AltersarmutArm, alt, weiblich
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Zuschussrente für Mütter

"Das Unterhaltsrecht macht den Lebensentwurf einer ganzen Frauengeneration zunichte", sagt Juristin Wagner. Sie befürwortet keineswegs das Versorgermodell. Im Gegenteil, die Juristin begrüßt, dass das Gesetz die Erwerbstätigkeit von Frauen fördert. Auch dass prinzipiell die Kinder allen geschiedenen Ehepartnern beim Unterhalt vorgezogen werden, hält sie für richtig. "Doch dass das Gesetz so in Kraft getreten ist, dass es zu Lasten einer ganzen Generation geht, ist gesellschaftlich unverantwortlich", sagt die Juristin.

Das findet auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ). Sie hat deshalb vorgeschlagen , die Rente im Bedarfsfall auf bis zu 850 Euro aufzustocken. Voraussetzung dafür sind 40 Versicherungsjahre in der Rentenversicherung, davon 30 Beitragsjahre sowie zunächst fünf Jahre private oder betriebliche Altersvorsorge. Bis 2047 soll die Privatvorsorge-Plicht auf 35 Jahre anwachsen. Würde der Vorschlag umgesetzt, bekäme Jutta Hoffmann keine Aufstockung. Sie erfüllt die Voraussetzungen nicht – wie die allermeisten Frauen.

Frauen riestern, Männern sorgen betrieblich vor

Aber nicht nur geschiedene Frauen müssen Altersarmut fürchten. Die Berliner Politikwissenschaftlerin Barbara Riedmüller hat zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Ulrike Schmalreck die Rentensituation von Frauen im mittleren Alter mit der von Frauen, die jetzt in Rente sind, verglichen. Für die Studie haben die Forscherinnen Daten des sozioökonomischen Panels verwendet.

Die Forscher fanden heraus, dass nicht nur die älteren Frauen, sondern auch die in den 1960er Jahren geborenen nur geringe Rentenansprüche haben. Insgesamt 41 Prozent der westdeutschen und 21 Prozent der ostdeutschen Frauen dieser mittleren Generation werden weniger als die Grundversorgung von 680 Euro im Monat erhalten. Der Grund: Auch viele dieser jüngeren Frauen haben ihren Beruf für die Familie aufgegeben oder nur noch in Teilzeit gearbeitet. Zwar sorgt ein Großteil dieser Frauen privat vor – aber mit niedrigen Erträgen. "Die Frauen riestern, die Männer sorgen mit einer betrieblichen Altersvorsorge vor – und die bringt bessere Erträge", sagt Riedmüller. Die meisten Frauen der mittleren Generation werden mit 150 Euro privater Rente im Monat rechnen können. Doch sie wird mit aufstockenden Sozialleistungen gegengerechnet.

"Die jüngeren Frauen müssen heute gegensteuern. Sie haben jetzt noch 20 Jahre Zeit, privat vorzusorgen", rät Riedmüller. Das ist auch der Rat von Jutta Wagner: "Die Gesellschaft wandelt sich. Frauen müssen für sich selbst sorgen – aber Politik muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie es auch unter allen Umständen tun können."

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Leserkommentare
    • ihana
    • 24. Februar 2012 21:20 Uhr

    aber nur mit entsprechender Ausbildung, Bewerbungsgesprächen, Qualitätskontrolle, Probezeit, Fortbildungen, Kündigungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

    ==> (ethisch) nicht machbar?
    Dann lassen wir das lieber!

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  1. den Gedanken, wüsaste aber gerne, wie Sie "VersicherungsPFLICHT für Hausfrauen und -männer" finanzieren wollen. Den meisten Paaren fehlt das Geld, und selbst bei den anderen: Der Haushaltspartner als Eneangestellte(r)?

