GerichtsvollzieherTraumjob Schuldeneintreiber

Gerichtsvollzieher haben einen schweren Job: Zwangsvollstreckungen, Pfändungen oder Kinder aus Familien holen gehört zu ihrer Arbeit. Ihr Joballtag im Beruf der Woche von 

Detlef Hüermann darf anderen Menschen Wertgegenstände wegnehmen, von Amts wegen. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Hüermann arbeitet als Gerichtsvollzieher und ist auch als Bundesgeschäftsführer des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes e.V. tätig.

"Die Zwangsvollstreckung ist im 8. Buch der Zivilprozessordnung geregelt. Da heißt es, dass sie für sogenanntes bewegliches Vermögen erlaubt ist. Damit sind alle Besitztümer gemeint, die einen Wert darstellen und zur Schuldentilgung zu Geld gemacht werden können ", sagt Hüermann. Bei dem überwiegenden Teil seiner Einsätze geht es um Geldforderungen. Gerichtsvollzieher werden aber auch mit der Abnahme oder der Erzwingung von Eidesstattlichen Versicherungen beauftragt. Sie müssen Zwangsräumungen und Wegnahmevollstreckungen durchführen. Eine Wegnahmevollstreckung geschieht in der Regel, wenn jemand verurteilt worden ist, einen bestimmten Gegenstand auszuhändigen, dies aber nicht freiwillig tut. Mitunter müssen Gerichtsvollzieher dann sogar die Herausgabe von Kindern durchführen, etwa wenn das Jugendamt wegen Missständen die Kinder aus der Familie holen möchte.

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© Tim Boyle/Getty Images

Jeder Gerichtsvollzieher hat seinen festgelegten Bezirk, einen festen Tagesablauf gibt es nicht. "Wir fahren fast jeden Tag in unseren Bezirk. Man hat es fast immer mit den gleichen Personen zu tun", sagt Hüermann. Meist erfolgt der Außendienst vormittags, in den Nachmittagsstunden steht Bürodienst an. Gerichtsvollzieher sind Landesbeamte und bei der jeweiligen Landesjustizverwaltung angestellt. Der oberste Dienstherr jedes Gerichtsvollziehers ist der Präsident des Oberlandesgerichts.

Der Berufszugang ist denkbar einfach. Angehende Gerichtsvollzieher waren zuvor im mittleren Justizdienst tätig. Die eigentliche Ausbildung erfolgt per Weiterbildung und dauert 20 Monate, aufgegliedert in sieben Monate Theorie und 13 Monate Praxis.

Jura und Menschenkenntnis benötigt

Auf dem Stundenplan steht denkbar viel Jura: Gerichtsvollzieher müssen fit im Zwangsvollstreckungsrecht sein, das Bürgerliche Gesetzbuch und das Handelsgesetzbuch sowie die Prozessordnung kennen. Sie brauchen solide Kenntnisse in Familienrecht, dem Gewaltschutzgesetz und dem Gerichtsvollzieherkostenrecht, anhand dessen die Gebühren und Auslagen berechnet werden. "Auch Psychologie und Selbstverteidigung gehören zum Unterrichtsplan", sagt Hüermann.

Wer in diesem Job arbeiten will, braucht Empathie und Menschenkenntnis, auch müssen Gerichtsvollzieher deeskalieren können. Oft erleben sie Konfliktsituationen, treffen Menschen an, die vielfältige soziale Problematiken zu bewältigen haben. "Den Umgang mit Menschen muss man sich selbst aneignen. Das wird leider nicht in der Ausbildung explizit geschult. Oft muss man Druck auf die Schuldner ausüben, das ist nicht immer einfach", sagt Hüermann.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

  2. Ein wirklich passender Beitrag zur Weihnachtszeit. Traumjob... was für ein Zynismus.

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    Würden die Leute besser mit Geld umgehen können, bräuchte es den "Traumjob" nicht...

  3. Würden die Leute besser mit Geld umgehen können, bräuchte es den "Traumjob" nicht...

    Antwort auf "Traumjob"
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    ...fängt unten an und zieht sich wie ein Faden bis ganz nach "Oben". Die da ganz "Oben", deren Umgang mit Geld offensichtlich auch nicht von profesioneller Natur sind, müssen ob ihres Umgangs mit Geld allerdings nicht befürchten, von einem Gerichtsvollzieher besucht zu werden, denn sie haften für ihr Fehlverhalten nicht mit ihrem Privatbesitz.

    Natürlich ist es das Eine wenn ein 18-jähriger sich mit seinem Handyvertrag überhebt. Aber wir leben hier in Zeiten in denen man recht schnell seinen Job verlieren kann. Und dann stellt man sich schon mal die Frage was man bevorzugt bezahlt: Miete, Strom, Telefon, Handy? Gerade bei den letzteren beiden steckt man dann häufig noch in einem Vertrag mit Mindestvertragslaufzeit, aus der man dann ums Verrecken nicht mehr raus kommt. Denn den Telkos ist es völlig egal, dass man selbst plötzlich nicht mehr so solvent ist wie früher. Selbst wenn man dann proaktiv zu ihnen kommt, bevor sich Schulden anhäufen, ist der Tenor ganz klar: "Ist uns egal. Wir haben einen Vertrag und sie sind verpflichtet ihn einzuhalten". Dazu kommen dann noch Geschichten wie Rücklastschriftgebühren bei ungedeckten Konten die ein Mehrfaches der Grundgebühr darstellen und somit bei Nichtnutzung des Vertrags die Rechnung schnell mal verdrei- bis -vierfachen.

