Requisiteur Auf die Ausstattung am Set kommt es an
Vom Feuerzeug bis zur Wohnzimmereinrichtung: Requisiteure besorgen alles, was wir im Film sehen. Sie brauchen viel Improvisationstalent, zeigt unser Beruf der Woche.
Die Schauspieler sind bereit, die Kamera auch, eigentlich könnte die Klappe fallen. Da fällt Olaf Kronenthal noch etwas an der Requisite auf. Im letzten Moment versetzt er die Blumenvase von der Tischmitte an das eine Ende des Tisches. "Das hätte sonst einen Anschlussfehler in der Produktion gegeben", sagt er. Kronenthal arbeitet als Requisiteur bei Filmproduktionen. Genauer gesagt: als Innenrequisiteur. Er arbeitet eng mit dem Regisseur zusammen, ist also innen am Set. Daneben gibt es noch Außenrequisiteure. Sie sind für das Drumherum zuständig.
Während die Innenrequisiteure es vor allem mit Regisseur, Kameraleuten und Schauspielern zu tun haben, organisieren Außenrequisiteure Möbel und Gegenstände. "Die Außenrequisiteure sorgen für die Blumen auf dem Tisch, die Bilder an der Wand, die Kissen auf dem Sofa", erklärt Kronenthal. Die Innenrequisiteure hingegen gestalten den Drehort je nach den Erfordernissen des Drehbuches, räumen und dekorieren Sets um und sorgen dafür, dass alles an seinem Platz steht. Sie achten auch darauf, dass die Requisite am Set richtig auf- und ab- und wieder aufgebaut wird. Denn gedreht wird meist nicht chronologisch. Oft liegen zeitliche Abstände zwischen den Drehtagen. Und so kommt es zu Anschlussfehlern.
Jede Menge Recherche
"So etwas zu vermeiden, ist unsere Aufgabe. Wir sind aber auch dafür zuständig, dass die Schauspieler mit den Requisiten richtig umgehen. Oft müssen wir die Funktion und Handhabung erklären, zum Beispiel, wie man eine Waffe richtig hält", sagt Kronenthal. Das braucht jede Menge Recherche.
Dazu gehört auch, zu wissen, woher man die Dinge für einen Dreh bekommt. Ab ins nächste Möbelhaus und mit einem kompletten Wohnzimmer zurück zum Drehort – ganz so einfach ist es meistens nicht.
"Es gibt mehrere Filmfundus, wo man das meiste mieten kann. Vom Biedermeiertisch bis zum Maschinengewehr – da kann man sich alles leihen, was benötigt wird." Anhand der Drehbücher und durch Absprache mit dem Szenenbildner wissen die Außenrequisiteure, was zu besorgen ist. Die Kontrolle der Requisitenliste gehört auch zu ihren Aufgaben.
Für den Beruf braucht es viel Organisations- und Improvisationstalent, handwerkliches Geschick und eine schnelle Auffassungsgabe.
"Oft müssen wir schnell eine Lösung finden. Zum Beispiel, wenn beim Außendreh ein Busch im Weg ist; damit die Kamera Platz hat", sagt Kronenthal. Wer als Außenrequisiteur arbeiten will, sollte vorher Erfahrungen als Innenrequisiteur gesammelt haben. "Man kann das dann besser einschätzen, wie die Arbeitsabläufe sind, wenn man es selber mal gemacht hat."
Und wie wird man Requisiteur? Eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben, viele sind Quereinsteiger, haben oftmals erst als Requisitenfahrer gejobbt. Einige Sendeanstalten bieten zweijährige Volontariate zum Requisiteur an, und bei der IHK gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten zum geprüften Requisiteur. Die Jobs sind allerdings rar. Wer einen ergattert, arbeitet meist als Angestellter bei einer Sendeanstalt oder einer Film- und Fernsehproduktion. Nur wenige sind freiberuflich tätig.
Mit durchschnittlich 1.000 Euro Wochengage ist die Arbeit recht gut entlohnt. Mit etwa 1.069 Euro ist die Arbeit der Außenrequisiteur etwas besser bezahlt, als der Innenrequisiteur mit 945 Euro, weil er mehr Verantwortung trägt und auch für die Budgetüberwachung verantwortlich ist.
Kein Tag gleicht dem anderen
Die Arbeit ist oft stressig. Häufig muss sehr kurzfristig noch eine Requisite besorgt oder verändert werden. Arbeitstage von zwölf bis 14 Stunden sind eher die Regel als die Ausnahme.
Dafür bietet der Beruf viel Abwechslung. Kein Arbeitstag gleicht dem anderen. Kronenthal genießt genau das. "Jeder Film ist neu und anders. Man lernt dafür jede Menge interessanter Menschen kennen, erlebt viele spannende und interessante Situationen. Das ist das Schöne an diesem Beruf."
- Gehalt: Tarif Außenrequisiteur: 1.069 Euro/Woche, Tarif Innenrequisiteur: 945 Euro/Woche
- Arbeitszeit: variiert, gelegentlich bis zu 14 Stunden am Tag
- Ausbildung: Volontariat möglich, aber nicht vorgeschrieben, Quereinstieg möglich, Weiterbildung zum geprüften Requisiteur möglich
- Datum 06.12.2011 - 19:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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