des Schirms angebracht. Ab 75 Euro kostet ein selbst gefertigter Schirm bei ihm, eine Preisgrenze gibt es nicht. Der teuerste von ihm hergestellte Schirm, aus Ebenholz und mit Sterlingssilber verziert, kostete 1.000 Euro.

Dennoch finden nicht nur wohlhabende Kunden den Weg in Fingers Schirmmacherwerkstatt. Viele wollen lieber einmal viel Geld für einen Schirm ausgeben, anstatt jeden Herbst einen neuen zu kaufen, erzählt der Handwerker.

Die Nachfrage ist groß

Für die Arbeit benötigen Schirmmacher handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit. Auch brauche man Improvisationstalent, sagt Finger, denn einige Ersatzteile für alte Schirme seien heute nicht mehr zu bekommen und müssten von Hand hergestellt werden. Drehbank, Drechselbank und Stanze gehören neben Werkzeugen wie Feile, Raspel, Bohrer und Nähmaschine in jede Schirmmacherwerkstatt. "Ein bisschen Holzhandwerk, Näherei, der Umgang mit Metall – alles ist in diesem Beruf zu finden."

Nachdem der Ausbildungsberuf abgeschafft wurde, erfolgt die Ausbildung heute durch einen der letzten Schirmmacher in Eigenregie. Dass der Beruf gänzlich aussterben wird, glaubt Till Finger nicht. "Die Nachfrage ist groß. Einige ältere Kollegen würden ihr Geschäft gerne weitergeführt sehen, aber sie finden keine Nachfolger, weil nicht mehr ausgebildet wurde." Von seiner kleinen Manufaktur in Bremen kann Finger sehr gut leben. "Von der Schirmreparatur für fünf Euro für die Omi von nebenan bis hin zum exklusiven, teuren Schirm für hochrangige Politiker hat man alles dabei. Die Mischung macht's." 

  • Gehalt: variiert stark, da keine tarifliche Regelung
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden in der Woche
  • Ausbildung: seit 1998 keine staatlich anerkannte Ausbildung mehr möglich
 
Leserkommentare
  1. Es wird die Zeit kommen, in der solche Handwerke wieder auferstehen werden. Bald.

    Eine Leserempfehlung
    • HorFe
    • 20.09.2011 um 20:49 Uhr

    Auch dieses Edelversandhaus verkauft solche Schirme und andere nachhaltige Dinge , in Europa hergestellte Dinge , die einen das ganze Leben begleiten.Aber diese haben ihren Preis.
    Ernähren aber Menschen, denen ihre Arbeit noch Freude und
    Zufriedenheit gibt.

  2. In Salzburg beim Schirmbauer. Exklusiv und toll gearbeitet.
    Der Preis 250 Euro war zwar erst mal viel, aber der Spaß und der Schutz
    dieses großen Schirmes ist unvergleichbar komfortabel.
    Er ist stabil und hält was er verspricht.

    Ich freue mich auch wenn es regnet und stürmt.

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