Ruhig geht es zu auf den Feldern von Klaus Krebs. Und das, obwohl auf dem eingezäunten Areal mehrere Zehntausend Tiere wuseln. Allerdings mit drei bis vier Metern in der Stunde. Die Tiere, die er auf mehreren hundert Quadratmeter großen Feldern hält, sind sowieso eher ruhig. Krebs ist Landwirt und züchtet auf seinem Hof Weinbergschnecken, genauer gesagt die Aspersa Maxima, die gefleckte Weinbergschnecke.

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Weinbergschnecken sind unkompliziert in der Haltung , aber die wilden Schnecken aus Deutschland eignen sich nicht für die Zucht. "Die gefleckte Weinbergschnecke kommt aus dem Mittelmeerraum, sie ist einfacher in der Zucht", erklärt der Landwirt. Krebs ist auch Vorsitzender des Verbands für artgerechte Schneckenzucht Deutschland e. V.. Schnecken sind Nutztiere wie Schweine, Kühe oder Schafe. Allerdings unterscheidet sich die Haltung von Weichtieren sehr. Sonderlich viel Fläche braucht es für die Zucht nicht. Krebs hält die Tiere auf zwei kleinen Weidefeldern, jedes Feld ist von zwei Zäunen umgeben. Einer soll Feinde abhalten, ein weiterer verhindern, dass die Schnecken das Weite suchen.

Wirklich arbeitsintensiv ist die Zucht nicht. Etwa 30 Minuten pro Tag dauert die Fütterung und Pflege. Weinbergschnecken fressen Getreidemehl. Dazu gibt Krebs ein kalkhaltiges Spezialfutter, denn Schnecken benötigen zum Aufbau ihres Häuschens viel Kalk. Je nach Witterung werden die Schnecken noch ein- bis zwei Mal täglich mit Wasser benetzt. Mehr brauchen die Tiere nicht, um sich wohl zu fühlen.

Nur im Frühling und Herbst fallen noch andere Arbeiten an. Im Frühling sät der Züchter Raps- und Grassamen auf den Weideflächen mit aus, damit die Jungschnecken eine natürliche Umgebung vorfinden. Später werden die Schnecken auf den Feldern ausgesetzt. Nach fünf Monaten sind die Tiere ausgewachsen und können im Herbst eingesammelt werden. Bis zu drei Kilogramm Schnecken kann Krebs von einem Quadratmeter ernten, wie er sagt. Die Größten und Schönsten dienen zur Nachzucht, alle anderen werden an Restaurants oder Hobbyköche vertrieben.

Acht Euro pro halbes Dutzend

Um als Schneckenzüchter tätig sein zu können, bedarf es keinerlei Ausbildung oder Prüfungen. "Im Prinzip kann jeder eine Zucht aufmachen", sagt Krebs. Wichtig ist nur, die Vorgaben des Veterinäramts zu erfüllen. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit den natürlichen Feinden der Schnecken: Igel und andere Schneckenarten. Um sie von den Feldern fernzuhalten, setzen Züchter Enten und Gänse, aber auch Greifvögel wie Bussard oder Milan ein.

Geschlachtet werden Schnecken übrigens nicht. Schnecken werden bei lebendigen Leib in kochendes Wasser gegeben. Schneckenzüchter Krebs glaubt nicht, dass die Tiere dabei leiden. "Der Tod erfolgt sofort." Nach dem Kochen werden die Tiere ausgenommen, meist gleich einlegt und eingefroren. So können sie in konservierter Form vertrieben werden. Pro halbes Dutzend schlagen Schnecken mit sieben bis acht Euro zu Buche.

Noch gestaltet sich der Vertrieb als schwierig. "Hierzulande kann noch niemand ausschließlich von der Schneckenzucht leben. Die meisten Züchter sind Landwirte, die die Schneckenzucht als zusätzliche Einnahmequelle betreiben. In Frankreich gibt es aber hauptberufliche Züchter", sagt Krebs. Die Nachfrage halte sich in Grenzen. Wer feste Abnehmer gefunden habe, für den lohne sich das Geschäft jedoch, sagt Krebs. Er selbst mag Schnecken – auf dem Teller und auf dem Feld. "Schweine züchten macht doch jeder."

  • Ausbildung: keine Ausbildung notwendig;
  • Gehalt: variiert;
  • Arbeitszeit: variiert;