Freiwillige ArbeitWas beim Ehrenamt zu beachten ist

Fast jeder Dritte engagiert sich neben dem Job ehrenamtlich. Ob der Chef dem Engagement zustimmen muss und was zu beachten ist, erklären wir in einem FAQ. von 

Welche Formen ehrenamtlicher Arbeit gibt es?

Ehrenamtliche Arbeit muss nicht immer regelmäßig sein, auch wenn die meisten Berufstätigen einem regelmäßigen Ehrenamt beispielsweise in der freiwilligen Feuerwehr oder in einem Sportverein nachgehen. Auch temporäre freiwillige Dienste sind möglich: Spenden sammlen auf dem Weihnachtsmarkt, Unterstützung einer Kältehilfe für Obdachlose oder Jugendfreizeitbetreuer in den Sommerferien. Als Ehrenamt gelten auch einmalige Einsätze. Darüber hinaus gibt es Reiseunternehmen, die Berufstätigen einen freiwilligen Einsatz im Ausland anbieten . Dieser Trend heißt "Voluntourism", in Anlehnung an den Begriff volunteer , Freiwilliger. Die Urlauber pflanzen im australischen Outback Bäume, betreuen in kolumbianischen Slums Straßenkinder oder setzen ihre handwerklichen Fähigkeiten dazu ein, ein paar Wochen lang bei einem indischen Unternehmen mitzuarbeiten.

Muss der Arbeitgeber einer ehrenamtlichen Tätigkeit zustimmen?

Arbeitnehmer sollten dem Arbeitgeber ein Ehrenamt anzeigen. In der Regel steht eine solche Anzeigepflicht von Nebentätigkeiten auch im Arbeitsvertrag. Zustimmen muss der Arbeitgeber allerdings nicht. Denn verbieten darf er die freiwillige Arbeit nur im Ausnahmefall. Zum einen sind Arbeitnehmer durch das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ( Art. 2 Abs. 1 GG ) geschützt, zum anderen darf der Arbeitgeber eine Nebentätigkeit nur untersagen, wenn sie dem Ruf des Unternehmens schadet oder dem betrieblichen Interesse entgegensteht. Für ein Verbot muss der Arbeitgeber das nachweisen. Heikel ist jedoch der zeitliche Umfang eines Ehrenamts. Wer sich zu stark freiwillig engagiert (beispielsweise als Sanitäter oder Feuerwehrmann) und deswegen zu müde zum arbeiten ist und Fehler macht, dessen Engagement darf der Arbeitgeber einschränken. Prinzipiell sollen Arbeitnehmer zusammen mit dem Hauptjob und dem Ehrenamt nicht mehr arbeiten als die maximale Höchstdauer der Wochenarbeitszeit vorschreibt – 48 Stunden in der Woche.

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Darf der Arbeitgeber das Engagement in einer Gewerkschaft verbieten?

Nein. Das Engagement in einer Gewerkschaft steht sogar unter besonderem Schutz. Der Arbeitgeber muss das Engagement dulden.

Kann dem Ehrenamt während der Arbeitszeit und im Urlaub nachgegangen werden?

Besonders Arbeitnehmer, die bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Schöffen am Gericht ehrenamtlich tätig sind, geraten häufig mit ihren Arbeitgebern in Konflikt, weil ihr Engagement in die Arbeitszeit fällt. FMitglieder der freiwilligen Feuerwehr müssen für Einsätze und Aus- und Fortbildungen, die in die Arbeitszeit fallen, freigestellt werden. Für alle anderen ist die Regel aber klar: Der Arbeitgeber hat das Recht, das Ehrenamt in dieser Zeit zu untersagen – selbst dann, wenn durch das Engagement wichtige Bereiche für das öffentliche Leben sichergestellt werden. Oft hilft es, dem Arbeitgeber anzubieten, die ausgefallene Arbeitszeit später nachzuarbeiten. Einlassen müssen sich Arbeitgeber darauf aber nicht.

Anders sieht es mit dem Urlaub aus. In ihrer Freizeit können Arbeitnehmer tun, was sie wollen – auch ehrenamtlich arbeiten. Allerdings nicht bis zum Umfallen. Sofern sie nachweisen können, dass sie trotz des Einsatzes genügend Entspannung haben, darf der Arbeitgeber das freiwillige Engagement im Urlaub nicht untersagen.

Leserkommentare
  1. "Besonders Arbeitnehmer, die bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Schöffen am Gericht ehrenamtlich tätig sind, geraten häufig mit ihren Arbeitgebern in Konflikt, weil ihr Engagement in die Arbeitszeit fällt. Hier ist die Regel aber klar: Der Arbeitgeber hat das Recht, das Ehrenamt in dieser Zeit zu untersagen – selbst dann, wenn durch das Engagement wichtige Bereiche für das öffentliche Leben sichergestellt werden"

    Das ist leider nicht richtig. Wie stellen Sie sich vor, wie eine Freiwillige Feuerwehr funktioniert, wenn tagsüber keiner von seiner Arbeitsstelle weggehen kann?

    Glücklicherweise ist das Gesetz hierzu aber eindeutig, auch wenn viele Arbeitgeber das vielleicht nicht einsehen wollen.

