GründerIm Silicon Valley Israels

Nirgends auf der Welt werden so viele erfolgreiche Start-ups gegründet wie in Israel. Was macht die jungen Israelis so gründungsfreudig? von Florian Mebes

Die Skyline von Tel Aviv

Die Skyline von Tel Aviv  |  © Jack Guez/AFP/Getty Images

Das neue Silicon Valley liegt im Nahen Osten, in der Metropolregion Tel Avivs. Hier gibt es die meisten Patentanmeldungen in der westlichen Welt, 40 Prozent davon in der IT-Branche und die meisten Start-up-Unternehmen im Hochtechnologiebereich überhaupt. Über zwei Milliarden Euro erwirtschaften die jungen israelischen Unternehmen mit Exporten der Softwareindustrie. Kein Wunder, dass Aufbruchstimmung bei den Jungunternehmern herrscht.

Der 27-jährige Amir Yaari ist so ein junger Unternehmer. Seine Firma SoulBounds entwickelt seit zwei Jahren Applikationen für Facebook . Rund 18 Millionen User nutzen monatlich ihre Apps wie Who loves you? , Love Test oder Best Friends Forever . Die Nutzung ist kostenlos, Gewinne werden über auf ihren Seiten eingestellte Werbebanner generiert. Vor allem in den USA würde ihr Angebot genutzt. Yaari ist nicht nur stolz auf den Erfolg seines Unternehmens, sondern auf den der gesamten israelischen IT-Branche.

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Analysten bezeichnen den Großraum Tel Avivs auch als Silicon Wadi. Wadi ist die arabische Bezeichnung für ein ausgetrocknetes Flussbett. Ganz passend ist diese Metapher aber nicht. Israelische Unternehmen sind nach US-amerikanischen die am häufigsten im NASDAQ gelisteten. Nach Israel fließt in Relation zur Bevölkerungsanzahl doppelt so viel Risikokapital als in die USA und 30 mal mehr als nach Europa . Hier entstehen die meisten Start-ups weltweit .

Managementerfahrungen bei der Armee gelernt

Dabei war Israel nach seiner Staatsgründung vor 63 Jahren vor allem ein von Agrarwirtschaft geprägtes Land. Die Mitglieder der Kibbutzim wollten das Land durch der eigenen Hände Arbeit gestalten. Aus Europa eingewanderte Akademiker wurden zu Bauern. Eine Industrialisierung hat das Land kaum erlebt. Israel hat diesen Entwicklungsschritt übersprungen – direkt ins Hightech-Zeitalter. "Ich denke, Juden mussten immer schon innovativ sein, das hat uns geprägt", sagt Yaari. Sein 29-jähriger Geschäftspartner Gil David hat noch eine andere Theorie: Die Juden müssten sich beweisen, dass sie erfolgreich seien und im internationalen Wettbewerb bestehen könnten. Unterbewusst würden sie damit auch das Trauma von jahrhundertelanger Verfolgung und Ausgrenzung verarbeiten. "Darum sind wir ein wenig risikofreudiger und erfindungsreicher als der Rest der Welt", sagt der Unternehmer.

Auch die amerikanischen Autoren Saul Singer und Dan Senor haben sich die Frage gestellt, warum die Israelis so gründungsfreudig sind. In ihrem Buch Start-up-Nation – Die Geschichte vom israelischen Wirtschaftswunder argumentieren sie zum einen mit der Einwanderung von Menschen aus aller Welt, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mitbringen. Zum anderen führen sie auch den für Männer und Frauen obligatorischen Militärdienst an. Dadurch würden die jungen Israelis Verantwortungsbewusstsein, Führungs- und Managementqualitäten erwerben. Das kombiniert mit einem Studium im technischen Bereich würde sie im internationalen Vergleich fitter für den Wettbewerb machen, so die Erklärung der Autoren.

Auf Yaari und David treffen diese Thesen zu. "Wir wollten schon immer Unternehmer sein", sagt David. Die beiden gehören einer Generation an, die mit Computern aufgewachsen ist, beide haben drei Jahre in der Armee gedient. Yaari war in einer Einheit für IT-Netzwerke tätig, danach studierte er Informatik und gründete nebenbei SoulBounds. Weil das Unternehmen rasch erfolgreich war, brach er das Studium ab. Die Zeit bei der Armee habe ihn erwachsen werden lassen, sagt Yaari. Das helfe, um als Jungunternehmer erfolgreich zu sein. Allerdings hätte er auch ohne die Erfahrungen in der Armee ein Unternehmen gegründet.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

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    • eikfir3
    • 09. Januar 2012 13:40 Uhr

    ...Ihre Entscheidung!
    Darin sehe ich persönlich auch keine Einschränkung meiner Meinungsfreiheit, sondern die berechtigte Entscheidung des Kostenträgers!

