High PotentialsDie Besten unter den Besten

Jedes Unternehmen möchte die besten Nachwuchskräfte haben. US-Forscher haben nun untersucht, was echte High Potentials ausmacht und wie man von ihnen lernen kann. von 

Jedes Unternehmen möchte die besten Nachwuchskräfte haben. Meist unterscheiden sie bei dieser Mitarbeitergruppe zwischen Talenten und Top-Talenten. Während sie von ihren Talenten das Potenzial für die nächste Hierarchiestufe erwarten, fordern sie von ihren Top-Talenten ein überdurchschnittliches Potenzial. Dieser Kreis von Nachwuchskräften gilt als Pool für die Top-Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten. Darum kommen in diesen Pool nur die Besten der Besten, die bei ihrer Entwicklung und Leistung ein überdurchschnittlich hohes Umsetzungstempo an den Tag legen.

High-Potentials

Forscher des auf Talentemanagement spezialisierten International Consortium for Executive Development Research und der Harvard Business School untersuchten 2010 bei 45 weltweit agierenden Unternehmen, wie diese ihre Toptalente identifizieren und fördern. Daraus bildete sie eine Definition des High-Potential-Begriffs, die sie im September 2010 im Harvard Business Manager veröffentlichten:

"High-Potentials übertreffen vergleichbare Kollegen regelmäßig und deutlich. Sie erreichen herausragende Leistungsniveaus und verhalten sich so, wie es der Kultur und den Werten ihres Unternehmens in vorbildlicher Weise entspricht. Darüber hinaus beweisen sie, dass sie überaus fähig sind, während ihrer gesamten Karriere innerhalb eines Unternehmens zu wachsen und Erfolg zu haben – und zwar schneller und effektiver als ihre Vergleichsgruppen."

Aber nach welchen Kriterien suchen Unternehmen diese Allerbesten aus? Und können Mitarbeiter selbst etwas unternehmen, um von ihren Arbeitgebern als Toptalent eingestuft zu werden?

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Mit diesen Fragen hat sich eine High-Potential-Studie der Harvard Business School und des auf Talente-Management spezialisierten US-Forschungszentrums International Consortium for Executive Development Research beschäftigt. Die Forscher fanden heraus, dass Mitarbeiter, die als High-Potential identifiziert werden möchten, neben Spitzenleistungen auch glaubwürdig sein müssen. Diese Nachwuchskräfte ziehen vom ersten Tag in einem Unternehmen mit. Und sie sind in der Lage, anderen Mitarbeitern und selbst ihren Vorgesetzten Vertrauen und Sicherheit zu vermitteln. Nur so sind sie später in herausragenden Positionen fähig, alte Strukturen aufzubrechen und einen Wandel durchzuführen.

Keine ignoranten Alpha-Tiere

Die Forscher fanden auch heraus, dass High-Potentials über eine hohe emotionale wie soziale Kompetenz und herausragende psychische Fähigkeiten verfügen – und sich beherrschen können. Sie verhalten sich auch in angespannten Arbeitssituationen stets korrekt, weil sie instinktiv um ihre Vorbildfunktion wissen, ohne dies nach außen demonstrativ herauszukehren. 

Angetrieben werden diese Mitarbeiter durch einen außerordentlichen Willen zum Erfolg. Dafür geben sie auch ihr Privatleben nahezu völlig auf. Die Forscher fanden zudem heraus, dass dieser Mitarbeitertypus auch eine sogenannte "katalytische Lernfähigkeit" mitbringe. High-Potentials haben demnach mehr Unternehmergeist als andere Mitarbeiter. Sie entwickeln neue Ideen und legen alles daran, sie auch erfolgreich umzusetzen. Müssen neue Wege gegangen werden, sind sie es, die nach produktiven Möglichkeiten suchen. Vom Erfolgswillen angetrieben, fehlt ihnen jedoch jede Versagensangst. Obwohl innovative Wege mit einem großen Risiko verbunden sind – schließlich droht bei Versagen der Karriereknick – scheuen sie keine Herausforderungen.

