Januar: Familienministerin Kristina Schröder gibt ihre Schwangerschaft bekannt . Die CDU-Politikerin ist die erste Ministerin, die in ihrer Amtszeit Mutter wird. Toll, jubeln die einen, jetzt kann sie für berufstätige Mütter ein Vorbild sein. Und die anderen fordern: Die Ministerin soll bitteschön zu Hause bleiben.

Derweil macht Arbeitsministerin Ursula von der Leyen Druck, eine gesetzliche Frauenquote für die Wirtschaft auf den Weg zu bringen. Unterstützung bekommt sie aus Brüssel. Auch EU-Kommissarin Viviane Redding macht deutlich: Freiwillige Erklärungen reichen nicht. Machen die Unternehmen nicht Ernst, kommt die Richtlinie aus Brüssel.

Mit ganz anderen Problemen muss sich das Landesarbeitsgericht Köln befassen. Eine Sicherheitsfirma wollte ihren Mitarbeiterinnen nur einfarbigen Nagellack vorschreiben und ihren Mitarbeitern das Tragen von Toupets verbieten. Das Gericht wies die Firma in die Schranken: Ob Nagellackfarbe oder Perücke – beides geht den Arbeitgeber nichts an .

Februar: Im Februar geht die Debatte um die Frauenquote weiter. Während die das Thema nutzen, um sich als frauenfreundliche Arbeitgeber zu präsentieren, nörgeln die anderen, eine gesetzliche Quote diskriminiere die Männer und führe zur Ämterhäufung bei Frauen.

Abgesehen davon wird bekannt, dass auch junge Arbeitnehmer zunehmend an Burn-out erkranken . Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle erreicht einen historischen Tiefstand .

März: Kurz vor dem internationalen Frauentag mahnt nun die Bundeskanzlerin die Wirtschaft, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Die Agentur für Arbeit legt nach und fordert bessere Arbeitsbedingungen für Frauen insgesamt. Mehr Kinderbetreuungsplätze und flexiblere Arbeitszeiten seien nötig.

Für Berufstätige, die ihre Angehörigen pflegen, wird etwas getan: Um Pflege und Job zu vereinbaren, bringt das Kabinett einen Gesetzentwurf auf den Weg , der vorsieht, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden reduzieren können, wenn sie einen Angehörigen pflegen. Und um etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun, verabschiedet das Kabinett ein Gesetz , wonach ausländische Berufsabschlüsse in Deutschland einfacher anerkannt werden sollen.

April: Im April wird die Sehnenscheidenentzündung zur Berufskrankheit . Wer von zu viel PC-Arbeit einen chronischen "Maus-Arm" bekommt, hat Anspruch auf Entschädigung.

Burn-out ist hingegen noch keine Berufskrankheit, könnte es aber nach der neuen Krankenstand-Statistik bald werden: Die gesetzlichen Krankenkassen geben bekannt, dass die Fallzahlen seit 1999 um 80 Prozent gestiegen sind.

Mai: Der Fachkräftemangel hat offenbar auch die Stadt Husum an der Nordseeküste erreicht. Anders lässt sich die Art der Suche der Stadt nach einem Bürgermeister wohl nicht interpretieren: Denn um geeignete Kandidaten zu finden, suchen die Husumer in Online-Stellenportalen. Sieben Menschen aus ganz Deutschland bewerben sich. Die Wahl im Mai gewinnt dann aber doch der einzige Husumer, der freiwillig kandidiert hat.

Das Bundesarbeitsgericht muss im Mai ein schwieriges Urteil fällen: Darf eine Behörde einen Verwaltungsmitarbeiter wegen seiner politischen Gesinnung kündigen ? Es geht um den Fall eines Mitarbeiters der Oberfinanzdirektion in Karlsruhe, dessen Job die technische Erstellung von Behördenschreiben war. Der Mann hatte sich für die NPD engagiert und war daraufhin gekündigt worden. Eine Parteimitgliedschaft allein reicht aber als Kündigungsgrund nicht aus, argumentierten die Bundesrichter. Erst wenn einem rechtsradikalen Mitarbeiter Verstöße gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung nachgewiesen werden können, die sich auf das Arbeitsverhältnis auswirken, ist eine Kündigung gerechtfertigt.

Juni: Auch Anreden des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs rechtfertigen keine Kündigung. Das entscheidet im Juni das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Ein Mann hatte auf die Arbeitsanweisung seines Chefs mit "Jawohl, mein Führer" geantwortet. Nach Auffassung des Gerichts liegt darin zwar ein deutliches Fehlverhalten des Mitarbeiters, eine verhaltensbedingte Kündigung komme jedoch erst bei Wiederholung der Formulierung infrage.

Dagegen kann der Chef verlangen, dass der Mitarbeiter einen Deutschkurs macht , wenn die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind. Zu diesem Urteil kommt das Bundesarbeitsgericht. Eine Frau, die als Reinigungskraft in einem Schwimmbad arbeitete, hatte wegen Diskriminierung geklagt, weil ihr Arbeitgeber von ihr einen Sprachkurs forderte. Die Aufforderung sei jedoch rechtmäßig, entschied das Bundesarbeitsgericht.