Motivation Plädoyer für mehr Leidenschaft

Eine gute Ausbildung, Kontakte, Talent, Fleiß und Glück – all das ist wichtig für die Karriere. Doch erfolgreich ist nur, wer sich zu seinem Job auch berufen fühlt.

Die meisten Menschen gehen mir auf die Nerven. Wahrscheinlich wollen sie das gar nicht, aber manchmal reicht schon ihre pure Anwesenheit. Etwa morgens im Zug. Seit mehr als drei Jahren pendele ich von meiner Heimatstadt Köln an meinen Arbeitsort Düsseldorf. Morgens im Regionalexpress ist es immer dasselbe: Ich blicke überwiegend in leere, frustrierte, genervte Gesichter. Warum bloß quälen die sich so zur Arbeit?

Im Büro geht es weiter: Überall nur Beschwerden, Klagen und Gemotze. Job mies, Kollegen mies, Chef mies. Der Vorgesetzte ist entweder völlig unfähig oder fies, ach was, am besten gleich beides. Manche Kollegen sehnen am Montagmorgen schon den Freitagabend herbei, und sonntags nach dem Tatort denken sie bereits mit Grauen an den nächsten Tag. Nein, mein Eindruck ist nicht subjektiv. Umfragen diverser Meinungsforscher und Unternehmen bestätigen dieses Bild: Selten herrschte so viel Druck, Stress und Unzufriedenheit in deutschen Büros. Mal ehrlich: Kann es das denn gewesen sein?

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Nein, und das sollte es nicht. Denn mit der ständigen Übellaunigkeit verderben die Büro-Misanthropen nicht nur die Laune der Kollegen und Vorgesetzten – sondern auch ihre eigene.

Nachdenken über sich selbst

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich gehe nicht jeden Tag jubelnd ins Büro. Es gibt Momente, in denen ich mich ärgere oder frustriert bin. Ja, ich könnte mir Schöneres vorstellen als zu arbeiten. Und ja, ich habe ein intaktes Privatleben, kann am Wochenende und im Urlaub prima abschalten und auch mal überhaupt nicht an die Arbeit denken. Und nein, ich möchte mit diesem Text nicht meine Kollegen verärgern oder meinem Chef zeigen, was für ein toller Hecht ich doch bin.

Mir geht es um etwas anderes: Ich will Sie zum Nachdenken bringen – über sich selbst, über Ihre Arbeit. Und somit auch ein Stück weit über Ihr Leben. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, und ich ahne schon, dass es negative Leserbriefe hageln wird, die mir vorwerfen werden, dass ich verspäteter Streber sie wohl nicht mehr alle hätte; oder meinem Chef dazu raten, mich am besten gleich von Computer und Tastatur zu verbannen. Aber das nehme ich in Kauf, denn es ist notwendig – für Ihr berufliches und privates Glück

Zugegeben, Sie können auch die Karriereleiter hochkraxeln, ohne in Ihrem Job wirklich glücklich zu sein. Sicherlich werden Sie auch mal einen Auftraggeber überzeugen, ohne für das Projekt alles andere stehen und liegen zu lassen. Aber auf Dauer können Sie nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn Ihr Beruf im wahrsten Sinne des Wortes eine Berufung ist. Sprich: wenn Sie genügend Leidenschaft haben.

Diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern von seriösen Wissenschaftlern. Aber dazu gleich noch mal. Im Jahr 2005 hielt der Apple-Gründer Steve Jobs eine Rede vor Absolventen der Universität Stanford. Darin empfahl er: Ihr müsst die eine Sache finden, die ihr liebt. Der simple Ratschlag klingt ein bisschen nach Kalenderweisheit. Aber er gilt für jeden – egal, ob für den Arbeiter am Fließband, den Abteilungsleiter im Büro oder den Vorstandsvorsitzenden in der Führungsetage.