Das passiert jedoch in den seltensten Fällen. Denn der amerikanischen High-Potential-Studie zufolge verfügen Top-Talente über sogenannte "dynamische Sensoren": Ähnlich wie Hochbegabte erfassen überdurchschnittlich talentierte Mitarbeiter Situationen schneller und wissen, wann der richtige Augenblick zum Handeln gekommen ist. Daher sind sie zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Sie wissen um ihr Gespür, das ihnen auch bei der Einschätzung eines beruflichen Wechsels oder gar bei Anfeindungen hilft.

Die US-Forscher fanden in Interviews heraus, dass Top-Nachwuchskräfte negative Stimmungen nicht ignorieren, sondern sie aufgreifen und lösen. Auch zeigt die Studie, dass High-Potentials ihre Fähigkeiten intuitiv einsetzen. Einfach zu lernen, sich wie ein Top-Talent zu verhalten, lässt sich leider nicht. 

Trotzdem kann jeder seine Chancen steigern, von seinem Arbeitgeber in den Kreis der High-Potentials aufgenommen zu werden. Dazu sollte man sich zunächst seiner Defizite bewusst werden. Wichtig ist eine realistische Selbsteinschätzung. Hören Sie genau zu, beobachten Sie besonders kompetente Kollegen, bauen Sie Ihr Wissensnetzwerk aus.

Glück gehört dazu

High-Potentials sind schließlich nicht nur über die neueste Technologie und innovative Geschäftsfelder informiert, sie haben auch einen Kreis von Gleichgesinnten, um über Umsetzungen zu diskutieren. Es lohnt sich daher, in Netzwerke und die eigene Selbstwahrnehmung zu investieren.

Allerdings, zeigt die High-Potential-Studie, ist der Titel "Bester der Besten" oft auch nicht von langer Dauer. Für die Karriere ist auch immer ein Quäntchen Glück verantwortlich. Selbst, wer überdurchschnittlich kompetent ist und intuitiv eine Vielzahl von richtigen Karriereentscheidungen trifft, kann rasch wieder fallen. Selbst die Besten machen Fehler – und bei einem Versagen verschwinden viele wieder von der High-Potential-Liste.

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Leserkommentare
  1. Merkwürdig - hieß es nicht schon vor dreisig Jahren, dass besonders erfolgreiche Personen von Kollegen nach oben getragen werden. Dass einem der Erfolg nicht geneidet sondern gegönnt wird?

    Na ja - Neue Zeiten, neue Namen für das gleiche Phänomen.

    Ein Unterschied nur: Deutsche Talente hatten auch ein wohlfunktionierendes Privatleben. Nach der Arbeit gab es keinerlei Grund mehr über irgend etwas berufliches Nachzudenken. Nicht weil man die Arbeit verdrängen mußte. Sondern weil man mit sich vollständig im Reinen war.

    HP's nach obiger Definition ohne Privatleben empfinde ich als vollständig deformierte Menschen. Abhängig vom Wohlwollen des Arbeitgebers und vom Erfolg am Arbeitsplatz... Ein Süchtling eben - wenn auch ein gemochter.

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    ...ich bin heute wo ich bin weil ich viel(!) Glück hatte (und nicht ein Quäntchen, wie der Artikel meint) und weil andere Menschen mir den Erfolg gegönnt, ja den Weg dafür bereitet haben.
    Und ohne Privatleben brennt jeder nach ein paar Jahren aus, ganz egal wieviel Potential er hat.

  2. Entweder, weil die eigenen Kinder einen bereits vergessen haben oder weil man gar keine Zeit für Kinder hatte und im Alter alleine dasteht. Der Arbeitgeber vergisst nämlich auch diesen HP recht schnell, wenn er irgendwann aus altersgründen in Rente geht.

    Ich habe gar nichts gegen Leistungsträger. Jedes Unternehmen braucht welche. Ich habe aber etwas gegen eindimensionierte, völlig in ihrer Arbeit aufgehende HP`s, die im Zweifel noch als Maßstab genommen werden, an denen andere sich zu orientieren haben.

