Malte Schuster ist auf Jobsuche. Stellenanzeigen in Zeitungen liest der junge Ingenieur aber so gut wie gar nicht. Stattdessen besucht er die Webseiten der Unternehmen, die ihn interessieren. Entscheidend für ihn ist der Ruf des Unternehmens als Arbeitgeber und welchen Eindruck die Karriereseite macht. Sind die offenen Stellen schnell zu finden? Sind sie präzise beschrieben? Bietet das Unternehmen eine klare Übersicht über Entwicklungs- und Aufstiegschancen für junge Talente? Und wer sind die Leute, die dort arbeiten? "Ich prüfe auch, ob das Unternehmen ein Facebook-Profil hat, und ob da auch Mitarbeiter schreiben", erzählt der 28-Jährige. Je offener sich das Unternehmen zeigt und je authentischer die Kommunikation wirkt, desto attraktiver wird es für ihn als möglicher Arbeitgeber.

Wie Schuster bewerten viele junge Fach- und Führungskräfte die Attraktivität von Arbeitgebern anhand ihrer Aktivität in sozialen Netzwerken, ergab jüngst eine Studie zur Wirkung von Social Media im Personalmarketing , die die Wiesbaden Business School zusammen mit dem Unternehmen Embrander durchgeführt hat.

Bislang nutzen vor allem große Konzerne soziale Netzwerke, um für sich als beliebte Arbeitgeber zu werben und auf diese Weise für junge Fachkräfte interessant zu werden. " Kleine und mittelständische Unternehmen halten sich bei Social Media noch zurück , aber ihnen fehlen oft einfach die Kapazitäten dafür", sagt Florian Schreckenbach, einer der Autoren der Studie.

Rappende Azubis

Richtig erfolgreich sind aber bislang weder die kleinen, noch die großen Unternehmen. Nur ein Drittel der befragten Absolventen und Berufsanfänger gab an, die Aktivitäten von Unternehmen in sozialen Netzwerken überhaupt wahrgenommen zu haben. Vor allem große Konzerne wie Otto, Daimler oder die Telekom wurden von den Befragten als Beispiele genannt.

Neben Facebook spielt auch Youtube zunehmend eine Rolle bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Einige Unternehmen produzieren bereits Video-Clips, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Axel-Springer-Verlag ließ jüngst seine Manager in einem Video mitspielen , mit dem das Unternehmen junge Talente für das Verlagsmanagement sucht. In einem Video von BMW warben vor einigen Monaten die Auszubildenden des Unternehmens mit einem selbst produzierten Rap für Praktika . "Träge und verstaubt, was für ein Mist. Fakt ist, dass es eins der besten Unternehmen ist. Steh auf, siehst Du nicht den Sinn? Mit einem Praktikum bei BMW kannst Du nur gewinnen", rappen BMW-Azubis da. Der Clip verbreitete sich sehr schnell im Netz, allerdings vor allem als Lachnummer, wie die Kommentare unter dem Video zeigen.

"Virales Marketing muss zum Unternehmen passen, sonst wirkt es unglaubwürdig und kann sogar schaden", sagt Schreckenbach. Ein ungewöhnlicher Youtube-Clip sei für ein Medienunternehmen stimmig, ein Rap passe aber weniger zu einem seriösen Autohersteller, so Schreckenbach.