Airbus-Geschäftsführer"Den Personalmanagern fehlt die Konfliktfähigkeit"

Personaler brauchen einen kühlen Blick, sagt Airbus-Personalchef Joachim Sauer im Interview. Wer die falschen Mitarbeiterentscheidungen trifft, schadet dem Unternehmen. von 

ZEIT ONLINE: Herr Sauer, Sie sind Geschäftsführer bei Airbus Deutschland und für den Personalbereich zuständig. Ist man in so einem Job nicht per se unbeliebt?

Joachim Sauer: Die Anforderungen an Personalmanager haben sich grundlegend verändert. Sie müssen Personal gestalten und nicht mehr nur verwalten. Nicht hire and fire bestimmt meine Arbeit, sondern die Entwicklung der Mitarbeiter im Unternehmen. Aus- und Weiterbildung müssen so gestaltet werden, dass die künftigen Fachkräfte nicht mehr von außen gesucht werden, sondern aus der eigenen Belegschaft kommen. Gute Fachkräfte werden in Zukunft immer wertvoller.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Ist diese Stellenbeschreibung nicht viel zu einseitig?

Joachim Sauer
Joachim Sauer

Joachim Sauer ist Präsident des Bundesverband der Personalmanager (BPM).

Sauer: Nein. Es stimmt, dass Personaler ihr Image verbessern können. Das wollen wir mit dem Bundesverband der Personalmanager, den ich mitgegründet habe, ändern. Viele glauben, Personalmanager seien nur mit Lohnabrechnung und Verwaltung beschäftigt. Tatsächlich ist es aber viel mehr und Teil des Managements eines Unternehmens. Wir betreuen die wichtigste Ressource einer Firma: die Mitarbeiter. Nur mit einer guten Belegschaft können sie wettbewerbs- und marktfähig bleiben.

ZEIT ONLINE: Sie sind seit 2008 bei Airbus für das Personal zuständig. Von Hause aus sind Sie jedoch Ingenieur für Städtebau. Nicht gerade der typische Werdegang, oder?

Sauer:  Nein, eher nicht. Die meisten Personaler haben Betriebswirtschaft studiert. Ich bin über Umwege zu meinem Job gekommen. Ich habe für die Treuhand gearbeitet und musste dort einen Personalumbau organisieren, später hat mich die Deutsche Bahn abgeworben. Damals mussten 18.000 Mitarbeiter auf neue Jobs im Konzern vermittelt werden. Ich glaube, mir hilft mein erster Beruf als Ingenieur, einen nüchternen Blick auf solche Großprojekte zu bewahren.

ZEIT ONLINE: Am Ende muss ein Personalmanager auch mal eiskalt sein?

Sauer:  Nein, als Personalverantwortlicher für ein großes Unternehmen müssen die Mitarbeiter immer im Mittelpunkt stehen, selbstverständlich wird die Marschrichtung im Personalbereich durch die Unternehmensstrategie vorgegeben, Wellness ist dabei nie der Hauptzweck

ZEIT ONLINE: Wie hält man so einen Spagat aus?

Bundesverband der Personalmanager

Der Bundesverband der Personalmanager (BPM) ist eine Vereinigung für Personalmanager und Personalverantwortliche aus Unternehmen, Verbänden und anderen Organisationen. Derzeit sind fast 4.000 Mitglieder in dem Verband organisiert.

Die Mitgliedschaft im BPM ist personengebunden, das heißt: Nur einzelne Personen können Mitglied werden, aber nicht Unternehmen.

Ziel des Verbands ist es, ein Leitbild des Berufsstand zu entwickeln und die Professionalisierung und Qualifizierung zu fördern. 

Sauer: Das ist nicht immer einfach. Generell muss sich jeder Personalmanager fragen, wie konfliktfähig er ist. Denn Konflikte gehören leider zu diesem Beruf dazu. Derzeit arbeiten in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen drei Generationen zusammen, die ein unterschiedliches Berufsverständnis haben.

Beispielsweise sind die Jüngeren Akademiker, die Betriebswirtschaft oder sogar Human-Ressource-Management studiert haben. Das heißt: Sie bringen das nötige Handwerkszeug mit. Und das ist wichtig, denn wenn ein Personalmanager die falschen Entscheidungen trifft, hat das Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Unternehmens. Die Personalstrategie muss an die Unternehmensstrategie gekoppelt sein – und umgekehrt.

ZEIT ONLINE: Die Auftragsbücher bei Airbus sind voll, für die kommenden acht Jahre ist genug Arbeit da. Trotzdem beschäftigt Airbus 20 Prozent Leiharbeiter . Ist das eine zukunftsträchtige Personalstrategie?

Sauer: In diesem Jahr haben wir 700 Zeitarbeitnehmer übernommen, weitere 300 werden noch in 2012 folgen. Bei Airbus gilt außerdem seit Jahren Equal Pay. Zeitarbeitnehmer werden bei uns nicht schlechter bezahlt als Stammarbeiter.

