Arbeitsrecht-Mythen : Falsch gedacht, Kollege!

Wer krank ist, darf nicht gekündigt werden, genehmigter Urlaub ist unwiderruflich: Es kursieren viele Irrtümer über das Arbeitsrecht. Wir zeigen in vier Folgen, welche.

Ich darf während der Arbeitszeit zum Arzt gehen.

Falsch. "Arztbesuche sind rein rechtlich gesehen reine Privatsache", erklärt der Arbeitsrechtler Tobias Werner von der Kanzlei Weigelt und Ziegler in Berlin. Ausnahmen sind plötzlich auftretende Schmerzen, eine Verletzung, bei der eine Wartezeit nicht zumutbar ist oder Untersuchungen wie Blutabnahmen, die keinen Aufschub erlauben. Hat ein Arzt seine Praxis nicht außerhalb der Arbeitszeit geöffnet, ist auch dies als Ausnahme zu verstehen. Denn Arbeitgeber dürfen nicht von ihren Mitarbeitern erwarten, dass sie einen anderen Arzt mit "besseren" Öffnungszeiten aufsuchen.

Arbeitgeber müssen also in diesen Ausnahmefällen ihre Mitarbeiter bezahlt freistellen. Eine Verpflichtung, die ausgefallene Arbeitszeit nachzuholen, besteht in diesen Fällen nicht.

Ich bin während einer Krankheit unkündbar.

Auch wenn es in der DDR geltendes Recht war, so trifft es doch im vereinigten Deutschland nicht zu. Ist ein Arbeitnehmer krank geschrieben, kann ihm trotzdem gekündigt werden. Die krankheitsbedingte Kündigung ist arbeitsrechtlich ein Unterfall der personenbedingten Kündigung. Sie greift, wenn ein Mitarbeiter nicht mehr in der Lage ist, seine Arbeitsaufgaben zu erfüllen.

Dafür müssen jedoch drei Gründe erfüllt sein : "Die Gesundheitsprognose muss nachweislich schlecht sein, außerdem muss der Arbeitgeber nachweisen, dass der Ausfall des Erkrankten zu schweren betrieblichen Störungen und einem großen wirtschaftlichen Schaden führt", erklärt der Arbeitsrechtler Werner. Um einen Mitarbeiter krankheitsbedingt zu kündigen, müssen Arbeitgeber allerdings prüfen, ob unter Berücksichtigung der vergangenen Fehlzeiten auch zukünftig mit krankheitsbedingten Ausfällen zu rechnen ist. Kann davon ausgegangen werden, kommt eine Kündigung wegen Krankheit in Betracht.

Allerdings scheuen viele Arbeitgeber diesen Schritt . Denn im Fall einer Kündigungsschutzklage müssen sie dies schlüssig vor Gericht nachweisen. 

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