ExistenzgründerDer Unternehmer, der Hunde zu Vegetariern macht

Fabian Ribbeck handelt mit vegetarischem Biofutter für den Hund. Das Geschäft lohnt sich: Der Existenzgründer trifft mit seiner Unternehmensidee den Nerv der Zeit. von Daniela Martens

Unternehmensgründer Fabian Ribbeck mit seinem Hund Gringo

Unternehmensgründer Fabian Ribbeck mit seinem Hund Gringo  |  © privat

Gringo streckt sich und lässt sich in seinem Körbchen nieder. Der Mischling ist mit seinem Hundeleben offensichtlich zufrieden. "Er frisst seinen Napf immer ganz leer und sein Fell glänzt", sagt Fabian Ribbeck.

Das gesunde Fell, sagt das Herrchen, komme vom Futter. Und das wiederum kommt vom Herrchen höchstselbst. Seit vier Jahren betreibt der Berliner den Internetversand Bio-Tierkost.de. Trocken- und Nassfutter für Hunde, Katzen und Nagetiere hat er im Angebot, alles Bio. Sein größter Verkaufsschlager ist das vegetarische Hundefutter. Ribbeck ist stolz darauf, dass er Hunde zu Vegetariern macht. Auch sein eigener Hund bekommt die fleischlose Kost. "Ich kann nicht akzeptieren, was der Mensch den Tieren mit Massentierhaltung antut", sagt Ribbeck. Sich selbst bezeichnet er als "Vegetarier mit Hang zum Veganismus", der die Welt verbessern möchte. Verdienen tut er daran auch ganz gut. 

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Die Welt verbessern

Er mache einen sechsstelligen Umsatz, sagt der Biohundefutter-Vertreiber. 59 Euro kostet ein 15-Kilo-Sack Trockenfutter, fast vier Euro das Kilo. Beim Discounter gibt es das Kilo Hundefutter für 80 Cent. Warum sollten Haustierbesitzer also bei ihm kaufen? "Für mich geht es um aktive Tierschutzarbeit", erklärt der Existenzgründer. Für sein Futter würden schließlich keine Tiere in Massenhaltung gequält. Es enthalte keine Zusatzstoffe und sei frei von Antibiotika. Ganz nebenbei ist Bio auch ein schlagendes Verkaufsargument. Fast sechs Milliarden Euro Umsatz hat die Bio-Branche im vergangenen Jahr gemacht. Bücher, in denen es um die moralische Seite des Fleischkonsums geht, sind Bestseller. Es liegt im Trend, "dass man sein Leben optimiert", sagt Ribbeck. "Erst meins und dann habe ich das auf meinen Hund übertragen. Und ich fühle mich gut dabei."

Hund Gringo hat der Unternehmensgründer vor ein paar Jahren aus einem spanischen Tierheim gerettet. Er wollte seinen Hund aufpeppeln und suchte deshalb nach vegetarischem Futter. Doch gab es nur wenig Anbieter, kleine Sortimente und die Lieferzeiten waren lang. Der BWL-Student entdeckte eine Marktlücke – und gründete seinen Internetversand. Mit fünf Bestellungen ging es los. Er ließ sich einige Pakete von einem Hersteller schicken. Dosen, die übrig waren, kamen ins Lager. Die Gewinne investierte er wieder in neue Waren. Mittlerweile hat der 30-Jährige sein Studium abgebrochen.

Heute hat er mehrere Tausend Kunden im ganzen Bundesgebiet. Noch mischt er das Futter, das er von verschiedenen Zulieferern bezieht, in seinem 80-Quadratmeter-Kellerlagerraum in Berlin selbst, packt Pakete und verschickt sie. Bald will er den Keller gegen eine Lagerhalle in Brandenburg eintauschen. Die liegt dort, wo auch Internetversandgrößen wie Zalando ihr Versandgeschäft abwickeln.

Hundeleben optimieren

Dann möchte er Mitarbeiter beschäftigen und sich nur noch aufs Marketing konzentrieren. Viele Haustierbesitzer hätten Vorurteile gegen das vegetarische Tierfutter. Dabei sei es gesünder für Tier und Umwelt, sagt der Firmengründer. Ribbeck versteht sich nicht als Öko, sondern als sozialer Unternehmer. Auf seiner Website kann man das nachlesen. Da geht es auch um Treibhausgase durch Massentierhaltung und hungernde Kinder, denen man mit dem Getreide helfen könnte, das an Schlachtvieh verfüttert wird.