    Siehe dazu bspw. § 11 Absatz 1 des Niedersächsisches Brandschutzgesetz (NBrandSchG), dort heißt es:

    "[...] Nehmen sie während der Arbeitszeit an Einsätzen oder an Aus- oder Fortbildungsveranstaltungen der Feuerwehr teil, so sind sie während der Dauer der Teilnahme, bei Einsätzen auch für den zur Wiederherstellung ihrer Arbeits- oder Dienstfähigkeit notwendigen Zeitraum danach, von der Arbeits- oder Dienstleistung freigestellt.[...]"

  2. 2. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/mo.

  3. Das ist zwar korrekt, aber missverständlich. Die "normale" Privathaftpflichtversicherung, die jeder besitzen sollte, schließt ehrenamtliche Tätigkeiten oft nicht mit ein. Deshalb sollte unbedingt geprüft werden, ob der Versicherungsschutz, ggf. gegen einen Mehrbeitrag, erweitert werden muss.

    • Chris_7
    • 05. Dezember 2011 14:47 Uhr

    Der Autor hat offensichtlich keine Ahnung vom föderalen Gefahrenabwehrrecht in Deutschland.

    Gerade in der Feuerwehr gibt es in Form der 16 Feuerwehrgesetze/ Brandschutzgesetze eine eindeutige spezialgesetzliche Regelung. Und diese ist quasi in allen Ländern einheitlich:

    - Der Arbeitnehmer ist zur Teilnahme an Einsatz- und Ausbildungsdiensten (sowie ggf. für eine Erholungsphase z.B. nach einem nächtlichen Einsatz) freizustellen.

    - Dem Arbeitnehmer darf daraus kein beruflicher Nachteil erwachsen.

    - Der Ersatzanspruch des Arbeitgebers beschränkt sich auf den ggf. weiter gezahlten Arbeitslohn (bzw. der Arbeitnehmer hat einen Anspruch gegen die Gemeinde als Dienstherren auf Ausgleich des nicht weiter bezahlten Arbeitslohnes.

    Das alles ist nicht von der Zustimmung des Arbeitgebers abhängig.

    Und nebenbei. Der Feuerwehrmann ist zur Teilnahme am Einsatz und Übungsdienst verpflichtet. Er kann es sich also (rein rechtlich gesehen) nicht aussuchen, ob er nun gerade Lust und Zeit hat oder nicht. Die Nichtteilnahme ist streng genommen eine Dienstpflichtverletzung.

    Deshalb ist der Dienst in einer Freiwilligen Feuerwehr auch nicht mit der Tätigkeit in einem Sportverein vergleichbar...

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    Redaktion

    Hallo Chris_7 und Die_Tanne,

    der Autor ist eine Autorin. Der Satz mit dem Bezug zur freiwilligen Feuerwehr war missverständlich ausgedrückt. Wir haben jetzt noch einmal eindeutig darauf hingewiesen, dass Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr für Einsätze, die in die Arbeitszeit fallen, freigestellt werden müssen. Für andere Ehrenämter gelten hier indes andere Regeln.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

  4. Redaktion

    Hallo Chris_7 und Die_Tanne,

    der Autor ist eine Autorin. Der Satz mit dem Bezug zur freiwilligen Feuerwehr war missverständlich ausgedrückt. Wir haben jetzt noch einmal eindeutig darauf hingewiesen, dass Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr für Einsätze, die in die Arbeitszeit fallen, freigestellt werden müssen. Für andere Ehrenämter gelten hier indes andere Regeln.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll

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    Hallo Frau Groll,

    ihr korrigierter Satz berücksichtigt nicht die Sonderstellung anderer Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) die überwiegend aus ehrenamtlichen Mitarbeitern bestehen, z.B. das Technische Hilfswerk.

    Besteht ein gesetzlicher Freistellungsanspruch des Helfers gegenüber dem Arbeitgeber?
    Ja. Gem. § 3 Abs. 1 S. 2 des THW-Helferrechtsgesetzes (THW-HelfRG) vom 22.01.1990 (BGBI. I, S. 11, zuletzt geändert durch Gesetz vom 17.12.1997 (BGBI. I, S. 310) ist der Arbeitnehmer für Einsätze und Ausbildungsveranstaltungen von der Arbeitsleistung freizustellen.

    MfG

  5. Hallo Frau Groll,

    ihr korrigierter Satz berücksichtigt nicht die Sonderstellung anderer Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) die überwiegend aus ehrenamtlichen Mitarbeitern bestehen, z.B. das Technische Hilfswerk.

    Besteht ein gesetzlicher Freistellungsanspruch des Helfers gegenüber dem Arbeitgeber?
    Ja. Gem. § 3 Abs. 1 S. 2 des THW-Helferrechtsgesetzes (THW-HelfRG) vom 22.01.1990 (BGBI. I, S. 11, zuletzt geändert durch Gesetz vom 17.12.1997 (BGBI. I, S. 310) ist der Arbeitnehmer für Einsätze und Ausbildungsveranstaltungen von der Arbeitsleistung freizustellen.

    MfG

    Antwort auf "freiwillige Feuerwehr"

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