Burn-out wurde unlängst zur "Volkskrankheit" erklärt. Dabei führt nicht nur Überlastung zu psychischen Erkrankungen, auch permanente Unterforderung kann krank machen. Bore-out nennt sich das Phänomen, wenn Langeweile krank macht.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) zeigt, dass elf Prozent der Erwerbstätigen sich beruflich unterfordert fühlen. Diese Zahl wird durch eine Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services bestätigt, in der immerhin zehn Prozent der Befragten angaben, sich bei der Arbeit zu langweilen. Die Zahlen erstaunen – denn chronische Langeweile ist anders als Burn-out sozial nicht erwünscht. Wer gibt schon gerne zu, dass er im Job unterfordert ist?

Die meisten Befragten fühlten sich schlicht inhaltlich unterfordert. Zu wenig anspruchsvolle Aufgaben, zu wenig Verantwortung, zu wenig Abwechslung. Besonders betroffen sind den Studien nach junge Akademiker im Alter zwischen 25 und 34 Jahren. So heißt es auch in einem Bericht der Bundesregierung: "Rund 60 Prozent der jungen Arbeitnehmer bis 29 Jahre haben das Gefühl, mehr leisten zu können, als im Job verlangt wird. Umgekehrt geben nur 6,1 Prozent an, dass ihre Tätigkeit zu schwierig sei."

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Der Bericht empfiehlt, in der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement den Fokus  nicht nur auf Überforderung und Burn-Out zu richten, sondern auch auf die Auswirkungen der Langeweile. "Langanhaltende Unterforderung kann Stress erzeugen."

Vor dem Hintergrund der andauernden Fachkräftemangel-Diskussion erscheinen diese Untersuchungsergebnisse paradox. Auf der einen Seite droht uns diversen Studien zufolge in naher Zukunft ein Engpass an hochqualifizierten Kräften, auf der anderen Seite scheint es, dass Unternehmen die zur Verfügung stehenden Fachkräfte nicht richtig nutzen, sie stattdessen ausbrennen oder auslangweilen lassen.

Selbstverständlich kann im Hinblick auf die Forsa-Umfrage nicht pauschal gesagt werden, dass rund ein Zehntel der Arbeitnehmer an Bore-out leiden, wohl aber, dass sie gefährdet sind.

Drei Symptome sind für Bore-out charakteristisch: Unterforderung, Langeweile und Desinteresse. Ist dies ein Dauerzustand, entsteht Stress, der zu den für Stress typischen Krankheitssymptomen führt – Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Gereiztheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit. Unterforderte Mitarbeiter leisten weniger und fallen häufiger aus.

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Damit stellt Bore-out ebenso wie Burn-out einen Kostenfaktor dar, dem Unternehmen frühzeitig entgegensteuern sollten.

Um sinnvolle Maßnahmen definieren zu können, müssen Arbeitgeber analysieren, warum Mitarbeiter am Arbeiten gehindert werden. Dazu müssen drei Ebenen näher beleuchtet werden: die Organisation, die Führung und die Kommunikation.

Ursachen in der Organisation liegen vor allem in der Diskrepanz von Stellenanforderung und Qualifikation und Profil des Stelleninhabers. Oftmals brechen im Laufe der Zeit Aufgaben weg, ohne dass dies in der Stellenbeschreibung je aktualisiert wird oder dass das Zeitmodell entsprechend angepasst wird. Auch führen Umstrukturierungen dazu, dass sich der Aufgabenfokus verschiebt, und somit womöglich gar nicht mehr zum Profil des Stelleninhabers passt.

Entscheider müssen den Aufgabenumfang und -inhalt ihrer Mitarbeiter im Auge behalten und an neue Gegebenheiten anpassen – und jene Mitarbeiter identifizieren, die ihr Potenzial nicht voll einbringen können. Für sie müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dazu ist es oft gar nicht nötig, diese Mitarbeiter zu versetzen. Manchmal reicht es schon, wenn das Führungsverhalten verändert wird.