Leidenschaft oder Passion

Philosophen setzen sich mit Leidenschaft schon lange auseinander. Für den deutschen Denker Friedrich Nietzsche waren sie die "Wildwasser der Seele", sein französischer Kollege Jean-Jacques Rousseau nannte sie "die Stimmen des Körpers". Doch fernab von dieser Interpretation spielt Hingabe auch im Beruf eine Rolle: "Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität", wusste der deutsche Historiker Theodor Mommsen. Und der libanesisch-amerikanische Philosoph Khalil Gibran sagte einst: "Derjenige, der mit Tinte schreibt, ist nicht zu vergleichen mit demjenigen, der mit Herzblut schreibt."

Diese Denker haben vorweggenommen, was zuletzt immer häufiger Psychologen bestätigen konnten: Hingabe ist essenziell für Glück, Zufriedenheit und Erfolg. Egal, was Sie machen – entscheidend ist, dass Ihre Tätigkeit ein Teil Ihrer Identität wird.

Pionier der Passionswissenschaften ist der Kanadier Robert Vallerand von der Universität von Québec in Montréal. Ihm zufolge gibt es zwei Leidenschaften: harmonische und zwanghafte. Der entscheidende Unterschied: Harmonisch leidenschaftliche Menschen können vereinfacht gesagt noch selbst entscheiden, ob sie der Tätigkeit wirklich nachgehen wollen oder wann Zeit für eine Pause gekommen ist. Zwanghaft Leidenschaftliche hingegen haben diese Wahl nicht mehr – sie haben bereits eine echte Obsession entwickelt.

Die harmonische ist die gesunde Form der Passion, zwanghafte kann krank machen und führt nicht selten zum Burnout.

Vallerand hat sich in den vergangenen Jahren in Dutzenden von Studien mit der Entstehung von Leidenschaft beschäftigt – vor allem bei Sportlern, Künstlern und Wissenschaftlern. Egal, wen Vallerand fragte, ob professionelle Musiker, Radfahrer, Balletttänzer oder Basketballer: Die besonders erfolgreichen waren besonders leidenschaftlich. Und diese Studien sind auch auf den Büroalltag übertragbar.

Psychologen teilen die arbeitende Bevölkerung in drei Gruppen ein: Die erste sieht in ihrer Tätigkeit hauptsächlich einen Job. Solche Menschen gehen morgens zum Dienst, weil sie wissen, dass sie dadurch die finanziellen Möglichkeiten haben, ihre Miete zu zahlen, Kleidung zu kaufen oder in Urlaub zu fahren.

Die zweite Gruppe strebt vor allem nach einer steilen Karriere – vor allem deshalb, weil sie dadurch Einfluss gewinnt und ihr Selbstwertgefühl steigern will. Für beide Gruppen gilt: Arbeit ist nur Mittel zum Zweck, entweder um den Kühlschrank zu füllen oder sich selbst besser zu fühlen.

Um das deutlich zu sagen: Es ist völlig in Ordnung, einer dieser beiden Gruppen anzugehören. Was nicht in Ordnung ist: dann ständig zu lamentieren, dass einem die Arbeit keinen Spaß macht. Denn wahre Verve kann nur die dritte Gruppe entwickeln: jene, die in ihrem Beruf gleichzeitig eine Berufung sieht. Die nicht primär für Geld oder eine Führungsposition schuftet – sondern weil sie die Arbeit im besten Sinne des Wortes erfüllt. Das klingt vielleicht nach esoterischem Gesäusel, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen: Wer den Eindruck hat, einer Berufung nachzugehen, ist nicht nur glücklicher und zufriedener – sondern auch erfolgreicher.

Wer seinen Job liebt, ist erfolgreich

Vielleicht wollen Sie das aber gar nicht, Erfolg haben. In Ordnung. Vielleicht haben Sie einfach andere Ziele und Pläne. Auch gut. Aber wir kommen damit zum zweiten Element der Leidenschaft: den Zielen.