Aber ein Unternehmen wie Airbus braucht eine besondere Flexibilität. Die Luftfahrtindustrie ist zyklisch und die Auf-und Abschwünge kommen stärker und schneller als noch vor wenigen Jahren. Gerade angesichts der aktuellen Situation der Weltwirtschaft brauchen wir Flexibilität, um handlungsfähig zu bleiben.

Leserkommentare
    • ludna
    • 13. Oktober 2011 18:09 Uhr

    "Ich habe für die Treuhand gearbeitet und musste dort einen Personalumbau organisieren,"

    Er wollte sahen, ich habe tausende Leute rausgesmissen.

    • ludna
    • 13. Oktober 2011 18:10 Uhr

    "Ich habe für die Treuhand gearbeitet und musste dort einen Personalumbau organisieren,"

    Er wollte sagen, ich habe tausende Leute rausgeschmissen.

    (wegen mangelnder Rechtschreibung noch mal)

  1. unzufriedene Mitarbeiter und eine Unsicherheitsathmosphäre ist was anderes. 20% der mitarbeiter, die bei dem derzeitigen wirschaftlichen auf und ab und vor allem bei den teilweise herbeigeschriebenen, prognostizierten Horrorszenarien diverser Finanzkrisen mit einer ständigen Bedrohung leben, überflüssig zu sein. Dies mag mancher gut wegstecken, es gibt aber auch viele, für die es unerträglich wird.
    Ich denke, dass diese Flexibilität oft gar nicht nötig ist, da Tiefs auch anders als mit dem Abbau von Zeitarbeitern überstanden werden können. Vor allem wenn sie, wie im Interview behauptet, heutzutage meist kurzfristig sind und das nächste Hoch schon wartet.
    Für mich drängt sich eher der Gedanke auf, dass die Verantwortung für Mitarbeiter minimiert werden soll, indem man sie auf Zeitarbeitsfirmen verteilt, die oftmals wiederum wenig Kontakt zu den Mitarbeitern haben. Der Leidtragende ist der Mensch. Arbeit ist keine Ware, die nach belieben Gehandelt werden kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben

    "Arbeit ist keine Ware, die nach belieben Gehandelt werden kann."

    Arbeit wird nach Belieben gehandelt. Der Mensch wird als Rohstoff bewegt und eingesetzt, wie der Begriff "human ressources" eseindrücklich beschreibt.

    Schließlich spricht man von Arbeitsmarkt.

    Zeitarbeitsfirmen betreiben nach eigenen Worten Arbeitnehmerüberlassung. Überlassen kann man aber nur Güter und Waren, keine Menschen.

    Unsere Sprache zeigt es klar: Der Mensch ist als Arbeitnehmer eine Sache, ein Produktionsmittel. Arbeit selbst ist Handelsware. De facto.

  2. 4. Irrtum

    Sie schreiben

    "Arbeit ist keine Ware, die nach belieben Gehandelt werden kann."

    Arbeit wird nach Belieben gehandelt. Der Mensch wird als Rohstoff bewegt und eingesetzt, wie der Begriff "human ressources" eseindrücklich beschreibt.

    Schließlich spricht man von Arbeitsmarkt.

    Zeitarbeitsfirmen betreiben nach eigenen Worten Arbeitnehmerüberlassung. Überlassen kann man aber nur Güter und Waren, keine Menschen.

    Unsere Sprache zeigt es klar: Der Mensch ist als Arbeitnehmer eine Sache, ein Produktionsmittel. Arbeit selbst ist Handelsware. De facto.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lepkeb
    • 14. Oktober 2011 0:06 Uhr

    überlassen nennt sich Sklaverei oder Leibeigenschaft und diese wird durch Zeitarbeitsfirmen betrieben, und die Sklavenhändler und Grundherren sitzen in den dt. ARGEN.

    @Thema
    Total bs.

  3. der Abteilungs- und Standortleiter. Sie treffen bestenfalls eine Vorauswahl bei Bewerbungen, erfüllen überwiegend organisatorische Aufgaben.
    "selbstverständlich wird die Marschrichtung im Personalbereich durch die Unternehmensstrategie vorgegeben"

    Auffälligerweise ist die Frauenquote im Personalmanagement der deutschen Unternehmen sehr hoch.

    "Leiharbeiter werden bei uns nicht schlechter bezahlt als Stammarbeiter."
    Sie haben nur weniger Rechte und können besser drangsaliert werden.

    "Aus- und Weiterbildung müssen so gestaltet werden, dass die künftigen Fachkräfte nicht mehr von außen gesucht werden, sondern aus der eigenen Belegschaft kommen. Gute Fachkräfte werden in Zukunft immer wertvoller."
    Die Realität sieht anders aus: Immer mehr ungelernte Mitarbeiter werden ohne Einarbeitung und Ausbildung ins kalte Wasser geschmissen.

    Die Aussagen von Herrn Sauer klingen wie blanker Hohn.
    Als Politiker hätte er auch gute Chancen.

    • lepkeb
    • 14. Oktober 2011 0:06 Uhr

    überlassen nennt sich Sklaverei oder Leibeigenschaft und diese wird durch Zeitarbeitsfirmen betrieben, und die Sklavenhändler und Grundherren sitzen in den dt. ARGEN.

