ProfilerDen Mörder verstehen

Wenn ein Mord unaufgeklärt bleibt, kommen Profiler zum Einsatz – sie versetzen sich in die Perspektive des Täters. Ihr Joballtag im Beruf der Woche von 

© Tim Boyle/Getty Images

Von 703 Mordfällen im Jahr 2009 konnten 665 Fälle aufgeklärt werden. In vielen Fällen waren Profiler am Werk. Doch ganz wie in Krimiserien ist ihr Joballtag nicht. "Wir verrichten vor allem Aktenarbeit und versuchen herauszufinden, was sich ereignet hat. Dafür bewerten wir die Spuren eines Tatorts , versuchen, das Motiv einer Tat zu erkennen. Erst dann ergibt sich vielleicht ein Hinweis darauf, wer die Tat begangen hat", erklärt Axel Petermann, Profiler bei der Polizei Bremen.

Die Bezeichnung wurde aus den USA übernommen, ganz treffend ist sie aber nicht. Zwar erstellen die Ermittler ein Täterprofil, allerdings untersuchen sie den gesamten Fall. Darum werden sie in Deutschland auch Fallanalytiker genannt. Der Großteil ihrer Arbeit besteht darin, Fälle aufzuklären, die bereits Jahre zurückliegen.

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Sich in die Gedanken des Täters hineinversetzen

Wer wurde ermordet und wo? Galt die Tat speziell dem Opfer oder war es zur falschen Zeit am falschen Ort? Petermann und seine Kollegen studieren den Obduktionsbericht, den Tatortbefund sowie die Berichte der Spurensicherung. "Dann machen wir uns ein Bild vom Tatort und der Situation vor Ort. Dazu schauen wir uns alle Fotos an, die gemacht wurden. Wir besorgen uns Pläne von der Umgebung und studieren Luftaufnahmen", sagt Petermann. Oft ist es auch nötig, mit dem Obduzenten der Leiche zu sprechen und mit anderen Ermittlern, die bereits am Fall gearbeitet haben.

"Unsere Arbeit basiert auf dem Gedanken, dass ein Täter während einer Tat ständig Entscheidungen trifft. Diese Entscheidungen finden sich als Spuren am Tatort oder an der Leiche wieder. Das Ziel ist es, auf diese Weise das Verbrechen und das Motiv der Tat zu verstehen", erklärt der Bremer.

Dafür müsse er stets kritisch sein und jede Information hinterfragen. Wie beim Puzzeln setze sich Stück für Stück zusammen. "Kein Fall verläuft nach Schema F, man muss schon kreativ sein, um die Täter zu verstehen", sagt der Ermittler und schildert ein Beispiel aus seiner Arbeit. "Eine Frau war mit massiver Gewalt getötet worden. Dem Opfer fehlte ein Ohr. Das Ohr wurde, sorgsam eingewickelt in ein Tuch, gefunden. Ein sehr persönliches Verhalten. Es stellte sich heraus, dass der Täter nie Mutterliebe gespürt hatte, sich jedoch erinnerte, dass seine Mutter ihm nie zugehört hatte. Durch das Abtrennen des Ohres symbolisierte er seinen Frust, von seiner Mutter nie akzeptiert worden zu sein; gleichzeitig zeigte aber das sorgsame Einwickeln seine Liebe zu dieser Frau."

Leserkommentare
  1. sind nicht zu verwechseln mit Profilern.

    Die Profiler aus den USA, die mit massiven Medienaufwand gefeiert wurden und werden haben sich mittlerweile als kollossaler Fehlschlag erwiesen. Unterdurschnittliche Erfolgsquoten und überdurchschnittlich viele Falschanklagen haben den Beruf praktisch erledigt.

    • R.P.
    • 17. Oktober 2011 12:53 Uhr

    Ja, in der Tat, das Amerikanische, medienwirksame Profiling hat sich als sehr unzuverlässig erwiesen. Es scheint sich um eine sehr unprofessionelle "Kunst" zu handeln...
    Hierzu ein guterArtikel von MAlcolm Gladwell:
    http://www.newyorker.com/...

  2. segment sein am fall. aber der profiler selbst nutzt nur
    einen teil des aufkärungsmöglichen. er arbeitet, ähnlich der
    psychologiie, zu mental und logisch, setzt auch so viele
    zusammenhänge. das heisst er projeziert zu viel, was mehr mit mit dem profiler selbst zu tun hat, statt mit dem täter.
    durch dieses mentale der profiler werden die anderen
    bewusstseinsschichten, welche seit unserer werdung aus der frühen evolution heraus, fast garnicht beachtet. und das sind immerhin 3/4 bestandteil von uns selbst

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