Motivationstrainer Schmiel "Auch als Chef muss man Mensch sein"
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"Druck, Kontrolle und Angst wirken nur kurzfristig"

ZEIT ONLINE: Ist ein stets gut gelaunter Chef nicht unglaubwürdig?

Schmiel: Es geht nicht darum, stets gut gelaunt zu sein. Es geht darum, Mensch zu sein. Ein Chef, der sein Team motivieren kann, muss es seinen Mitarbeitern nicht recht machen, er muss das Richtige machen. Er hört seinen Leuten zu, er vermittelt ihnen Zugehörigkeit. Mitarbeiter bringen nur dann Spitzenleistung, wenn sie gerne im Unternehmen arbeiten, wenn sie wissen, dass sie ein Teil davon sind, wenn ihre Arbeit geschätzt wird. Dazu gehört eine Perspektive – sei es auf einen sicheren Arbeitsplatz, auf eine Karriereentwicklung oder in Krisenzeiten die Aussicht auf Entlastung oder eine Verbesserung. Nur dann entsteht auch ein Teamgefühl. Das schafft man nicht durch einen Betriebsausflug nach Mallorca. Das entsteht nur, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind. Dafür brauchen Sie als Führungskraft aber auch die Rahmenbedingungen. Wenn in der Firma hire and fire herrscht, wird kein Mitarbeiter daran glauben, dass dieses Unternehmen sein Laden ist.

ZEIT ONLINE: Wie führt man ein Unternehmen, in dem die Motivation fehlt?

Schmiel: Leider mit Druck und Kontrolle. Ich nenne das die dunkle Seite der Mitarbeiterführung. Für ein Unternehmen, das mit prekärer Beschäftigung und Leiharbeitern arbeitet, sind Druck, Kontrolle und Konsequenzen die optimalen Werkzeuge. Denn wer nicht langfristig mit seinen Mitarbeitern plant, braucht nicht in Visionen, Zugehörigkeit und Zusammenhalt zu investieren. Druck und Kontrolle wirken aber immer nur kurzfristig.

ZEIT ONLINE: Motiviert Geld?

Schmiel: Ja, aber ähnlich wie Druck und Kontrolle entfalten finanzielle Anreize immer nur kurzfristige Wirkung.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist Lob?

Schmiel: Sehr wichtig, aber es muss persönlich sein. Erwischen Sie Ihre Mitarbeiter bei einer guten Arbeitsleistung, loben Sie sofort und individuell. Mit übertriebenem Lob vor dem ganzen Team sollten Sie vorsichtig sein. Das demotiviert alle anderen und ist demjenigen, der gelobt wird, oft peinlich. Teamlob ist zwar auch wichtig, aber ein "Das habt ihr alle super gemacht" wird meistens nicht richtig ernst genommen. Es kann aber für eine gute Stimmung sorgen. Wenn man es zu oft anwendet, verpufft die motivierende Wirkung völlig.

 
Leserkommentare
  1. Auf diese kurze Formel könnte man es bringen.

    Interessant sind einzelne Aussagen wie: "... Führungskräfte können ihre Mitarbeiter mit Druck und Kontrolle motivieren. ..."

    Ja, freie Bürger, die ein Dauerdienstverhältnis eingehen, werden wie Leibeigene gesehen und behandelt. Deutlicher geht es kaum noch.

    "... Als Entscheider wollen Sie die Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter steuern und steigern, Ihre Leute sollen sich mit dem Unternehmen und seinen Produkten identifizieren. Sie sollen das Gefühl haben, dass das ihr Laden ist. ..."

    Das ist noch besser, man verlangt von den freien Bürgern, dass sie eine gespaltene Persönlichkeit entwickeln, denn normalerweise indentifiziert man sich mit sich selbst und nicht mit einem Unternehmen oder gar dessen Produkten. Und sie sollen das Gefühl entwickeln, ihnen gehöre etwas, was ihnen eben nicht gehört, nämlich das Unternehmen.

    Zu den Visionen sagte Helmut Schmidt ja schon mal, dass man dann besser zum Arzt geht.

    Insgesamt ist mein Eindruck, dass die paternalistisch-feudalen Verhältnisse wiedergekehrt sind, weil die Bürger ihre Demokratie nicht gegen die rabiaten Marktradikalen verteidigten.

