ArbeitsrechtBundesarbeitsgericht bestätigt Sonderrecht für Kirchen

Immer wieder werden kirchliche Mitarbeiter aus moralischen Gründen gekündigt. Das Bundesarbeitsgericht hat den Kirchen darin erneut Recht gegeben. von dpa

Katholische Arbeitgeber können Arbeitnehmer grundsätzlich kündigen, wenn diese nach einer Scheidung erneut heiraten. Doch müssen sie nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts dabei sorgfältig zwischen den Grundrechten der Kirchen und den Freiheitsrechten der Arbeitnehmer abwägen. Das entschieden die höchsten Arbeitsrichter am Donnerstag und folgten damit der bisherigen Rechtsprechung, die den Kirchen einen Sonderstatus im Arbeitsrecht einräumt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 1985 den Kirchen das Recht zugebilligt, Arbeitsverhältnisse nach ihrem Selbstverständnis zu regeln. Wer also einen kirchlichen Arbeitgeber hat, muss sich dessen religiösen Grundsätzen beugen, sonst droht die Kündigung. Das gilt jedenfalls für sogenannte verkündigungsnahe Tätigkeiten, die einen direkten Bezug zur jeweiligen kirchlichen Glaubenslehre haben. Mitarbeiter in leitenden und öffentlich hervorgehobenen Positionen sind deshalb besonders an den Verhaltenskodex der Kirche gebunden.

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Im konkreten Fall ging es um den Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Düsseldorf, der nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau wieder standesamtlich geheiratet hatte. Sein Arbeitgeber sah damit die Loyalitätspflicht zu den kirchlichen Grundsätzen verletzt und kündigte dem Mediziner. Dieser wehrte sich gegen den Rauswurf vor Gericht.

Kündigung war unzulässig

Die Klage des Mediziners hatte in zwei Instanzen Erfolg. Auch die obersten Arbeitsrichter folgten dieser Auffassung und hoben am Donnerstag die Kündigung auf. In diesem konkreten Fall habe das Interesse des Klägers am Fortbestand seines Arbeitsverhältnisses überwogen. Da der Mediziner keine verkündungsnahe Tätigkeit ausübe, sei seine Entlassung nicht wirksam. Zugleich betonten die Richter in Erfurt aber, kirchliche Arbeitgeber könnten Verstöße gegen die jeweilige Glaubenslehre mit einer Kündigung ahnden.

Aus diesem Grund hatten kirchliche Mitarbeiter, die sich juristisch gegen ihre Kündigung nach Wiederheirat wehrten, in der Vergangenheit zumeist schlechte Karten. Vor dem Bundesarbeitsgericht scheiterten bereits in den siebziger und achtziger Jahren Kindergärtnerinnen katholischer Einrichtungen und eine Lehrerin an einem Missionsgymnasium mit ihren Klagen. Zuletzt hatten die Bundesrichter im Jahr 2004 die Entlassung eines katholischen Kirchenmusikers gebilligt.

Im Fall eines Organisten aus Essen, der seinen Job wegen einer außerehelichen Beziehung verlor, sah allerdings der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg im September vergangenen Jahres das Grundrecht auf Schutz des Privatlebens verletzt.

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Leserkommentare
  1. Ich verstehe die ganze Aufregung überhaupt nicht! Wer nicht mit den Grundsätzen der Kirche konform geht, muss auch nicht für sie arbeiten. Man wird doch auch nicht Chef einer Schokoladenfabrik, wenn man keine Schokolade isst und das auch noch öffentlich kund tut.

  2. Im Falle von ausländischen Gemeinschaften in Deutschland spricht man von Parallelgesellschaften, die entstanden sind - insbesondere im Falle von muslimischen Gemeinschaften. Man bemängelt vor allem deren eigene Rechtsnormen, die von unserem Rechtsverständnis zum Teil gravierend abweichen.
    Was ist aber in diesem Falle anders? Auch hier ist eine Parallelgesellschaft entstanden, die sich an unser Rechtssystem nicht gebunden fühlt. Und die Rechtsprechung lässt es auch noch zu, dass unsere Normen hier mit Füßen getreten werden.
    Ist das nicht absurd?

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  3. wenn die Kirche, also alle Kirchen, nicht langsam anfängt mit der Zeit zu gehen, ist es eh vorbei. Die Austritte steigen. Gratuliere zur Blindheit Herr Dr. Ratzinger und die anderen der anderen Kirchen..

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  4. Meiner Ansicht nach gibt es nur ein Recht und das gilt für alle. Wenn ein Mitarbeiter einer Kirche "sündigt" ist das seine Privatangelegenheit. Er kann sich seelsorgerisch beraten lassen, aber auch das ist seine Privatangelegenheit. Wieso sollten Kirchen eigene Gesetze haben? Dann könnte ja eine Kosmetikfirma verlangen, dass ihre Mitarbeiter nur die hauseigene Kosmetik verwenden, eine Schuhfirma, dass ihre Mitarbeiter ausschießlich die hauseigenen Schuhe, eine Partei, dass ihre Mitarbeiter so wählen wie es der Partei nützt etc.
    Man arbeitet um seinen Beruf auszuüben und meistens schlicht um Geld zu verdienen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Arbeitsrecht | Beziehung | Bundesverfassungsgericht | Entlassung
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