Jetzt im Winter fällt schlechte Arbeitsplatzbeleuchtung besonders auf: Draußen wird es kaum hell, drinnen flackern und klackern Neonröhren an der Decke und Schreibtischleuchten im Kopfschmerzgelb um die Wette. Kein Wunder, dass Büromitarbeiter in Räumen mit schlechter Beleuchtung über Augen- und Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme klagen. Schlechtes Licht macht unproduktiv, zu wenig Licht sogar krank. Das belegen zahlreiche Studien. Das Arbeitsschutzgesetz regelt, wie hell es an einem Büroarbeitsplatz sein muss. Mindestens 500 Lux stark sollte das Licht am Schreibtisch sein – bei einer gleichmäßigen Verteilung von Tages- und Kunstlicht, direktem und indirektem Licht, sagt der Lichtexperte Jürgen Waldorf. Er ist Geschäftsführer von Licht.de, einem Portal des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie.

"Mit der Beleuchtung von Arbeitsplätzen können Arbeitgeber viel falsch machen", sagt er. Das koste nicht nur die Produktivität der Mitarbeiter, sondern vor allem Strom. Morgens werden alle Lichter eingeschaltet, draußen wird es unterdessen immer heller. Und weil sich im Großraumbüro selten jemand für das Licht verantwortlich fühlt, brennt es noch lichterloh, wenn auch der Letzte den Arbeitsplatz verlassen hat.

Unternehmen, die noch Neonröhren und alte Glühbirnen verwenden, können allein durch den Austausch der Leuchtmittel mindestens 50 Prozent Stromkosten sparen. Mit ganz neuen Leuchtsystemen ist noch mehr drin. "Moderne Systeme arbeiten mit Sensoren, die nicht nur die Anwesenheit von Mitarbeitern erfassen, sondern auch den Anteil von Tageslicht und sich entsprechend automatisch dimmen", sagt Waldorf. Dann wird weder Licht, noch Energie verschwendet. Arbeitgeber können zwischen den klassischen, direkt strahlenden Einbauleuchten über direkt und indirekt strahlenden Pendel- oder Stehleuchten mit variabler Lichtverteilung bis hin zu einem durch einen Computer gesteuerten Lichtsystem wählen. Immer häufiger werden auch Leuchtdioden (LEDs) eingesetzt.

Eine ganz neuartige Form der Beleuchtung wurde jüngst am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) entwickelt: Ingenieure haben eine LED-Lichtdecke entworfen, die das Licht von vorbeiziehenden Wolken erzeugt. Im Versuch hatten die Mitarbeiter unter der Lichtdecke den Eindruck, unter freiem Himmel zu arbeiten. Sie waren wacher, leistungsstärker und konnten sich besser konzentrieren. Die Beleuchtung besteht aus Kacheln, die wiederum aus fast 300 weißen, blauen, roten und grünen LED bestehen. Ganz billig ist die Entwicklung, die im März auf der Cebit vorgestellt werden soll, aber nicht: Ein Quadratmeter soll rund 1.000 Euro kosten.

Forscher der Universität von Surrey nahe London fanden sogar heraus, dass blau angereichertes Licht von bis zu 17.000 Kelvin besonders munter macht. In einem Versuch zeigte sich, dass Mitarbeiter bei einer solchen Bürobeleuchtung abends weniger erschöpft waren und nachts besser schlafen konnten. Auch Augen- und Kopfschmerzen plagten die Testpersonen weniger als in weißer Bürobeleuchtung.

Lichtplanung nicht dem Zufall überlassen

Ähnliche Effekte, sagt Lichtexperte Waldorf, lassen sich allerdings schon auf herkömmliche natürliche Weise erzielen. Zum einen muss das Licht von oben kommen. Das wird als natürlich wahrgenommen, das Wohlbefinden und damit auch die Konzentrationsfähigkeit steigen. Auch die Farbtemperatur ist entscheidend. Sie wird in Kelvin angegeben. Die Mittagssonne hat zwischen 5.500 bis 5.800 Kelvin. Studien haben gezeigt, dass Menschen bei diesem Licht besonders produktiv sind. Allerdings nicht dauerhaft. Bei Versuchen mit Lichtsystemen, die von den Mitarbeitern eines Großraumbüros selbst reguliert werden konnten, zeigte sich, dass die Testpersonen das Licht in Pausen und Besprechungen dimmten und nur in hochkonzentrierten Arbeitsphasen auf Mittagssonnenstärke einstellten.

Zum anderen müssen künstliche und natürliche Lichtquellen so kombiniert werden, dass es zu keiner Blendung kommt. Darum sollte der Schreibtisch im rechten Winkel zum Fenster stehen. Der Arbeitgeber muss nach der Bildschirmarbeitsplatzverordnung auch Jalousinen am Fenster anbringen lassen. Parallel zur Fensterfront sollten sich direkt strahlende Leuchten befinden. Allerdings kommt kein Büro ohne indirekte Lichtquellen aus. Direktes Licht strahlt nach unten, indirektes Licht gibt einen Teil der Helligkeit auch nach oben ab. Am Besten als Ergänzung zum Deckenlicht sind dimmbare Steh- und Schreibtischlampen.

Bleibt noch die Farbtemperatur. "Warmweiß, Neutralweiß oder Tageslichtweiß mit einem hohen Blauanteil sind für ein Büro genau richtig", sagt der Lichtexperte Waldorf. Generell gilt für ein Büro: Am hellsten muss es am Bildschirmarbeitsplatz sein. Dort, wo Kopierer und Ablage stehen, reicht eine Beleuchtung mit 300 Lux völlig aus. Ein Konferenzraum hingegen muss sowohl für konzentriertes Arbeiten hell erleuchtet und für Meetings und Präsentationen dagegen abgedimmt werden können. Zu starke Helligkeitskontraste dürfen aber auch in diesen Arbeitsräumen nicht vorkommen. In Konferenzräumen eignen sich deshalb Wandfluter und gedimmte Allgemeinbeleuchtung. Außerdem muss es im Vorderbereich des Meetingraums weitere Lichtquellen geben, damit Kontraste bei Präsentationen gesetzt werden können.