Mal eine Frage: Welche beruflichen Ambitionen haben Sie? Wollen Sie eine Sache beherrschen, weil Sie daran Spaß haben? Oder wollen Sie immer bloß besser sein als andere, womöglich weniger Fehler machen, bloß nicht unangenehm auffallen? Nach Erkenntnis der US-Psychologen Andrew Elliot und Marcy Church gibt es zwei Arten von Zielen – sogenannte Lernziele und Leistungsziele. Wer zur ersten Kategorie gehört, will seine Fähigkeiten perfektionieren. Er geht in einer Sache völlig auf und freut sich darauf, immer besser zu werden. Er strebt nach Exzellenz.

Wer dagegen ausschließlich leistungsorientiert denkt, sieht sich in einem permanenten Wettkampf, er will besser sein als andere oder schlicht weniger Fehler machen. Sprich: Er vergleicht sich ständig mit Kollegen oder Vorgesetzten. Das hat dann mit Leidenschaft aber gar nichts mehr zu tun.

Zahlreiche Untersuchungen haben in den vergangenen Jahren gezeigt: Beschäftigte mit Lernzielen sind nicht nur zufriedener mit sich und ihrer Arbeit. Sie zeigen auch mehr Engagement. Oder anders formuliert: Sie sind leidenschaftlicher.

Hier gilt das alte Sprichwort: Erst Übung macht den Meister. Eine Binsenweisheit, klar. Aber sie deckt sich mit Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen Anders Ericsson. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten für die Erforschung von Exzellenz. Bei seinen Untersuchungen stellte er fest: Selbst die begabtesten Talente mussten lange üben, um internationale Wettbewerbe zu gewinnen – zehn Jahre, beziehungsweise mindestens 10.000 Stunden. Erst dann besaßen sie genug Expertise, um zur Weltspitze gehören zu können.

Allerdings reicht es nicht, stupide derselben Tätigkeit nachzugehen. Nur weil Sie morgens unter der Dusche jahrelang dasselbe Lied trällern, werden Sie noch lange kein Opernsänger. Wichtig ist vor allem: Sie müssen sich konstant steigern und permanent Feedback von anderen einholen – damit Sie Ihren Leistungsstand überprüfen.

Klingt mühsam? Das ist es auch! Und natürlich garantiert Ihnen niemand, dass sich die 10.000 Stunden jemals lohnen. Manche schaffen es schneller, manche nie. Käme es nicht wenigstens auf einen Versuch an?

Die Voraussetzungen: Ausdauer, Willensstärke, Hartnäckigkeit. Solche Tugenden bringen Sie ein, wenn Sie einer Aufgabe nachgehen, die Sie wirklich mögen; einer Sache, für die Sie Leidenschaft empfinden. Sportler trainieren, Angestellte klotzen Überstunden. Weil sie für etwas brennen. Weil sie einen Sinn darin sehen.

Aber warum sind so viele Menschen leidenschaftslos? Eine Ursache dafür ist – das Geld. Es ermöglicht uns zwar, unser Leben zu finanzieren – doch es nimmt uns auch den Spaß an der Arbeit. Psychologen nennen das den Effekt der Überrechtfertigung: Wenn wir für eine Tätigkeit Geld bekommen, lenken wir unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf diese äußere Belohnung. Wir überbewerten die extrinsische Motivation und unterschätzen die intrinsische, also von innen kommende Motivation.

Egal, ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen: Wer Geld für etwas bekommt, der verliert den inneren Antrieb. Früher hat uns eine Sache Spaß gemacht, wir erledigten die Aufgabe um ihrer selbst willen, weil sie uns interessierte, faszinierte und inspirierte. Heute tun wir es für Geld. Und die Leidenschaft geht flöten.

Die US-Basketballlegende Bill Russell bestätigte das einmal sehr anschaulich. Als er endlich Geld verdiente, habe er schon beim Betreten des Platzes darüber nachgedacht, welche finanziellen und beruflichen Folgen das kommende Spiel für ihn haben würde. "Mit den Jahren verwandelte sich das Profi-Dasein mehr und mehr in eine Geschäftemacherei." Zwar brachte er weiterhin konstant seine Leistung. Aber seine Hingabe für den Sport blieb auf der Strecke – und damit der Spaß am Spiel.