    Denn spätestens dieser Satz sollte einem zu denken geben: "Angetrieben werden diese Mitarbeiter durch einen außerordentlichen Willen zum Erfolg. Dafür geben sie auch ihr Privatleben nahezu völlig auf."

    Arme Schweine, kann ich da nur sagen.

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    und man im Alter gern darauf zurück schaut, wer mag dann sagen, dass es falsch war?

    Ich kenne aus meinem Ehrenamt einige Alte, die keine Kinder hatten und sehr erfolgreich in ihrem Bereich waren. Gerade Frauen, die erfolgreich waren, konnten früher kaum Kinder haben und trafen die Entscheidung oftmals nicht nur gegen Kinder sondern auch gegen die Ehe.

    Und wenn ich diese Frauen heute im Altenstift erlebe, so sind sie nicht unzufriedener oder trauern etwas hinterher, denn viele wirken wie Menschen, deren Leben durch ihre Arbeitserfolge sehr reich war.

    Scheinbar kann das ausreichen, glücklich zu sein.

    Seit ich das erlebe, kann ich auch KollegInnen besser verstehen, die heute noch solche Wege einschlagen und ihr Leben in Zügen oder Flugzeugen verbringen, statt Kinder zu planen oder mit Freunden Mittwochs beim Sport zu sein...

    • Todoy
    • 12. Januar 2012 7:58 Uhr
  3. ZITAT

    Die Forscher fanden auch heraus, dass High-Potentials über eine hohe emotionale wie soziale Kompetenz und herausragende psychische Fähigkeiten verfügen – und sich beherrschen können. Sie verhalten sich auch in angespannten Arbeitssituationen stets korrekt, weil sie instinktiv um ihre Vorbildfunktion wissen, ohne dies nach außen demonstrativ herauszukehren.

    ZITATENDE

    Emotionale und soziale Kompetenzen sind dabei fest festgelegt und bei deren Einhaltung schafft es NIEMAND auch noch besonders ueberdurchschnittlich zu sein.

    Diese Unlogik zerstoert den ganzen Artikel, Schade.

  4. Klingt ja erstmal ganz gut, aber in der Realität siehts doch gerne mal ganz anders aus.

  5. ...ich bin heute wo ich bin weil ich viel(!) Glück hatte (und nicht ein Quäntchen, wie der Artikel meint) und weil andere Menschen mir den Erfolg gegönnt, ja den Weg dafür bereitet haben.
    Und ohne Privatleben brennt jeder nach ein paar Jahren aus, ganz egal wieviel Potential er hat.

  6. Das wichtigste Kriterium diesr Gruppe, das den Aufstieg erst ermöglicht ist die Rücksichtlosigkeit.
    Ohne die schafft es keiner an die Spitze.
    Und wenn der Aufstieg erst geschafft ist zerstördt die Rücksichtlosigkeit alles was in den Weg kommt: die Firma, die Umwelt, die Gesellschaft, ..
    Man denke doch nur an die Finanzbranche.

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    ... du hast etwas vergessen : Vitamin B !

    Du kannst aussehen wie ein Dressmann, einen IQ wie Einstein haben, eine soziale Kompetenz wie Ghandi besitzen und kreativ wie Daniel Düsentrieb sein...all das ist "nice to have" !
    Ohne die richtigen Beziehungen wird es nur keiner merken, da du gar nicht erst in die Lage versetzt wirst, diese Merkmale zu präsentieren.
    Oder wie erklärst du dir, dass die angesprochenen Attribute bei unseren Führungsgremien so marginal vertreten sind ?
    Alles nur Glück ? Dann sollte ich einen von denen überreden für mich Lotto zu spielen, dann kann ich mir den Job sparen !

  7. "Angetrieben werden diese Mitarbeiter durch einen außerordentlichen Willen zum Erfolg. Dafür geben sie auch ihr Privatleben nahezu völlig auf."

    Und die meisten geben dann diese eine Leben her für die okonomische Verwertung von irgendwelchem Konsumplunder unserer Zeit.

    Dazu noch ein, zwei Wochen ins Zen-Kloster.

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  • Schlagworte Arbeitgeber | Harvard Business School | Glück | Technologie | Unternehmen
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