  4. Der Artikel springt ein wenig kurz in der Erklärung der Erfolge der israelischen Start Ups.

    Neben der guten akademischen Ausbildung - auch in den USA und Europa - sind es weitere wichtige Aspekte, die hier zum Tragen kommen. So gibt Israel verhältnismäßig viel für Rüstungs- und Sicherungstechnologie aus - diese sind inzwischen natürlich sehr High Tech lastig und zieht entsprechend ausländisches Kapital ab. Viele "israelische" Start Ups sind in Wirklichkeit US Amerikanische, die sich in den USA oder Europa kaum umsetzen lassen. Insbesondere die Hürden für Gen- und Biotechnologie sind in Israel entsprechend niedrig. Ferner gibt es eine starke Vernetzung von Israel auf persönlicher und institutioneller Basis mit den USA und eine hohe Rechtssicherheit im Land selbst.

    Dazu kommt die nahöstliche "Händlermentalität", die die Israelis in großen Teilen mit ihren Nachbarn gemein haben, bei der die Gründung eigener Geschäfte kulturell wichtiger ist als Lohnarbeit - übrigens auch in Deutschland bei Türken, Italienern oder Libanesen gut zu beobachten.

    Zuletzt gibt es nicht nur eine starke Einwanderung nach Israel, die hier befruchtend wirken mag, sondern auch eine hohe Motivation für Akademiker, ihren Marktwert zu steigern, um aus Israel auswandern zu können. Dies fällt umso leichter, da das Beherrschen mindestens zweier Fremdsprachen (arabisch und englisch) eigentlich obligatorisch ist.

    3 Leserempfehlungen
    • xy1
    • 09. Januar 2012 8:35 Uhr

    Wer weiss ob es im Hebräischen ein entsprechendes Wort gibt?

  5. stolz auf ihren hart errungenen Rechtsstaat zu sein. Das beste Beispiel für durch harte, vorausschauende Arbeit geschaffene Prosperität aus unwirtlichsten Anfängen.
    Man kann den umliegenden Staaten nur wünschen, sich das israelische Beispiel als Vorbild zu nehmen - die Region braucht mehr Israel und weniger Ideologie.

    7 Leserempfehlungen
  6. und hierbei den Segen der Millitärischen Ausbildung in den Vordergrund stellen, so sind solche Startups immer auch eine Frage, wie diese Ihre Finanzierung gefunden haben.

    Mit etwas Phatasie hätten Kommentar eins und zwei nicht gelöscht werden müssen, denn der Erfolg des Einen ist auch immer der Mißerfolg des Anderen. In der Finanzierunbg der Sturtups liegt der Erfolg oder der Misserfolg. Deshalb hielt ich es für angebracht auf die erbärmlichen Finanzierungsvoraussetzungen in Deutschland hinzuweisen.

    3 Leserempfehlungen
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    • eras
    • 09. Januar 2012 10:52 Uhr

    "Wenn Sie die Vielzahl von Startups darstellen, und hierbei den Segen der Millitärischen Ausbildung in den Vordergrund stellen, so sind solche Startups immer auch eine Frage, wie diese Ihre Finanzierung gefunden haben."

    Ich nehme mal an, sie wollen damit auf einen militärischen Hintergrund der Startups anspielen. Das trifft auf die Mehrzahl der jungen Unternehmen nicht zu.

    Der Großteil dieser Startups entwickelt Produkte im zivilen Hightech-Bereich. Das Spektrum reicht von allen Arten von Software über Medizin- und Biotechnik bis hin zu Elektroauto-Systemen.

    Es gibt einen Grund, warum alle Computer- und Internetriesen Ableger in Israel unterhalten. Microsoft, Intel, Google und Apple - alle sind hier vor Ort. Google hat sogar ein eigenes Gründerzentrum, dass Jungunternehmer mit Kapital und Hilfestellung unterstützt. Und Intel hat die Centrino-Technologie in Israel entwickelt.

    Das Ausbildungsniveau im naturwissenschaftlichen Bereich ist in Israel extrem hoch. Für Israelis, die sich für eine Universitätskarriere entscheiden, ist es einfacher, eine Stelle in Harvard, Stanford oder am MIT zu finden, als im eigenen Land. Das Land hat die höchste Ingenieurs- und Wissenschaftlerdichte der Welt. Und der Druck entlädt sich halt in Auslandsaufenthalten - oder in Startups...

  7. 8. [...]

    Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Die Richtlinien der Moderation entnehmen Sie bitte der Netiquette. Danke, die Redaktion/mo.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Agrarwirtschaft | Apps | Einwanderung | Facebook | IT-Branche | Informatik
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