ArbeitsrechtMuss der Chef alle Mitarbeiter zur Weihnachtsfeier einladen?

Der Arbeitgeber organisiert eine Weihnachtsfeier nur für einige Mitarbeiter im Unternehmen. Ist das erlaubt? Antwort gibt Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Seit zwei Jahren werden ein Kollege und ich nicht mehr auf die Weihnachtsfeier eingeladen. Ich sprach dieses Jahr meinen Vorgesetzten darauf an. Seine Begründung: Da es sich um eine private Veranstaltung handelt, ist die Feier nicht als betriebliche Weihnachtsfeier anzusehen. Es treffen sich hier lediglich Kollegen außerhalb ihrer Dienstzeit. Eingeladen werden per E-Mail zwei Abteilungen. Die Feier selbst findet außerhalb der Dienstzeit in Anwesenheit der Vorgesetzten in einem Restaurant statt. Weitere Veranstaltungen gibt es nicht.

Ist die Veranstaltung als betriebliche Weihnachtsfeier anzusehen? Und handelt es sich hierbei dann nicht um Ausgrenzung?, fragt Dieter Freund.

Sehr geehrter Herr Freund,

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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zum einen dienen Betriebsfeiern wie die Weihnachtsfeier dazu, dass die Arbeitnehmer eines Betriebes den Kontakt untereinander pflegen können. Zum anderen werden diese Feiern veranstaltet, um das Betriebsklima zu verbessern und die Motivation der Mitarbeiter zu fördern. Zudem kann der Arbeitgeber frei entscheiden, ob er eine solche Feier durchführt. So der Grundsatz, wohlweislich, dass die Praxis anders aussehen kann.

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Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Und am Rande sei erwähnt, dass die Kosten einer solchen Betriebsveranstaltung für Unternehmen auch bis zu einer gewissen Grenze steuerlich absetzbar sind. Damit die Veranstaltung jedoch als echte Betriebsfeier im Sinne des Einkommenssteuergesetz (EStG) anerkannt wird, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. So soll die Veranstaltung zum Beispiel allen Mitarbeitern offen stehen und nicht nur einem exklusiven Kreis. Auch muss sie innerhalb der Arbeitszeit stattfinden.

Ein Unternehmen darf allerdings aus organisatorischen Gründen eine Feier nur für eine bestimmte Filiale oder Abteilung veranstalten. Grundsätzlich sollen solche Feiern dennoch jedem Arbeitnehmer offen stehen.

Ein Teilnahmerecht besteht nur dann nicht, wenn es einen sachlichen Grund dafür gibt, einzelnen Mitarbeiter die Teilnahme abzusprechen. Ein solcher Grund kann beispielsweise sein, wenn eine Notfallversorgung durch einzelne Arbeitnehmer sichergestellt werden muss.

Leserkommentare
  1. Haben Kontraktoren auch ein Anrecht auf Teilnahme ?

  2. "zum einen dienen Betriebsfeiern wie die Weihnachtsfeier dazu, dass die Arbeitnehmer eines Betriebes den Kontakt untereinander pflegen können. Zum anderen werden diese Feiern veranstaltet, um das Betriebsklima zu verbessern und die Motivation der Mitarbeiter zu fördern."
    Genau aus diesen Gründen hatte ich mein Team immer eingeladen. Ein Mitarbeiter jedoch, weigerte sich daran teilzunehmen, da er als Zeuge Jehovas, an keiner Weihnachtsfeier oder an keinem gemeinsamen Essen, in einem Lokal, das weihnachtlich geschmückt ist, teilnehmen wollte. Darf er das ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lassen Sie doch Ihren Mitarbeiter doch von der Feier fernbleiben, wenn es ihm seine Religion verbietet. Wo ist das Problem? Möchten Sie ihn etwa "zwangs-integrieren"?

    • sensun
    • 23. November 2011 17:16 Uhr

    Da muss ich DJ Joe Don Recht geben. Wenn er nicht will - sparen Sie eben Geld. Religionsfreiheit besteht ja schließlich....

    Aber da ich das Gefühl habe, dass es Ihnen wirklich um die Förderung des Teamgeistes geht, folgender Tipp: Deklarieren Sie das Ganze als Jahresabschlussfeier! Als Fest für ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Lassen Sie das ganze alberne Weihnachtsgedöns sein. Kommunizieren Sie, dass es um ein gute Zusammenarbeit geht.

    Finden Sie albern? Verständlich. Die Chancen steigen dafür immens, dass Ihr Mitarbeiter kommt.

    Falls es Ihnen das wert ist natürlich... :-)

    Nur war es schwierig ein Lokal zu finden, das nicht weihnachtlich geschmückt war.

  3. Lassen Sie doch Ihren Mitarbeiter doch von der Feier fernbleiben, wenn es ihm seine Religion verbietet. Wo ist das Problem? Möchten Sie ihn etwa "zwangs-integrieren"?

  4. "dass die Kosten einer solchen Betriebsveranstaltung für Unternehmen auch bis zu einer gewissen Grenze steuerlich absetzbar sind.... Auch muss sie innerhalb der Arbeitszeit stattfinden."

    Das ist ja mal ein interessantes Detail, wieviele Firmen halten sich daran?
    Wer hat schonmal versucht die Weihnachtsfeier als Überstunden geltend zu machen?

  5. 5. klingt

    nach nem super Arbeitsplatz.

    Ich glaube Sie und Ihr Kollege sind nicht gerade die Lieblinge des Chefs? :)

    • sensun
    • 23. November 2011 17:16 Uhr

    Da muss ich DJ Joe Don Recht geben. Wenn er nicht will - sparen Sie eben Geld. Religionsfreiheit besteht ja schließlich....

    Aber da ich das Gefühl habe, dass es Ihnen wirklich um die Förderung des Teamgeistes geht, folgender Tipp: Deklarieren Sie das Ganze als Jahresabschlussfeier! Als Fest für ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Lassen Sie das ganze alberne Weihnachtsgedöns sein. Kommunizieren Sie, dass es um ein gute Zusammenarbeit geht.

    Finden Sie albern? Verständlich. Die Chancen steigen dafür immens, dass Ihr Mitarbeiter kommt.

    Falls es Ihnen das wert ist natürlich... :-)

  6. Nur war es schwierig ein Lokal zu finden, das nicht weihnachtlich geschmückt war.

  7. Wenn z.B.ein Mitarbeiter in Eigenregie zur Weihnachtsfeier im privaten Kreis einlädt und der Arbeitgeber dafür eine Pauschalsumme zur Verfügung stellt.
    Die Eingeladenen kommen sicher gerne ausserhalb der Arbeitszeit in ein Lokal , da wird sicher keiner versuchen die (Arbeitszeit ) einzuklagen ,genau wegen solcher
    Mitarbeiter wird es zur privaten Feier...

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