ZEIT ONLINE: Herr Schmiel, wie motiviert sich ein Motivationstrainer?

Rolf Schmiel: Der Fußballer Erik Meijer hat mal gesagt: Nichts ist scheißer als Platz 2. In diesem Satz steckt viel Wahrheit. Ich versuche auch dann viel zu geben, wenn es anstrengend oder schwierig wird. Ich habe die meiste Zeit Spaß an meinem Job. Das ist das allerwichtigste. Das gilt im allgemeinen für Führungskräfte: Der Typ, der vorne steht, muss Lust auf die Sache haben.

ZEIT ONLINE: Wenn es so banal ist, wieso sind dann so viele Beschäftigte in Deutschland demotiviert?

Schmiel: Weil in vielen Führungsetagen Dilettantismus herrscht und die Entscheider selbst nicht an das glauben, was sie sagen. Um zu motivieren, braucht es ein Ziel, eine Vision – und Emotionen. Aber viele Entscheider haben verlernt, Emotionen zu zeigen und Mensch zu sein. Sie kommunizieren die Unternehmensziele nicht. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter orientierungslos sind .

ZEIT ONLINE: Wie gelingt die Mitarbeitermotivation?

Schmiel: Es gilt der Satz des Augustinus: In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst . Als Entscheider wollen Sie die Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter steuern und steigern, Ihre Leute sollen sich mit dem Unternehmen und seinen Produkten identifizieren. Sie sollen das Gefühl haben, dass das ihr Laden ist. Davon müssen Sie als Führungskraft aber auch überzeugt sein!

ZEIT ONLINE: Aber wenn ich gar nicht mehr daran glaube, dass das Unternehmen, in dem ich Führungskraft bin, mein Laden ist?

Schmiel: Dann sollten Sie sich etwas Neues suchen. Führungskräfte sollten sich selbst motivieren können, das ist ihr Job. Dafür bekommen Sie ja auch mehr Geld. Selbstmotivation gelingt durch Lebendigkeit, einer positiven Lebenseinstellung und der Fähigkeit, lernen zu können. Aus Studien ist bekannt, dass Kinder 400 Mal am Tag lachen, Führungskräfte gerade mal 15 Mal. Wer nicht mehr lachen kann, kann Menschen auch nicht begeistern. Wer nicht dazu lernen kann, wird auch keine Strukturen verändern. Wer sich müde vor seine Leute stellt und von ihnen einfach mehr Leistung fordert, macht sich unglaubwürdig. Mitarbeiter bringen solchen Vorgesetzten oft weniger Loyalität und Vertrauen entgegen. Loyalität und Vertrauen sind aber wichtig, damit sich Mitarbeiter überhaupt motivieren lassen.