UnternehmensgründerInnovation statt Imbissbude
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Kompliziertes Bleiberecht

Gründer wie Can profitieren davon, dass es in Deutschland zahlreiche Förderangebote für Jungunternehmer gibt, bei denen Migrationshintergrund und Nationalität keine Rolle spielen. Der High-Tech-Gründerfonds etwa finanziert innovative Startups aus Deutschland, ganz gleich welcher Nationalität die Gründer sind. Und Cans Serviettenfaltmaschine gibt es auch deshalb, weil das staatliche Exist-Programm die Entwicklung förderte.

Ein Exist-Stipendium haben auch der Chinese Chao Zhang und der Inder Anup Chathoth bekommen. Beide sind studierte Ingenieure – jene Fachkräfte also, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebraucht werden. Vermutlich werden die beiden bald selbst zum Arbeitgeber: Seit sie sich in München im Elite-Studiengang Technology Management über den Weg gelaufen sind, tüfteln sie gemeinsam an Übi. Übi ist mit Kameras und Software ausgestattet und verwandelt jede Fläche, auf die etwas projiziert wird, in einen interaktiven Bildschirm. Leinwände und Arbeitstische sollen so zum Touchscreen werden. Wenn das funktioniert, wäre es eine Innovation, die weltweit gebraucht wird.

Und dennoch verlief der Start des asiatischen Gründer-Duos in der bayrischen Hauptstadt alles andere als reibungslos. Um den beiden eine Aufenthaltserlaubnis auszustellen, habe die Ausländerbehörde finanzielle Sicherheiten verlangt, erzählt Zhang. Interessierte Investoren wiederum wollten nur dann Kapital bereitstellen, wenn die beiden Gründer ein dauerhaftes Bleiberecht vorweisen können. Ein Teufelskreis. "Ich bin schon seit einigen Jahren in Deutschland", sagt Zhang, "warum muss es trotzdem so kompliziert sein?"

Jeder Dritte fühlt sich unerwünscht

Dass solche Hürden gut ausgebildete Fachkräfte und damit potenzielle Gründer abschrecken, zeigt eine aktuelle Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Danach würden etwa 60 Prozent der Master- und Promotionsstudenten aus dem Ausland gerne in Deutschland bleiben, doch nur 25 Prozent verwirklichen diesen Wunsch. Jeder Zweite fühlt sich nicht gut informiert, jeder Dritte sogar nicht erwünscht.

Wer dennoch bleibt und ein Unternehmen gründen will, muss den Start in die Selbstständigkeit oft aus eigenen Ersparnissen oder mit Krediten von Verwandten und Freunden stemmen. Von Banken gibt es häufig kein Geld. Jeder dritte Selbstständige beklagt in der Startphase außerdem den holprigen Umgang mit Behörden; Unterstützer und Berater sind Mangelware. Auch Chao Zhang und Anup Chathoth konnten nur in Deutschland bleiben, weil sich der Leiter der Gründungsberatung ihrer Universität für sie einsetzte.

Anup Chathoth muss seine Aufenthaltsgenehmigung bald erneuern. Kommt er nicht durch, könnte Übi vielleicht doch kein deutsches Produkt werden – obwohl genau das den Gründern sehr wichtig ist: "Made in Germany" bürgt für Qualität, in München hoffen sie zudem, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, und sie lieben die Stadt. "München", sagt Zhang, "ist so etwas wie das Silicon Valley Europas."

Roman Engel hat sein Glück in Wiesbaden gefunden. Bevor er und seine Familie 1996 als Spätaussiedler nach Deutschland zogen, hatte er schon in Kasachstan die Zukunft entdeckt: Aus einem Taschenrechner, alten Uhren und einem Koffer bastelte er einen kleinen Computer. In Deutschland angekommen, bekam er einen richtigen PC und fing mit 13 Jahren an zu programmieren. Später entwickelte er 3-D-Modelle, studierte Medieninformatik, beriet Industrie-Unternehmen und konzipierte mit seinem Mitbewohner Xiang Wang ein Computerspiel für eine Spielkonsole.

Zusammen mit dem Chinesen baut der 26-Jährige jetzt das Unternehmen Daubit auf, das Apps für iPhone und iPad entwickelt. Mit Erfolg: Um die Flut der Aufträge abzuarbeiten, haben Engel und Wang die ersten Mitarbeiter eingestellt und arbeiten mit 20 freien Programmierern zusammen. Das Team von Houman Gieleky könnte bald doppelt so groß sein. Dass er es so weit gebracht hat, hat auch mit seiner Mutter zu tun. "Was Mama schafft, das schaff ich auch", sagt er. Die Pharmazeutin holte mit Mitte 50 ihr deutsches Staatsexamen nach. Dann eröffnete sie eine eigene Apotheke.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Aussagen. Danke, die Redaktion/mk

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    • thatG
    • 06. Januar 2012 18:45 Uhr

    ...deutsche Muslime. Für diese müssen auch Moscheen gebaut werden.

  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke, die Redaktion/jz

    • Zack34
    • 06. Januar 2012 15:33 Uhr
    Antwort auf "[...]"
  3. 4. [...]


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  4. ...ist kein Einzelfall.Für mich persönlich spielt es allerdings keine Rolle, ob jemand mit Migrationshintergrund mit einem Imbissstand,oder einer Online-Plattform den Weg in die Selbsständigkeit wagt, denn mutig ist beides gleichermaßen. Annerkennung aufgrund besonderer Integrationsleistung erhalten aber andere,sich besonders Frauen- und Schwulenfeindlich gebende "Musiker", das ist beschämend.

  5. Mag sein, dass Lea-sophie und Kevin schlechte Jobchancen haben. Aber ein deutscher Arbeitgeber stellt lieber niemanden ein bevor ihm ein Ahmed oder eine Fatima ins Büro kommt. Der deutsche Rassismus drückt sich nicht in brennenden Asylbewerberheimen aus, sondern in der mangelnden Bereitschaft, den Ausländer als möglichen Nachbarn oder Kollegen zu betrachten.

  6. 7. Super

    mehr davon! Nichts ist besser fürs Land als neue Gründungen, mit welchem Hintergrund auch immer

  7. Diese positive Entwicklung ist seit vielen Jahren bekannt. Menschen aus anderen Kulturen haben teilweise einen sehr großen Innovationsgeist. Aufgrund des demographischen Wandels ist es unumgänglich noch mehr Menschen aus dem Ausland anzuwerben. Ohne Migration wären die USA z.B. heute keine Wirtschaftsmacht. Diese Beispiel alleine zeigt, wie wichtig eine gute Einwanderungspolitik ist.

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