Getrocknetes Blut auf dem Teppich, dahinter ein Bett, durchtränkt mit einer Flüssigkeit: Der Fundort einer Leiche, die über mehrere Tage unentdeckt geblieben ist, bietet oft einen erschreckenden Anblick. Noch schlimmer aber ist der Geruch der schwer-süßlichen Leichenflüssigkeit, die ein verwesender Körper abgibt. In solchen Fällen heißt es für Bert Frauenstein: Nase zu und durch. Wenn Wohnungen von Mordopfern gereinigt werden müssen, wird er gerufen. Frauenstein ist Tatortreiniger und Geschäftsführer der Firma NVN Tatortreinigung.  

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Etwa 600 Morde gibt es in Deutschland im Jahr. Nicht bei jedem Fall muss auch der Tatort gereinigt werden. "Wir werden auch bei natürlichen Todes- oder Suizidfällen gerufen", sagt Frauenstein. Beispielsweise dann, wenn der Tote erst sehr spät gefunden wird und die Verwesung bereits eingesetzt hat.

Die Arbeitsbedingungen für ihn und seine Mitarbeiter wirken auf viele Menschen verstörend. "Dieser Job ist nichts für empfindliche Gemüter. Und die Arbeit ist körperlich anstrengend."

Die meisten Aufträge erhalten die Leichfundreiniger von den Behörden, manchmal beauftragen auch Angehörige die Firma. Frauenstein und seine Mitarbeiter brauchen Schutzkleidung, Maske und Handschuhe. "Der Gestank an Leichenfundorten ist meist sehr intensiv und dringt oft durch die Schutzmaske. Einige, die noch neu sind, schmieren sich was dagegen unter die Nase. Irgendwann nimmt man den Geruch aber nicht mehr wahr", erzählt er.

Zunächst verschaffen sich die Reinigungsspezialisten einen Überblick in der Wohnung. Wo ist der Tote gestorben, wie muss gereinigt werden? Ist starker Insektenbefall vorhanden?

Mit einem Kaltnebelgerät versprühen Frauenstein und sein Team Desinfektionsmittel. Es setzt sich in Nischen und Ritzen fest, tötet Viren und Bakterien ab. Die Desinfektion ist eine Präventionsmaßnahme, um die Räume betreten zu können. Sie dient vor allem dem Schutz der Arbeiter. Eine halbe Stunde lang muss das Mittel einwirken, dann lüften die Männer die Wohnung – und erst dann können sie mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Wenn die Verwesung bereits stark vorangeschritten war, kommen Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz.

Anschließend wird der Bereich, wo die Leiche gelegen hat, intensiv gereinigt. Die Spezialisten verwenden ein Mittel zur Entseuchung. "Man kann nicht alles reinigen. Wurde der Leichnam im Bett gefunden, kann man es nur zerlegen und entsorgen. Alle Möbelstücke, die kontaminiert wurden, verstauen wir in spezielle, große Kunststoffsäcke", erklärt Frauenstein. Das ist oft Schwerstarbeit für die Reiniger. Denn meist sind die Möbelstücke mit Flüssigkeit vollgesaugt – und somit doppelt so schwer.

Möbel, Tapeten, Teppiche, Holzdielen: Frauenstein und seine Mitarbeiter entsorgen alles, was unbenutzbar geworden ist. "Wenn eine Leiche auch nur ein bis zwei Wochen in einer Wohnung gelegen hat, kann man in der gesamten Wohnung so gut wie nichts mehr wiederverwenden. Der Leichengeruch zieht in jede Ritze", sagt Frauenstein. Lediglich Gegenstände aus Metall und Glas ließen sich reinigen.