Keine Frage, es ist schwierig, dagegen anzukämpfen, da wir kaum ohne Entgelt arbeiten können. Der Ausweg aus dem Dilemma: Statt ständig über die Höhe variabler Gehaltsanteile nachzudenken, erinnern Sie sich lieber daran, warum Sie Ihren Beruf gewählt haben. Hoffentlich lautet die Antwort: weil ich mal Spaß und Interesse daran hatte. Und dass Sie deswegen morgens zur Arbeit gehen. Dann wird Geld ein Stück unwichtiger.

Hingabe bleibt auf der Strecke

Aber selbst wenn Sie in Ihrem Job eine Berufung sehen, exzellent sein wollen und fleißiger arbeiten als ein ganzes Bienenvolk, könnte es sein, dass Sie dennoch nicht leidenschaftlich sind. Hingabe lässt sich nicht erzwingen. Damit aus Interesse harmonische Leidenschaft wird, sind mehrere Faktoren notwendig. Zum einen müssen Sie sich einer Sache ohne äußeren Zwang oder Druck widmen können, wie Passionsforscher Robert Vallerand herausgefunden hat.

Vor einigen Jahren begleitete er für eine Studie Dutzende von Schülern in den ersten Musikunterricht. Dabei stellte er fest: Kinder, die auf Druck der Eltern ein Instrument lernten, entwickelten obsessive Leidenschaft. Die Kinder aber, die nicht aus äußerem Zwang, sondern aus eigenem Antrieb übten, fanden zu harmonischem Engagement.

Das deckt sich mit Erkenntnissen der US-Psychologen Edward Deci und Richard Ryan. In ihrer Selbstbestimmungstheorie der Motivation haben sie herausgefunden, dass der Mensch vor allem drei Dinge anstrebt: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.

Falls Ihr Chef Sie also ständig unterbuttert, bevormundet oder einengt, wird es mit der Leidenschaft eher schwierig. Führungskräfte hingegen, die ihre Mitarbeiter auch mal unabhängig arbeiten lassen, fördern gleichzeitig die Entwicklung harmonischer Leidenschaft.

Unternehmen wie 3M und Google machen es vor: Sie geben ihren Mitarbeitern bewusst Freiraum während der Arbeitszeit. Primär wollen sie zeigen, dass sie ihnen vertrauen – dass dabei nicht selten neue Produkte entstehen, ist kein Zufall.Wie wichtig Mitsprache ist, zeigten vor wenigen Monaten auch Wissenschaftler um Jeffrey Carpenter vom Middlebury College im US-Bundesstaat Vermont. Bei einem Experiment konnten 180 Teilnehmer durch das Lösen von Rechenaufgaben Geld verdienen. Die eine Hälfte sollte per Mehrheitsbeschluss entscheiden, ob der gemeinsam erwirtschaftete Gewinn zu gleichen Teilen oder nach Leistung gestaffelt ausgezahlt werden sollte. Die andere Hälfte hatte kein Mitspracherecht.

Resultat: Im Schnitt bearbeitete Gruppe A sieben Prozent mehr Aufgaben, außerdem kletterte die Anzahl der richtigen Lösungen um neun Prozent. Dabei war es unerheblich, für welches Lohnmodell sich die Gruppe entschieden hatte. Wichtig war nur, dass sie überhaupt mitreden durften. Die Studie liefere "ein starkes ökonomisches Argument für mehr Demokratie am Arbeitsplatz", sagt Carpenter.

Auch in Deutschland wäre mehr Hingabe möglich – wenn Führungskräfte ihre Angestellten öfter mitreden ließen. Und wenn sie die Beschäftigten wertschätzten. Dafür ist noch nicht mal viel Geld notwendig, wie auch die jüngste Studie von Sebastian Kube bestätigt. Der Professor der Universität Bonn ließ 48 Studenten drei Stunden lang die Bücher einer Universitätsbibliothek katalogisieren, also Angaben wie den Buchtitel, den Autor oder das Erscheinungsjahr in eine Datenbank eintippen.

