Neue BerufsfelderIn Zukunft ist fast jeder Job grün

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Der grüne Arbeitsmarkt bietet nicht nur Ingenieuren und Technikern gute Perspektiven, sondern auch Quereinsteigern. von Andrea Frey

Als "Oase für grüne Technologie" sieht Zukunftsforscher Andreas Steinle die Bundesrepublik in wenigen Jahren – erst recht, seit der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossene Sache ist. Seither wird kräftig in erneuerbare Energien investiert. Der Wandel bringt für viele Menschen auch berufliche Chancen. "Der Umwelt- und Klimaschutz schafft grüne Arbeitsplätze", sagt Energieexpertin Claudia Kemfert . Bis zu einer Million neuer Jobs könnten der Ökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ( DIW ) zufolge in den kommenden zehn Jahren neu entstehen.

Schon jetzt haben Umweltberufe großen Zulauf. Das zeigen Zahlen des DIW: "2010 waren allein im Bereich der erneuerbaren Energien 350.000 Beschäftigte tätig. Im Jahr 2020 könnten es 600.000 sein", sagt Kemfert. Karriereperspektiven eröffnen sich aber nicht nur den mit den alternativen Energieformen direkt befassten Ingenieuren und Technikern. Viele Berufe werden künftig grüner – das bietet auch Quereinsteigern Chancen. 

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Der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit könne sich kein Wirtschaftszweig verschließen, sagt Steinle. Sein Zukunftsinstitut hat in einer Studie Unternehmen befragt, welche Rolle Ökologie und Nachhaltigkeit für ihr Business spielen und spielen werden. Das Ergebnis war wenig überraschend: "Der ökologische Gedanke wird zum zentralen Motiv des wirtschaftlichen Handelns. Die Adjektive grün, nachhaltig und fair avancieren zu unverzichtbaren Gütesiegeln für den Firmenerfolg", sagt Steinle.

Mehr als ein grüner Anstrich

Schon jetzt geben Unternehmen wie Puma nicht nur die rein ökonomische, sondern auch eine Öko-Bilanz bekannt. Dabei geht es nicht nur um den grünen Anstrich durch Corporate Social Responsibility (CSR). Nachhaltiges Wirtschaften spart Geld, beispielsweise weil Unternehmen ihren CO2-Ausstoß senken.

Das ist auch die Aufgabe von Shima Ramezani. Die 27-jährige Elektrotechnikingenieurin fahndet in der Sparte Gebäudetechnik bei Siemens nach Co2-Einsparpotenzialen. Während des Studiums an der TU Hamburg-Harburg hatte sie noch keinen grünen Job im Hinterkopf. Doch die Arbeit im Bereich Energieeffizienz habe sie sensibilisiert: "Ich möchte beruflich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten", sagt sie. Mit ihrer Ausbildung als Ingenieurin und den ersten Berufserfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit ist sie eine gefragt Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt.

Derzeit werden vor allem Energieexperten gesucht. Energiedienstleister und Energieberatungen suchen Personal, auch im Bereich E-Mobilität, in der Entwicklung intelligenter Daten- und Energienetze und in den längst "etablierten" Umweltschutzbranchen Müllverarbeitung, Recycling oder Wasseraufbereitung gibt es viele offene Stellen. Natürlich werden auch Wissenschaftler gesucht. Sie finden in der Umweltforschung Betätigungsfelder – oder wenden ihr Wissen in der Entwicklung an. Biologen kommen in Naturschutzverbänden, der öffentlichen Verwaltung, als Gutachter oder in der Umweltbildung zum Einsatz. Auch Landschaftsplaner, Geologen, Geografiker oder Geowissenschaftler sowie Architekten werden für grüne Jobs gesucht. "Chancen haben auch Handwerker wie Mechatroniker oder Industriemechaniker", sagt DIW-Mitarbeiterin Kemfert.

Leserkommentare
  1. ""Der ökologische Gedanke wird zum zentralen Motiv des wirtschaftlichen Handelns. Die Adjektive grün, nachhaltig und fair avancieren zu unverzichtbaren Gütesiegeln für den Firmenerfolg", sagt Steinle."

