Perückenmacher Haarpracht aus Handarbeit
Bei Haarausfall können Perückenmacher helfen. Sie stellen die künstlichen Haarteile in Handarbeit her. Doch es gibt nur noch wenige, die das Handwerk beherrschen.
Eines Morgens entdeckte Uta Rütter* kleine runde, haarlose Stellen an ihrem Hinterkopf. Innerhalb weniger Wochen waren die haarlosen Flecken so groß wie eine Zwei-Euro-Münze. Rütter litt unter Alopecia areata, einer Immunsystemserkrankung, die kreisrunden Haarausfall verursacht. Ein Schock für die Frau, die immer so stolz auf ihre Haare war. Nach der ersten Untersuchung stand ihr Entschulss fest: Eine Perücke musste her.
Menschen wie Uta Rütter hilft Marlies Matthies. Sie ist Perückenmacherin und Inhaberin eines Haar-Ateliers in Bremen. Zu ihren Kunden gehören vor allem Männer und Frauen, die unter Haarausfall leiden. Häufigste Ursache sind Chemotherapien, kreisrunder Haarausfall – und das Alter. Daneben fertigen Posticheure, wie die Berufsbezeichnung korrekt heißt, auch Toupets und Haarteile für Menschen an, die einfach Spaß am Tragen von Perücken und Haarteilen haben.
200.000 Haare pro Perücke
Die Arbeit mit dem Haarersatz ist nicht ganz einfach. Die Perückenmacherin muss Maß nehmen, das künstliche Haar genau der Kopfform des Kunden anpassen. Haarsträhne für Haarsträhne wird anschließend von Hand auf ein feines Netzgewebe, Montur genannt, geknüpft. Fast immer verwendet Matthies Echthaar. Mehr als 200.000 Haare sind für eine Perücke notwendig. Etwa eine Woche braucht die Posticheurin dafür. Eine solche handgemachte Perücke mit Echthaar kostet zwischen 700 bis 2.500 Euro. Die schnellere und kostengünstigere Variante ist eine maschinell hergestellte Perücke. Sie schlägt mit 160 bis 550 Euro zu Buche. "Wer genau hinschaut, erkennt allerdings deutliche Qualitätsunterschiede", sagt Matthies.
Zu den Arbeiten von Perückenmachern gehören auch Reparaturen. Oft müssen neue Gummibänder eingezogen werden, manchmal sind die künstlichen Haarteile zu groß und müssen korrigiert werden. Oder es fehlen Haarbüschel, die ersetzt werden müssen. Und wie echtes Haar müssen auch Perücken gereinigt werden. Auch dies lassen viele Kunden lieber vom Experten machen. "Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen dem eigenen Haar und dem abgeschnittenen Haar einer Perücke. Man muss beim Waschen kreisförmige Bewegungen vermeiden, ansonsten verfilzt das Haar", sagt Matthies.
Der Beruf des Perückenmachers oder der Perückenmacherin ist keine staatlich anerkannte Ausbildung, die meisten haben eine Friseurs- oder Maskenbildnerausbildung abgeschlossen. "Das Handwerk wird dann im Betrieb noch intensiviert und verfeinert", sagt Matthies.
- Datum 31.10.2011 - 07:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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