Ich fühle mich von meinem Arbeitgeber gemobbt. So muss ich zum Beispiel seit Neuestem Meeting-Protokolle per Hand (und nicht mehr am Computer) schreiben. Manchmal werde ich dafür auch in einen unserer Konferenzräume gesetzt. Was soll ich tun? Und steht mir Schmerzensgeld zu?, fragt Sandra Fischer.

Sehr geehrte Frau Fischer,

ist Ihrem Arbeitgeber eine Verletzung Ihres Persönlichkeitsrechts nachzuweisen und resultieren daraus sogar noch Gesundheitsschäden für Sie, haben Sie einen Schadensersatzanspruch (nach § 823 BGB i.V.m. Artikel 1, 2 GG ). Zu den Verletzungen Ihres Persönlichkeitsrechts gehört es, wenn Sie beschäftigungslos sind oder auch isoliert werden – und dies über einen längeren Zeitraum, wiederholt oder auch systematisch, mündlich oder schriftlich. Der Arbeitgeber schafft sozusagen ein Entwürdigungs- und Ausgrenzungsklima.

Nun wird Ihr Arbeitgeber aber kaum freiwillig zugeben, Sie zu mobben . Um beurteilen zu können, ob Mobbing vorliegt, sollten Sie zunächst alle unerwünschten Verhaltensweisen Ihres Vorgesetzten zusammentragen. Denn entscheidend ist, welche konkreten Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigen oder auch Beleidigungen und Einschüchterungen vorliegen. Und diese müssen über einen längeren Zeitraum erfolgen. Denn für eine gerichtliche Auseinandersetzung beispielsweise ist wichtig, dass die Rechtsverletzung systematisch erfolgt und sich aus vielen einzelnen Handlungen oder Verhaltensweisen zusammensetzt. Der Grund: Arbeitsrichter versuchen meist, vorweg einzuschätzen, ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt, und nicht "nur" um übliche Konfliktsituationen, die im Arbeitsleben auftreten können.

Nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) entsteht erst dann ein Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein schwerer Eingriff in das Persönlichkeitsrecht vorliegt. Dabei ist es egal, ob ein unmittelbarer oder übergeordneter Vorgesetzter mobbt. Denn Arbeitgeber müssen für ihre Arbeitnehmer (und dazu gehören natürlich auch Vorgesetzte) haften (nach § 278 BGB ).
Leider ist es aber auch so, dass es beim Einfordern von Schadensersatzansprüchen und anderen Ansprüchen wie zum Beispiel Unterlassungen sehr hohe rechtliche Hürden gibt. Und die Praxis zeigt, dass es häufig sehr schwer ist, diese zu überwinden.

Daher ist immer gut abzuwägen, welche Schritte Arbeitnehmer gegen ihre Vorgesetzten unternehmen. Denn nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung ist die Rückkehr des Mitarbeiters an seinen Arbeitsplatz meist aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich bzw. sinnvoll.

Mein Rat an Sie: Listen Sie so akribisch wie möglich alle Verletzungen auf. Wenn vorhanden, schalten Sie den Betriebsrat ein. Und bevor Sie in welcher Forma auch immer reagieren, sollten Sie unbedingt den Sachverhalt mit einem Spezialisten besprechen, der die Sache objektiv einschätzen wird.

Ihr Ulf Weigelt