    No comment!

    • abut
    • 02. Februar 2012 9:57 Uhr

    was ist das? kann ich das auch werden?

  2. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Ich habe Geoökologie studiert und was mache ich jetzt IT-Beratung! Vor 5 Jahren gab es leider niemand der mich im Wassersektor einstellen wollte, obwohl mein Studium darauf ausgerichtet war, mir fehlte eben der Dipl-Ing. Auch meine Kommilitonen halten/hielten sich an der Uni mit prekärer Bezahlung als Doktoranden über Wasser oder werden in Ingenieurbüros für Gehälter nahe der Armutsgrenze ausgebeutet, weil nach einem Jahr Suche eben einfach ein Job her muss. Ich frage mich wo diese ganzen grünen Jobs vorallem für Menschen mit tatsächlichen Umweltbezug entstehen. Aus meiner Erfahrung werden haupsächlich Ingenieure und WiWi's gesucht.

    Also liebe Leute bloss nix mit Umwelt studieren, sondern bei BWL, WI-Ing oder sonstige Ingenieurswissenschaft bleiben, dann wird das auch was mit dem grünen Job.

  3. (Zitat:) "Biologen kommen in Naturschutzverbänden, der öffentlichen Verwaltung, als Gutachter oder in der Umweltbildung zum Einsatz."

    O Recherche! Die Autorin hat offensichtlich keinen Schimmer davon, welch geringer Prozentsatz der Biologen, die eine "Öko"-Fachrichtung absolviert haben, bei den genannten Arbeitgebern unterkommen! Hätte sie doch mal ein paar Biologen gefragt! Die sind doch inzwischen überall (im Callcenter, im Lehrerzimmer, im Bofrost-Auto ...), nur nicht an den Stellen, für die sie ausgebildet sind. Bei der öffentlichen Verwaltung, bei Naturschutzverbänden und in der Gutachterbranche bewegt sich NIX; es sei denn, es fällt jemand unverhofft tot vom Bürostuhl. Aber dann wird dessen Stelle tendenziell eher wegrationalisiert als neu besetzt. Wenn´s nicht so traurig wäre, würde ich mich scheckig lachen (dann könnte ich trotz meines Bio-Diploms doch noch Geld verdienen - als bunter Hund im Fernsehen).

    Zutreffend ist wohl leider nach wie vor nur dies:
    (Zitat:) "BWLer, Kaufleute oder Wirtschaftsingenieure haben laut Eß derzeit die besten Chancen als Quereinsteiger auf dem grünen Jobmarkt. Unternehmen setzen im Marketing verstärkt auf Nachhaltigkeit, die grünen Ideen sollen sowohl betriebsintern als auch nach außen kommuniziert, die nachhaltig erzeugten Produkte verkauft und beworben werden."

    Also: Nach wie vor stehen Kosmetik und Kohleabschöpfen im Vordergrund. INHALTLICH grün kommt sehr viel weiter hinten ...

  4. das bestimmt auch andere Sender meldeten. Dort hieß es, dass für die wegfallenden sicheren Arbeitsplätze in den Energieunternehmen, die weitere Arbeitsplätze abschmelzen werden, überwiegend prekäre Jobs entstanden sind, die kaum zu einem halbwegs sicheren Leben ausreichen und auch schnell in andere Länder exportiert werden können bzw. wieder ganz verschwinden könnten.

    Ich sehe da weder großes Wachstum noch eine Jobmaschine oder ähnliches und für Zukunftsmusik haben die Betroffenen Arbeitnehmer wohl wenig Verständnis

    • Crest
    • 02. Februar 2012 10:22 Uhr

    der bereits mit einer solchen Übertreibung beginnt:<em>In Zukunft ist fast jeder Job grün.</em> ?

    Was von einem Artikel, in dem dann im ersten Ansatz Frau Kemfert als "Energie"expertin tituliert wird ?

