Es ist vorerst nur ein Versprechen , das die deutsche Wirtschaft an diesem Montag gegeben hat: Bis zum Jahr 2020 werde man den Anteil der weiblichen Führungskräfte auf bis zu 35 Prozent erhöhen, teilten die Personalvorstände der Dax-Konzerne mit. Bei einem Spitzengespräch mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Familienministerin Kristina Schröder und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger präsentierten sie einen Plan, der Anhängern einer Frauenquote beileibe nicht weit genug gehen dürfte.

Statt einer Frauenquote, die für alle Unternehmen gilt, sieht die Vereinbarung nur individuelle Ziele für die Unternehmen vor. Sie verpflichten sich etwa dazu, mehr Frauen im mittleren und höheren Management zu beschäftigen und weiblichen Arbeitskräften mehr Trainee-Stellen anzubieten. Außerdem wollen sie die eigenen Betriebskindergärten ausbauen und Frauen bei der Personalentwicklung besonders fördern.

Die freiwillige Vereinbarung ist nicht zuletzt ein Sieg für Familienministerin Schröder. Sie ist eine bekennende Gegnerin einer festen Quote. "Die Rahmenbedingungen sind in jedem Unternehmen unterschiedlich, deshalb ist eine gesetzliche Regelung nicht zielführend", sagt sie an diesem Montag. Bereits im März hatte sie ihren Stufenplan vorgestellt, der eine schrittweise Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen vorsah – ohne, dass dafür ein Gesetz geändert werden muss. Die Erklärung der Wirtschaft ist eine Antwort auf die Vorschläge. Dementsprechend lässt die Ministerin verlauten, die Unternehmen zeigten "Einsicht und Transparenz". Nun müsse man sie an ihren Zielen messen.

Kritik von der Arbeitsministerin

Die Dax-Konzerne selbst versprechen, die selbst gesteckten Ziele regelmäßig zu überprüfen. Dazu wollen sie eine Arbeitsgruppe gründen, in der die Personalvorstände der 30 Dax-Konzerne fünf Jahre lang die Entwicklung diskutieren sollen. Dort wolle man auch "Erfahrungen austauschen", sagt Harald Krüger, Vorstand beim Autohersteller BMW. Der Münchener Konzern hat angekündigt, seinen Frauenanteil im Nachwuchsprogramm für Führungskräfte bis zum Jahr 2020 auf bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Bis dahin ist noch viel zu tun: Derzeit sind nur zehn Prozent der Entscheider im Konzern Frauen. Ob sich dieser Wert durch die Maßnahmen des Konzerns erhöhen wird, sei dahingestellt.

Skeptisch zeigte sich auch Ursula von der Leyen. Die Arbeitsministerin gilt als Verfechterin einer festen Quote; ihr geht die freiwillige Verpflichtung der Konzerne nicht weit genug. Sie kritisiert, dass die Führungspositionen der einzelnen Unternehmen nicht näher definiert sind. Viele Stellen seien "nicht miteinander vergleichbar". Zudem hätten einige Unternehmen internationale Ziele erklärt, andere nationale. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen", sagte die Ministerin.

Lobenswert findet von der Leyen allerdings, dass die Dax-Konzerne erstmals ihren Frauenanteil veröffentlichen. Endlich würden die Unternehmen mit dem "Märchen aufräumen, dass es keine Frauen für Führungspositionen gibt". Genug findet das die Ministerin nicht. "Wir haben immer noch nur 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen. Das ist eine für den Wirtschaftsstandort Deutschland unterirdische Zahl." Für diese obersten Entscheidungspositionen sieht die Selbstverpflichtungserklärung keine Ziele vor. Darum schließt von der Leyen eine gesetzliche Frauenquote für die Aufsichtsräte nicht aus.