Wenn Lidewij Edelkoort spricht, halten alle ihren Notizblock bereit. Manche nicken regelmäßig oder sagen leise "Ah, ja stimmt, ist mir auch aufgefallen" vor sich hin. Und fast synchron klacken sämtliche Kugelschreiber im Saal, sobald Edelkoort auf das Thema Farben zu sprechen kommt. Die Zuschauer schreiben eifrig mit, als könnten sie es sich sonst nicht merken: "Gelb ist das neue Pink. Auch Gold wird wieder eine größere Rolle spielen."

Lidewij Edelkoort, Jahrgang 1950, gilt als eine der einflussreichsten Trendforscherinnen der Welt. Ihre Firma Trend Union unterhält Büros in Paris, New York und Tokio. Edelkoort berät Unternehmen und Institutionen, hält Vorträge, gibt Bücher heraus. Regelmäßig veröffentlicht sie ihre Trend Books in limitierter Auflage von 250 Exemplaren, Stückpreis: schlappe 2.000 Euro. Vor ein paar Jahren wurde sie vom Ti me Magazin zu einer der 25 wichtigsten Mode-Expertinnen der Welt gewählt. Die Niederländerin hat inzwischen einen Status erreicht, bei dem man sich fragt, ob Trends nur deshalb einsetzen, weil Edelkoort sie zuvor ausgerufen hat.

"Ich erfinde nichts Neues", sagt die Trendexpertin, "Ich beobachte einfach, was um mich herum passiert. Was die Menschen anhaben, welche Farben, Frisuren, Stoffe sie tragen und was sie machen." Sie notiere sich ihre Eindrücke und sortiere diese nach Themen. Irgendwann werde etwas so evident, dass sich daraus ein neuer Trend ableiten ließe.

Immer auf das Bauchgefühl achten

Mit statistisch erhobenem, nachvollziehbarem Datenmaterial haben ihre Voraussagungen nichts zu tun. "Wen sollte ich denn befragen? Die Konsumenten wissen doch selbst noch nicht, was sie in drei Jahren wollen." Ihr Arbeitsmittel ist die Intuition, sagt sie, und die trainiere sie wie einen Muskel. "Die wenigen Male, bei denen ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe, weil ich dachte: `Das kann doch nicht sein!´, habe ich daneben gelegen."

Für Trendforscher wie "Li" – so wird sie oft genannt – gibt es keine vorgezeichneten Ausbildungswege. Die meisten sind Quereinsteiger, oft mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund, etwa einem Soziologiestudium. Viele Trendforscher kommen auch aus künstlerischen Bereichen.

Edelkoort hat Mode und Design an der Kunsthochschule in Arnhem studiert. Ihr Talent dafür, Trends zu erkennen, entdeckte sie eher zufällig bei einem Nebenjob in einem Kaufhaus. Sie habe über kommende Modekollektionen immer schon Jahre im Voraus Bescheid gewusst, erzählt sie. Und darum sei sie nach Paris gegangen. Das war 1975. Dort machte sie sich selbständig.