    @Thema
    Total bs.

    Antwort auf "Irrtum"
    • wilkem
    • 14. Oktober 2011 11:09 Uhr

    Einige Kommentare bestätigen ja gerade die Notwendigkeit eines strategisch integrierten und hinsichtlich Verantwortung und Kompetenzen mit allen anderen Funktionen im Unternehmen gleichgestellten Personalwesens. Vergütung, Rekrutierung, Ausbildung und Nachfolgeplanung sind z.B. "hoheitliche" Fachkompetenz des Personalwesens. Nur schwache oder von der Unternehmensleitung nicht ausreichend integrierte Personalbereiche lassen zu, dass andere Fachbereiche Fakten schaffen und Personal damit zum ausführenden Organ verkümmert.
    Gewöhnen müssen sich alle daran, dass höhere und notwendige Flexibilität eines produzierenden Unternehmens wegen bestehender Arbeitsgesetze in Deutschland derzeit nur über Leiharbeit in ausreichendem Maß gewährleistet werden kann. Deren Integration kann allerdings - wie geschildert - durchaus gerecht und harmonisch erfolgen.
    Personalverantwortlichen fehlt sehr oft Einbindung und Kenntnis in das/des strategischen und operative/n Geschäft/s und die relevanten Prozesse. Hinzu kommt die nicht sichtbare Differenzierung eigener Fachkompetenzen mangels Persönlichkeit und Durchsetzungskraft.

    Aufgaben der Treuhandanstalt muss man i.ü. verantwortet haben, um über sie urteilen zu können; unqualifizierte Äußerungen tragen nicht zur Sache bei.

  4. Sauer zeigt seit 2008 als deutscher Airbusgeschäftsführer für Personal durchaus die Fähigkeit Konflikte auszutragen. Allerdings ist dabei die Konsensfähigkeit auf der Strecke geblieben, wie zum Beispiel die anderthalbjährigen Hinhalteverhandlungen mit den Betriebsräten zum Abschluss eines neuen Beschäftigungssicherungsvertrages zeigen.

    Wahrer Hohn ist es aber, wenn Sauer davon spricht, dass nicht "Hire and Fire" seine Arbeit bestimmt, sondern Personalentwicklung. Wohl kein Bereich bei Airbus hat durch Sauer so viele Mitarbeiter gefeuert, ausgetauscht oder durch Druck zum Jobwechsel gebracht wie der Personalbereich selbst.

    Wenn - wie auf dem Titelfoto zu sehen - die Mitarbeiter während des Warnstreiks der Geschäftsführung die 'Rote Karte' zeigen, auf der zu lesen ist, dass sie "sauer" sind, ist das kein Zufall, sondern gezielter Galgenhumor. Sauer trägt die Hauptverantwortung für den derzeitigen Verhandlungsstatus bei Airbus in Deutschland. Es wurde Zeit, dass wieder einmal ein Machtwort aus Toulouse kam, um erneut einen deutschen Personalchef auf den Weg der Vernunft zu bringen. Der Kompromiss für den Zukunftstarifvertrag ist nun gefunden.

    Nichts gegen den "kühlen Blick" den Sauer für Personaler propagiert. Für sich hat er aber 'kühl' mit 'kalt' verwechselt. Ob das alles die Mitglieder des Bundesverbands für Personalmanager vorbildhaft finden kann zu Recht bezweifelt werden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Airbus | Joachim Sauer | Deutsche Bahn | Auszubildende | Städtebau | Unternehmen
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Ukraine-Krise USA erweitern Sanktionen auf drei russische Banken
    2. Türkei Der sanfte Gegenkandidat
    3. Nahost-Konflikt Hamas-Militärchef gegen schnelle Feuerpause
    4. Sanktionen Russland will autark werden
    5. Antisemitismus Knobloch rät deutschen Juden, nicht erkennbar zu sein
  • Neu im Ressort Karriere
    1. Lebensmitteltechniker Detektiv im Labor
    2. Dresscode Die passende Jeans fürs Büro
    3. Erholung Urlaub nach Feierabend
    4. Elternzeit Männer brauchen Vorbilder
    5. Burn-out Wenn Priester nicht mehr können
  • Anzeige
  • Anzeige
  • Anzeige
  • Quiz

    Frage 1 / 10

    Verstehen Sie Akademisch?

    Philosophische Texte sind oft besonders unverständlich. Hier ein Beispiel: "Das mit seiner Umgebung konfrontierte gesellschaftliche Subjekt verhält sich jeweils zu den vergangenen Produktionsprozessen insgesamt so wie jenes mit seinem Nicht-Ich konfrontierte Ich zum Akt des in sich zurückgekehrten Handelns, welches als das absolute Ich durch Entgegensetzung eines Nicht-Ichs als Ich produziert."
    Was bedeutet das übersetzt?

    • 1.
    • 2.
    • 3.
  • ARTIKEL ZUM THEMA Beruf IM RÜCKBLICK
    Juli | Juni | Mai | April | März
Service