Die Teilnehmer wussten, dass sie für ihre Mühen einen Stundenlohn von zwölf Euro erhalten würden. Doch einer Gruppe gönnte Kube nach einer Weile eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent; der anderen schenkte er einen Gutschein für eine Thermoskanne im Wert von sieben Euro, der in durchsichtiges Geschenkpapier eingewickelt war. Und siehe da: Die unerwartete Lohnerhöhung hatte keinen signifikanten Anreiz auf die Probanden; sie arbeiteten weder schneller noch besser und fütterten die Datenbank nicht mit mehr Büchern. Der Gutschein hingegen zeigte erhebliche Wirkung: Er steigerte die Produktivität um durchschnittlich 30 Prozent.

Übertragen auf die Arbeitswelt, bedeutet das: Wer von seinem Unternehmen etwas geschenkt bekommt – und sei es nur eine Kleinigkeit – erhöht dadurch sein Engagement. Geld hingegen taugt nicht als Motivator. Denn das reduziert die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf die rein finanzielle Basis.

Keine Frage: Selbst mit genügend Hingabe werden Sie Rückschläge erleben. Sie werden Steine aus dem Weg räumen, Hindernisse überwinden, Skeptiker überzeugen und Gegner womöglich besiegen müssen. Aber wenn Sie es mit Verve tun, fällt es Ihnen leichter, gelegentliche Wolken zu ignorieren und sich daran zu erinnern, dass darüber die Sonne scheint und irgendwann schon wieder zum Vorschein kommen wird.

Apple-Gründer Steve Jobs hat das in seiner Rede vor Studenten der Stanford-Universität im Jahr 2005 ähnlich ausgedrückt. "Was mich motiviert hat, immer weiterzumachen? Ich liebte, was ich tat – und das ist das einzig Wichtige. Eure Arbeit wird einen großen Teil eures Lebens bestimmen. Und ihr könnt nur dann vollkommen zufrieden sein, wenn ihr eure Arbeit toll findet – ihr werdet sie aber nur dann toll finden, wenn ihr sie liebt. Falls ihr diese Arbeit noch nicht gefunden habt, sucht weiter!"

Und das sollten Sie auch tun. Mit Leidenschaft!

Erschienen in der WirtschaftsWoche

 
Leser-Kommentare
  1. Wer hier gern Kommentare liest, dem wird folgendes schon öfter mal begegnet sein: "...dann hätten sie eben was Sinnvolleres studieren sollen, Ingenieure werden z.B. immer gesucht." Das ist leider die realitätsnahe Einstellung vieler Menschen. Aber was, wenn ich nun mal mit Leidenschaft und einigem Talent zu den Geisteswissenschaftlern zähle, und auch damit der Gesellschaft einen großen Dienst erweisen könnte?
    Ich denke schon lange so, wie der Autor es hier darstellt, ich muss nicht reich werden, ich will mich aber (gerade auch unter ständiger persönlicher Weiterentwicklung, sprich -bildung) in meinem späteren Beruf verwirklichen.
    Aber letztlich ist das Problem vielleicht nicht so gravierend bei der ersten Berufswahl. Vielmehr sollte man vor allem mal die Praktiken des Arbeitsamtes hierzu prüfen, welches Menschen in oftmals sinnlose und unpassende Weiterbildungen steckt, einfach nur, weil sie einen Haufen solcher Plätze erworben haben und diese nun füllen müssen. Stellen wir uns doch mal vor, dass stattdessen (flächendeckend) Gespräche zur Eignung stattfinden und Menschen eine zu ihnen passende Weiterbildung erhalten, sofern sich entsprechende Interessen ausfindig machen lassen. Ich bin mir sicher, dass sie damit wesentlich mehr Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hätten und auch langfristig eine Anstellung finden würden. Aber das wäre ja mit mehr Aufwand verbunden. Vielleicht sollte ich mich beim Arbeitsamt bewerben?

