Der Narziss

Vorsicht: Ihm werden Sie auf der Chefetage besonders häufig begegnen – denn ein Narziss ist für eine Führungslaufbahn geradezu prädestiniert. Mehr noch: Der niederländische Psychoanalytiker Manfred Kets de Vries glaubt, dass eine Managementposition ohne eine gehörige Portion Narzissmus kaum erreicht werden kann. Dieser Typ will unbedingt aus der Menge herausragen, er strebt nach Macht und Prestige. Solange sich dies im Rahmen hält, ist das nicht weiter schlimm. Doch der Grat zum sogenannten reaktiven Narzissmus ist schmal.

Einerseits lieben sich solche Charaktere selbst am meisten und neigen zu Arroganz und Selbstgefälligkeit. Deren Lieblingswort? Ich! Einfühlungsvermögen und Mitgefühl sind ihnen fremd . Andererseits leiden sie unter Minderwertigkeitsgefühlen, die sie durch Anerkennung kompensieren wollen. Daher sollten Sie seine vermeintliche Großartigkeit nie infrage stellen – selbst auf konstruktive Kritik reagieren Narzissten mit Wut und Scham. Sie müssen darauf vorbereitet sein, für ihn die dreckige Detailarbeit zu erledigen, denn dafür ist er sich zu schade. Rechnen Sie aber damit, dass er die Lorbeeren für Ihre Ideen und Überstunden einheimst. Die gute Nachricht: Die meisten Narzissten fallen schnell auf. Im Optimalfall bemerken deren eigene Vorgesetzte früher oder später, wer die Arbeit erledigt – und die Karriere Ihres Chefs ist gestoppt.

Der Größenwahnsinnige

Eine Prise Kreativität und visionäres Denken hat noch niemandem geschadet, gesundes Selbstbewusstsein auch nicht. Bei diesem Typ ist das Ganze jedoch umgeschlagen: in Allmachtsfantasien und Hybris . Er leidet unter krankhaftem Sendungsbewusstsein und ist davon überzeugt, dass seine wirren Ideen geradezu genial sind. Für ihn zählt immer nur eins: mehr, mehr, mehr. Widerstand ist zwecklos. Die Hoffnung auf Besserung ebenso.

Dafür geht das selten lange gut. Für Sie heißt das: Schauen Sie sich schon mal nach Alternativen um. Nehmen Sie intern etwa Kontakt zu anderen Führungskräften auf – aber dezent! Falls Sie bei denen zu viel über Ihren Chef lästern, wirken Sie illoyal und unsouverän. Außerdem empfiehlt sich antizyklisches Verhalten: Je weiter sich Ihr Chef von der Realität entfernt, desto ruhiger und realistischer sollten Sie werden. Machen Sie bloß nicht den Fehler, sich von seinem fatalen Enthusiasmus anstecken zu lassen, sonst reißt er Sie am Ende noch mit in den Abgrund.