Der Jungunternehmer hat auch selbst einen Tierschutzverein gegründet, zusammen mit einer Freundin. Eines Tages, erzählt er, wolle er einen Hof für Tiere kaufen, die keiner mehr will. Welches Futter es auf dem Hof geben wird, ist klar. Bio für Bello – was sonst?

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Leserkommentare
  1. Fleischfresser (=Hunde) zu Vegetarieren zu machen ist ungefähr so sinnig wie Planzenfresser (z.B. Rinder) zum Fleischkonsum zu zwingen.

    Erinnert sich noch jemand, was beim letzteren Versuch rausgekommen ist? Stichworte Tiermehl, BSE usw.

    Gut, Hunde werden hierzulande nicht gegessen. Eine Auswirkung auf die menschliche Nahrungskette dürfte also ausgeschlossen sein. Aber wenn man von Tierliebe spricht, sollte einem vielleicht auch das Wohlergehen des Hundes am Herzen liegen.

    Es gibt übrigens auch Lieferanten von artgerechtem Futter für Hunde, die ebenfalls Zutaten aus regionaler Bio-Herstellung nutzen und auf eine sinnvolle Ökobilanz Wert legen. Einfach mal googeln.

    2 Leserempfehlungen
  2. den Begriff Tierschutz im Munde führen dürfen und gleichzeitig ein Tier vom Fleischfresser zum Vegetarier "optimieren" wollen, ist eine Frechheit.
    Es zeigt jedoch auch, wie die Anhänger solcher Ideen tickt.
    Wenn sie könnten, würden nicht nur Haustiere zwangsbeglückt.

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    Da bin ich doch gern frech, wenn dadurch weniger Lebewesen leiden müssen und es mir wie auch meinem Hund ganz prächtig dabei geht.

  3. "Aber wenn man von Tierliebe spricht, sollte einem vielleicht auch das Wohlergehen des Hundes am Herzen liegen."

    Wenns dem Hund schmeckt und gesund ist sehe ich da kein Problem.

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  4. Anstatt vor lauter Ideologie Fleischfresser vegetarisch zu ernähren, sollten solche Leute einfach keine Hunde oder Katzen halten.

    2 Leserempfehlungen
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    • snoek
    • 23. September 2011 11:09 Uhr

    Normales kommerzielles Trockenfutter besteht auch aus 97 % Gemüse und Getreide.

  5. Der Herr im Artikel hat sich offentlichtlich nicht nur oberflächlich mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und (als Omnivore) beschlossen auf Fleisch zu verzichten. Das hat er dann auch bei seinem Hund versucht und dem bekommt es offentsichlich nicht schlecht.

    Nun wunder ich mich hier gerade stark über die vollkommen unangebrachte Kritik von Kritikern die dem den Unternehmer die die Eignung als Hundehalter absprechen wollen oder ihm vorwerfen "Omnivore" zu Vegetariern zu "optimieren". Ich finde, wenn man ein Lebewesen zu sich nimmt (seien es Kinder oder Tiere) dann hat man auch eine Verantwortung. Der Schluss dafür zu sorgen, dass sich der Hung gesünder ernährt und nebenbei auch noch etwas Gutes für die Welt zu tuen sollte zumindest respektiert werden.

    Hier passiert das Gegenteil was mich persönlich sehr nervt. Diese Mensch versucht etwas positives zu bewirken und man erntet vollig unangebrachte Kritik von Personen die meist nichtmal selbst soziale Verantwortung unternehmen. Das ist wirklich sehr schade.

    • chamsi
    • 22. September 2011 14:08 Uhr

    auf der homepage findet man auch jede Menge Hundefutter MIT Fleisch...aber eben von artgerecht gehaltenen Tieren.

    Eine gute Idee !!!

  6. Hunde sind seit Jahrtausenden vom Menschen gezüchtet, verändert, auf bestimmte Zwecke hin manipuliert worden. Sie wurden der Natur entfremdet und der Mensch hat sie nach seinen Anforderungen und nach seiner Fantasie, sowie nach seinem Ebenbild geformt.
    Die Hunde, die diese Behandlung überleben und noch Nachwuchs zeugen können, werden wieder einen weiteren Entwicklungszweig bilden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Antibiotikum | Discounter | Massentierhaltung | Tier | Tierfutter | Treibhausgas
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