    Eine Leser-Empfehlung
  2. der typische Bänker mit seinem Beruf (tief in seinem Kopf) glücklich werden?

    Bevor ichs vergesse: Mir gefällt der Artikel.

    Arbeit, die einen ausfüllt macht man selbstverständlich mit Hingabe. Auch ich habe 5 Jahre lang den "falschen Job" mit Hingabe gemacht. Es liegt nicht daran, dass man sich an Details aufhält, oder diese einen frustrieren. In meinem Fall lag es daran, dass ich zu blind und zu naiv war und die vermeintliche Ideologie hinter meinem Beruf versucht habe zu verwirklichen. Da man, wenn es aber um Geld geht, keinen Gemeinschaftssinn entwicklen kann, da Geld niemals durch gemeinschaftliches Miteinander entsteht, sucht man lange Zeit vergebens auf dem Holzweg.
    Genauso beobachte ich es in meiner Familie. Dort waren einige in einer großen dt. Versicherung beschäftigt. Nicht, weil sie es wollen, sondern weil sie sich dazu bereiterklärt haben sich das "Wissen" um den Verkauf von Versicherungen (und den damit verbundenen moralischen und ideologischen Konflikten - die sich, wie auch bei mir, meist erst herauskristallisieren, wenn man am "Point of no return" hinausgeschossen ist), indoktrinieren zu lassen.
    Natürlich kann Geld kein Motivator sein. Wie auch? Unser momentanes Zahlungsmittel ist nämlich (laut Definition) kein Geld. Sondern eben Zahlungsmittel. Und dass man mit wenig auch sehr, sehr glücklich sein kann und das viel besitzen nicht glücklich macht, hat auch schon meine 4jährige Nichte verstanden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann zeigen sie ihr mal (wenn das zurzeit bei Vierjährigen en vogue ist) diese pastellfarbenen meist mit viel Pink ausgestatteten Ponys mit Haarmähne oder ähnliches Zeug und fragen sie, wieviele sie davon haben mag und ob eine nicht reicht, wenn sie zugreift.

    Es wäre das erste Kind, das nicht rafft und sie wäre die erste, die das kleine Eis nimmt, weil das größere eventuell zu Übelkeit und in einigen Jahren zu Übergewicht führen könnte.

    Dann zeigen sie ihr mal (wenn das zurzeit bei Vierjährigen en vogue ist) diese pastellfarbenen meist mit viel Pink ausgestatteten Ponys mit Haarmähne oder ähnliches Zeug und fragen sie, wieviele sie davon haben mag und ob eine nicht reicht, wenn sie zugreift.

    Es wäre das erste Kind, das nicht rafft und sie wäre die erste, die das kleine Eis nimmt, weil das größere eventuell zu Übelkeit und in einigen Jahren zu Übergewicht führen könnte.

  3. Dann zeigen sie ihr mal (wenn das zurzeit bei Vierjährigen en vogue ist) diese pastellfarbenen meist mit viel Pink ausgestatteten Ponys mit Haarmähne oder ähnliches Zeug und fragen sie, wieviele sie davon haben mag und ob eine nicht reicht, wenn sie zugreift.

    Es wäre das erste Kind, das nicht rafft und sie wäre die erste, die das kleine Eis nimmt, weil das größere eventuell zu Übelkeit und in einigen Jahren zu Übergewicht führen könnte.

