Noch 15 Minuten bis zu Beginn des Films. Thomas Dumski legt den 35 Millimeter-Film, der sorgsam auf dem obersten Teller des Spulenturms aufgewickelt ist, in ein Wirr-Warr aus mehreren Rollen. Hoch und wieder runter, quer durch den Raum über eine Distanz von ungefähr drei Metern verläuft der Filmstreifen so bis zu einem der beiden Projektoren. Dort fädelt er den Film ein und startet die Maschine. Knatternd geht der Projektor los. Unten im Saal erscheint das Bild auf der Leinwand. "Da muss ich immer ein bisschen schauen, ob die Schärfe noch stimmt. Durch die Vibrationen muss man nach jeder Vorstellung wieder neu scharf stellen", sagt der Filmvorführer.

© Tim Boyle/Getty Images

Seit mehr als 20 Jahren ist Dumski als Filmvorführer in einem Kino in Bremen tätig. Und wie vor 20 Jahren hat er vor jedem Film die gleichen Arbeitsabläufe zu erledigen. Computertechnik hat in seinem Vorführraum noch nicht Einzug gehalten, die beiden Projektoren stammen noch aus den 1960er Jahren. Da ist noch viel Handarbeit gefragt. Vor jeder Vorstellung muss er die Filme zusammenbauen. Ein ganzer Kinofilm passt nämlich nicht auf eine einzige Rolle. Filme sind in mehrere Akte unterteilt, jeder Akt ist auf einer eigenen Rolle aufgewickelt. Die Enden der einzelnen Akte werden mittels einer Klebepresse zu einem Filmstreifen zusammengefügt.

"Am Stück wäre die Filmrolle so groß und schwer, dass man sie gar nicht heben könnte", sagt Dumski. Soll der Film wieder an den Filmverleih zurückgeschickt werden, müssen die einzelnen Akte auch wieder voneinander gelöst werden und zurück auf die kleinen Filmrollen gespult werden.

Ein Job für Technikfreaks

Vor jeder Vorstellung prüft Dumski auch noch einmal die Technik. Ist der Projektor auch angelaufen? Läuft der Ton? Läuft der Film über die richtigen Rollen? "Wenn nicht, kann der Film beschädigt werden. Dann sind Streifen zu sehen, oder der Film kann zerknittern und sogar reißen. In dem Fall können dann schon mal zwei bis drei Minuten des Films fehlen", sagt Dumski.

Neben dem Zusammen- und Auseinanderbauen der Filme, der Bedienung und Kontrolle des Filmprojektors sind Filmvorführer auch für die Wartung verantwortlich und für kleinere Reparaturen. In kleinen Kinos müssen Filmvorführer mitunter zwischendurch auch den Saal reinigen, den Einlass koordinieren, das Licht kontrollieren und kleinere handwerkliche Tätigkeiten erledigen.

Wichtig für die Arbeit sei, so Dumski, das richtige Timing. "Das Publikum soll zufrieden sein. Der Film muss nach Zeitplan anlaufen, das Bild gestochen scharf sein."

Eine staatlich geregelte Ausbildung zum Filmvorführer gibt es nicht. In der Regel werden Neulinge von einem erfahrenen Filmvorführer angelernt. Manuelles Geschick und technisches Verständnis sind für die Arbeit wichtig. "Wer einen technischen Beruf erlernt hat, ist im Vorteil", sagt Dumski. Auch Improvisationstalent kann nicht schaden, zumindest bei ganz alten Projektoren.