    Und was von einem Artikel, dessen ideologischer "Kronzeuge", Herr Steinle einem Zukunftsinstitut vorsteht, dessen Referenten, goggelt man einmal, wahre 'Tausendsassas' zu sein scheinen, mit wohlklingenden Wortschöpfungen wie "Technolution" ?

    Sie müssen entschuldigen, aber ich bin in dieser Beziehung ein gebranntes Kind, das (viel) zu häufig nichts anderes als Scharlatanerie hinter solchen Fassaden entdecken musste.

    Dennoch hat mir der Artikel eines gezeigt. Sagte man früher: "Arbeiten zur höheren Ehre Gottes", so kann man durch einen einfachen "global"-Change mit dem Editor diesen Satz in unsere "ökologische" Welt hinüberretten.

    "Das Volk braucht seine Helden" bemerkte mal ein Freund mir gegenüber. Es braucht anscheinend genauso seine Religionen.

    Herzlichst Crest

  5. Resourcenschonendes Wirtschaften ist unabdingbar, aber keine neue Erkenntnis. Mein Schwiegervater hat schon in den in den 50er Jahren seine Landwirtschaft ohne nennenswerten Resourcenverbrauch betrieben: ohne Kunstdünger, Pferdekraft statt Traktor, Viehwirtschaft mit nachwachsendem Futter und Direktvermarktung von Milch, Butter, Quark, Getreide , Fleisch und Kartoffeln. Die Umwelt wurde höchstens im Herbst belastet, wenn die Kartoffelfeuer brannten und, na ja, durch das Methan der Kühe auf der Weide. Und Arbeitsplätze hat dieses Wirtschaften auch hergegeben .
    Mit Subventionen in gleicher Höhe, wie sie in die Solarbranche geflossen sind, hätte man in allen anderen Bereichen der produzierenden Wirtschaft mindestens gleichviel oder gar mehr Arbeitsplätze schaffen können. Ihre Nachhaltigkeit muss diese Branche erst noch nachweisen, wenn am Ende abgerechnet wird bei den umweltrelevanten Kosten für Produktion, dem Resourcenverbrauch endlicher sog. Wertvoller Erden oder bei der Entsorgung verbrauchter Paneele.

  6. Mal völlig abgesehen davon, dass Glaskugellesen zur Zukunftsvorhersage nicht wirklich erfolgreich ist, kann man von den Prognosen dieses Textes ähnlich viel erwarten.
    Das Einzige, was uns die Energiewende bis jetzt gebracht hat ist der Wegfall tausender einst sicherer Vollzeitarbeitsplätze in der Energiebranche, die Abwandereung energieintensiver Industrien mit allen vor- und nachgelagerten Produktionen (z.B Aluminium und ironischerweise Solarzellen), das Entstehen unzähliger Startups, die bis auf wenige Ausnahmen nach erfolgreicher Entwicklung in Asien produzieren lassen oder pleite gehen und Strompreise jenseits von Gut und Böse.
    Darüber hinaus scheint sich niemand mal ernsthaft hingesetzt und recherchiert zu haben, sondern entweder nur Unternehmensbroschüren nachgebetet oder selbst fantasiert zu haben. Biologen in Naturschutzverbänden? Ja, wenige. Und die meisten ehrenamtlich. In der Verwaltung? Wenn eine Stelle frei wird, ist sie entweder schon reserviert, wird intern besetzt oder fällt ganz weg. Als Gutachter? Eventuell, nur gilt da leider ähnliches wie für die Verwaltung.
    Und was das "Umdenken" der Firmen angeht: Dinge, die man gut verkaufen kann oder die mittelbar Geld bringen, und die billig sind, die werden gerne gemacht. Alles andere bleibt wie es ist, so lange niemand per Gesetz zum Ändern gezwungen wird. Von daher beschränkt sich die Umwälzung auf bunte Broschüren, flotte Sprüche und, wenn's hochkommt, den Quoten-Umweltbeauftragten ohne echte Befugnisse.

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