Dresscode - Powerfrau: Die Businessbekleidung Management-Trainerin Marion Knaths gibt Tipps für einem gelungenen Auftritt

Eine Freundin behauptete vor kurzem, ein schwarzes Kostüm für die Arbeit sei ihr Tod. Selbstverständlich gäbe es für sie weitaus Schlimmeres. Und selbstverständlich wäre es nicht ihr tatsächlicher, physischer Tod. Es drücke ihr Unbehagen aus, sich einer gleichförmigen Welt anpassen zu müssen.

Sie hat Recht. Ein schwarzes Kostüm, ob mit Hose oder Rock, ist tatsächlich erst mal schlicht, unauffällig und langweilig. Es sagt überhaupt nichts über die Person aus, die es trägt. Es verrät keine Kreativität, aber auch nicht das Gegenteil. Berufsmode ist daher bisweilen anonym und gleichmachend. Ich denke zum Beispiel an Bankerinnen, die immer so uniform daherkommen, dass man meint, ihre Berufskaste wäre im Zweireiher auf die Welt gekommen.

Aber was dürfen Frauen im Berufsalltag überhaupt anziehen? Der Büro-Knigge verbietet zu kurze Röcke, ärmellose Blusen und tiefe Dekolletés. Nicht auszudenken, wenn die Sekretärin im trendigen Ledermini im Vorzimmer sitzen würde. Oder die Uniprofessorin mit einer zerrissenen Jeans am Rednerpult. Die Etikette will gewahrt sein.

Die Erwartung, dass Frauen im Beruf gleichförmig langweilig gekleidet sind, scheint in den höheren Hierarchiestufen noch zuzunehmen. Je höher, desto konservativer also. Frauen in der Unterhaltungsbranche, in der es auch um das Erscheinungsbild geht, können sich erlauben, was Frauen in den Chefetagen lieber nicht wagen.

Natürlich sollte der Unterschied zwischen Berufs- und Privatleben gewahrt bleiben und selbstverständlich verwechseln wir das Büro nicht mit der Bar. Aber was ist so schlimm an einem Rock, der eine Handfläche über dem Knie endet?

Seriosität und Intelligenz scheinen auch heute noch unvereinbar mit modischer, gar sexy anmutender Erscheinung zu sein. Zeitgeist hat eben seine Grenzen.

Zugegeben: In den Büros dieser Welt sitzen nicht nur langweilige Kostüme, aber immer noch haftet ihnen ein vermeintlich zuverlässigeres Image an als den Fashionistas. Ein konformistisches Auftreten scheint immer noch die seriösere Alternative zu sein.

Dieses Image zu ändern, wird nicht leicht. Manchmal braucht es Mut oder eine Portion Gleichgültigkeit, um sich dem Kollektiven zu entziehen.