    Meine Empfehlung: Etwas lernen, mit dem man selbst ein Unternehmen gründen oder eine freiberufliche Tätigkeit ausüben kann. Oder gleich ins Ausland gehen.

    Man soll das, was in solchen Artikeln verbreitet wird, ernst nehmen, sonst wacht man in einem Albtraum auf.

    3 Leserempfehlungen
  2. Herr Schmiel, ein Grundbedürfnis wird bei solchen Themen oft vergessen: angemessene Arbeitsbedingungen. In den letzten Jahren wurden diese (Dank Kostencontrolling) immer schlechter. Zweierbüros wurden Dreierbüros, Besprechungräume wurden Großraumbüros. Ich bin wegen Lärm und ständiger Störungen deshalb entnervt vorzeitig aus dem Unternehmen ausgeschieden.

    Eine Leserempfehlung
  3. Ein kleiner Tipp:

    Einfach den Artikel nochmals lesen, etwas nachdenken, den Schaum vom Mund abwischen, und dann eventuell noch mal kommentieren.

    Eine Leserempfehlung
    • hf50
    • 19.01.2012 um 18:48 Uhr

    Motivation, Vision, Kompetenz, Qualifikation, Vorbildwirkung und Verständnis für Menschen.

    Aber Coaches, Trainer und Medien bevorzugen verkleidete eitle Fazken, die "sich verkaufen" können und den optischen Eindruck von Laufsteg-Gays vermitteln.
    Blender also.

    Die täglichen Wirtschaftsnachrichten berichten über die Folgen.

  4. "In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst."

    Diese Binsenweisheiten helfen niemand weiter.

  5. Wo bleibt der Anführer, der mit Begeisterung sein Team für die gemeinsamen Ziele zusammenschweißt?

    Natürlich, die Entlohnung muss stimmen, aber wirkliche Motivation kommt von INNEN. Dazu gehören Mitwirkung, Autonomie, Selbstbestimmung und Qualifikation. Hier ist die Führungselite aufgerufen genau hinzusehen und zu fördern (und fordern - den unterfordert will auch niemand dauerhaft werden).

    Die alten Zöpfe an den Wirtschaftsköpfen sind noch nicht abgeschnitten. Viel zu oft träumt man von "mehr Geld rein = mehr Leistung raus". Genau das Gegenteil ist der Fall.

    Wer seine Mitarbeiter nicht emotional zu seinen Zielen mitnimmt, wird diese nicht erreichen. Wieso sind sonst über 80% der Beschäftigten auf der Arbeit weil sie müssen und nicht weil sie wollen.

    Armes Deutschland!

    Holt euch die Freude bei der Arbeit zurück, sonst wird das nix werden.

  6. Der erste Kommentar reißt, wie in so vielen Diskussionen üblich, Sätze aus dem Kontext, zerpflückt diese wiederum und dann wird sich daraus eine Meinung gebildet die der gesamte Text nicht her gibt.

    Der Artikel an sich sagt doch im Grunde nichts falsches aus.
    Alle Aspekte der Unternehmensführung zu schildern ist genau so kompliziert wie bei dem Thema Kindererziehung.
    Die zwei Themen sind sich übrigens gar nicht unähnlich.
    Vieles hängt zuden vom Charakter des "Bosses" ab.

  7. ...und in den Augen der Mitarbeiter sind ja eh alle Bosse schlecht, außer diejenigen, die alles nur treiben lassen und so die Firma langsam aber sicher in den Abgrund lenken lassen. Erst danach ist es dann auch schlechte Chef der die Firma an die Wand gefahren hat. Die kleinen Neider sind halt auch sehr undankbar:D. Es gibt gute Mitarbeiter von denen hört man nie schlechte Worte und man bekommt immer nur gute Arbeit und andere sind einfach Scheiße. Durch und durch. Und diese Schlechte Erziehung ändertt auch der beste Boss nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer nicht mit Menschen und ihren Eigenschaften klar kommt, sollte lieber keine Mitarbeiter führen. Überall wo Menschen sind menschelts halt.
    Schreiner beschweren sich ja auch nicht über Holz als Werkstoff.

    Wer nicht mit Menschen und ihren Eigenschaften klar kommt, sollte lieber keine Mitarbeiter führen. Überall wo Menschen sind menschelts halt.
    Schreiner beschweren sich ja auch nicht über Holz als Werkstoff.

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