    Genausowenig wie Arbeitslose pauschal "nur zu faul zum Arbeiten" ist, ist der Schuldner nicht pauschal immer "nicht in der Lage mit Geld umzugehen".

  4. ...fängt unten an und zieht sich wie ein Faden bis ganz nach "Oben". Die da ganz "Oben", deren Umgang mit Geld offensichtlich auch nicht von profesioneller Natur sind, müssen ob ihres Umgangs mit Geld allerdings nicht befürchten, von einem Gerichtsvollzieher besucht zu werden, denn sie haften für ihr Fehlverhalten nicht mit ihrem Privatbesitz.

  5. Herr Xy pfändet das Eigentum von Menschen, die nicht gepfändet werden müßten, wenn sie ordentlich ausgebildet worden wären. Wir sprechen hier möglicherweise von schlecht ausgebildeten Menschen, die nicht in der Lage sind, die Konsequenzen von Geschäften, die sie abschließen, zu überschauen. Sie sind also Opfer aus Unzulänglichkeit! Ist eine Pfändung da statthaft? Oder eigentlich unangemessen? Weiß Herr Xy-Traumjob davon etwas oder führt er nur eine Anweisung aus ohne nachzudenken? So wie seinerzeit, wo Beamte einfach nur Befehle ausgeführt haben und sich am Ende genau daruf berufen haben? Zugegeben, ein harter Vergleich, aber gleiches Prinzip. - Sollten WIR nicht genau darüber nachdenken? Und vor allem die ZEIT, bevor sie sowas in dieser Form schreibt?

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    Komischerweise reicht die Bildung dieser Stammklientel sehr wohl dazu Waren im Unverstand zu konsumieren und es mangelt da auch nicht an Kenntnissen über die einschlägigen Beschaffungswege wie Bestellungen im Internet usw. Nur wenn es dann ans haften für das eigene Tun geht, dann sind alle so schlecht aufgeklärt und zu wenig gebildet. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
    Und der Vergleich auf den Sie abzielen, ist einfach nur geschmacklos und polemisch.

    Wenn man Leuten aufgrund mangelhafter Ausbildung die Fähigkeit abspricht, die Konsequenzen ihres Tuns zu überblicken, dann müsste man ihnen konsequenter Weise auch die Geschäftsfähigkeit absprechen - und sie unter Betreuung stellen. Es kann nicht sein, dass solche Leute nach Herzenslust Verträge abschließen dürfen und ihre Partner dann auf den Forderungen sitzen bleiben.

  6. 6. Ach...

    ... diese oben und unten Geschichte ist doch müßig. Weil die da "oben" Geld verprassen können, muss der kleine Mann etwa nicht auf seinen Haushalt achten?

  7. Komischerweise reicht die Bildung dieser Stammklientel sehr wohl dazu Waren im Unverstand zu konsumieren und es mangelt da auch nicht an Kenntnissen über die einschlägigen Beschaffungswege wie Bestellungen im Internet usw. Nur wenn es dann ans haften für das eigene Tun geht, dann sind alle so schlecht aufgeklärt und zu wenig gebildet. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
    Und der Vergleich auf den Sie abzielen, ist einfach nur geschmacklos und polemisch.

    Antwort auf "Bitte zuerst denken!"
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    Es geht nur um Verhältnismässigkeit, nicht um eine Entschuldigung. Diese Menschen, von denen hier gesprochen wird, sind im Grunde arme Hunde und wir, die wir arrogant darüber stehen, sollten sie nicht mit den Maßstäben messen, die uns gebühren, wenn wir Schulden machen, die wir nicht bezahlen können, oder? - Und "ans Haften" schreibt man übrigens groß. War sicher nur ein Tippfehler in der Eile. Kommt vor, bei mir auch... Nachsicht ist eben eine Tugend jener, die es sich leisten können, nicht wahr?

  8. Es geht nur um Verhältnismässigkeit, nicht um eine Entschuldigung. Diese Menschen, von denen hier gesprochen wird, sind im Grunde arme Hunde und wir, die wir arrogant darüber stehen, sollten sie nicht mit den Maßstäben messen, die uns gebühren, wenn wir Schulden machen, die wir nicht bezahlen können, oder? - Und "ans Haften" schreibt man übrigens groß. War sicher nur ein Tippfehler in der Eile. Kommt vor, bei mir auch... Nachsicht ist eben eine Tugend jener, die es sich leisten können, nicht wahr?

    Antwort auf "Rechte und Pflichten"

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