    Antwort auf " Wie sollte auch "
  4. Wenn jeder das macht, was er leidenschaftlich und mit viel Spaß macht, braucht er echt eine Motivation.
    Die Realität sieht aber anders aus, weil man erst mal sämtliche Abgaben und Pflichtversicherungen aufbringen muß. Ganz zu schweigen von den Ausgaben für Essen,Trinken, Strom, Wasser usw. Momentan werden doch aber die meisten so schlecht bezahlt, dass sie ihr Leben damit verbringen dieses Geld ranzuschaffen.
    Wenn sie nicht in der Lage dazu sind, bekommen sie HartzIV. Wir bräuchten erst mal eine gerechtere Verteilung der durch die Arbeit geschaffenen Werte. Auch viel mehr Anerkennung für die geleistete Arbeit und keinen Bettel- und Almosenstaat.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Ich sehe das mit der Leidenschaft wesentlich undramatischer als der Herr Jobs. Ich habe auch schon einfache Tätigkeiten mit Leidenschaft getan und ich kenne viele Menschen, die auch mit Routinejobs glücklich sind. Entscheidend ist, ob der Job einem ein Auskommen sichert und ob man in dem, was man tut, Wertschätzung erfährt.

    Das ist heute leider oft nicht mehr so. Ich wundere mich nur, warum viele Führungskräfte, die doch angeblich diesen Job machen, weil sie ihn mit so viel Leidenschaft tun, die größte Befriedigung daraus ziehen, ihre Untergebenen zu demütigen, fertig zu machen oder komplett zu ignorieren. Auch der Herr Jobs war unter seinen Mitarbeitern in dieser Hinsicht gefürchtet!

    Also: Eine Putzfrau kann glücklich sein, ein Manager muss es nicht sein. Leider leben wir in einer Welt, in welcher der karrieremäßig Erfolgreiche dem "Loser" oft noch seine kleine Alltagszufriedenheit neidet und ihm die auch noch kaputt machen will. Nach dem Motto: "Du darfst überhaupt nicht glücklich sein, du bist ja nur mein Arbeitssklave".

    Und die Vorstellung, dass es "die eine" Tätigkeit gibt, mit der man bis zu seinem Lebensende glücklich ist, die ist ebenso verbohrt wie die Meinung, es könne nur "den einen" richtigen Partner geben.

    Der dieser Haltung zugrunde liegende Perfektionismus ist meist ein Ausdruck von Minderwertigkeitsgefühl, dass durch narzisstischen Größenwahn kompensiert werden soll. Dagegen hilft auch keine Leidenschaft, höchstens eine Psychotherapie.

  6. Wirklich ein netter Versuch, doch von der Realität so weit entfernt wie der Mars von der Erde. Man kann sich das Ziel setzen und es gibt auch eine theoretische Chance ihn zu erreichen, doch für die meisten wird es ein Traum bleiben.
    Es gibt keine gerechte Möglichkeit allen zu ermöglichen ihrer Profession zu folgen um ein glückliches und erfülltes Arbeitsleben zu erreichen. Schon die 10% die sich 90% des Weltkapitals gesichert haben werden dies zu verhindern wissen. Sie brauchen keine glücklichen erfüllten Arbeitnehmer sonder brave Lemminge die ihnen den Wohlstand sichern.
    Bleibt nur noch zu hoffen das sich "Glücklich durch Thermoskannen" nicht bis in die Vorstandsetagen der großen Aktienunternehmen herum spricht.

  7. Es stimmt schon, was der Artikel beschreibt: es braucht zehn Jahre Übung und Hingabe oder mehr um "Weltspitze" zu werden (oder auch einfach nur gut in einer Sache). Was der Artikel aber verschweigt: Das war's dann noch lange nicht. Denn alleine um gut zu BLEIBEN muss man auch weiterhin ganz hart üben (oder arbeiten, wenn man so will). Und wer 20, 30 Jahre "Weltspitze" bleiben möchte, muss sich wirklich anstrengen. Denn die anderen üben ja auch!

    Und das ist nicht einfach, auch nicht immer gesund, und überhaupt sehr anstrengend.

    Das is nix für jeden.

    aj

    Eine Leser-Empfehlung
  8. Gefällt mir. Zu dem Thema hat auch Daniel Pink ein hochinteressantes Buch geschrieben: 'Drive'. Darin beschreibt er den Unterschied zwischen Lebensentwürfen mit profit goals vs. purpose goals und stellt dar, dass der Mensch nach drei Sachen (auch beruflich) strebt: autonomy, mastery, purpose. Wirklich lesenswert!

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