    VORSCHLAG: Die kostenlose Mitversicherung geschieht jetzt zu Lasten der nicht verheirateten / familienlosen Versicherten. Vielleicht könnte man das rechnerisch aufsplitten, so dass für das von diesen bezahlte Geld Haushaltspartner nicht "mitversichert", sondern mit eigener Versicherung versehen werden?

    Wäre freilich nochmal viel Bürokratie und missbrauchsanfällig, DESHALB: BITTE besser Vorschläge!

    • ihana
    • 24. Februar 2012 21:26 Uhr

    braucht man im Allgemeinen erstmal einen Mann. Und mit eben diesem sollte man sich absprechen und diese Arbeiten teilen.
    Geht das nicht, hat man sich verwählt.

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    Antwort auf "Da fehlt noch was"
  2. Wenn die umfassende, ausreichende und menschenwürdige Versorgung dieser Frauen von der Gesellschaft nicht getragen/gewollt wird, dann sollten wir künftig den Frauen erklären, dass sie alleine dastehen und besser keine Kinder haben. Sie sollten sich ausschließlich um ihr eigenes Auskommen und ihre Rente kümmern oder in Land heiraten, welches bereit ist, Familie mitzutragen. - Gute Nacht, Deutschland!

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  3. Aber wie sieht es denn in Wirklichkeit aus? Es fehlen Kindergarten- und Krippenplätze. Von Hort und sonstiger Betreuung von Kindern nach Schulschluss ganz zu schweigen. Wo sind denn die Ganztagsschulen die Frauen eine Vollzeitarbeit ermöglichen würden. Aber dann wird nur davon gesprochen, das die Mutter ja so wichtig für die Familie und vor allem für die Kinder ist. Wenn das aber wirklich so ist, dann muss auch für diese wichtige Funktion gesorgt werden, auch in Form einer Art Rente, die von Müttern eingezahlt werden kann, wenn sie für die Betreuung ihrer Kinder die Arbeit unterbrechen. Aber die Regierung, allen voran Frau van der Leyen, hat nur große Worte und Taten die wirklich den Betroffenen helfen würden, sind Fehlanzeige. Da muss man sich nicht wundern, wenn Frauen sich überlegen, ob sie wirklich Kinder und wenn ja, wie viele sie haben möchten.

    6 Leserempfehlungen
    • Lea123
    • 24. Februar 2012 21:45 Uhr

    Da muss sich nicht nur von der Seite der Frauen, sondern auch von der Seite der Männer einiges ändern...
    Viele gehen immer noch automatisch davon aus, dass sie sich auch mit Kindern oder pflegebedürftiger Angehöriger voll auf die Karriere konzentrieren können - sie haben ja geheiratet.
    Verantwortung für alle "häuslichen " Belange übernimmt damit die Frau und wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, kann die dann auch ein bisschen arbeiten gehen. Man ist ja fortschrittlich.
    Wenn ihr Mann für die Arbeit (Kinderbetreung+ Haushaltsführung+ Altenpflege) die sie verrichtet hat hätte bezahlen müssen wäre ihn das wohl ganz schön teuer gekommen.
    Er hat also dreißig Jahre lang den "Rücken frei gehalten" bekommen, gearbeitet und bekommt dafür nun Rente. Und sie?
    hat auch gearbeitet - ist nur nicht dafür bezahlt worden und muss jetzt sehen wie sie klarkommt.
    Das ist ungerecht.

    7 Leserempfehlungen
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    alles allein macht, was nicht mit Erwerbsarbeit zu tun hat, kann dies nur, wenn er entweder nicht mit ihr spricht, um dann, wenn es soweit ist, festzustellen, dass er von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist, weil seine Frau nicht vorhatte, Kinder, Eltern, Schwiegereltern, Wohnräume... allein zu versorgen, während er einer Erwerbsarbeit nachgeht.

    Oder aber man hat sich abgesprochen und dann ist es in beiderseitigem Interesse, die Frau hat die Informationen, die es in unserer Gesellschaft kostenfrei gibt über all das, was dieses Thema angeht und sie nimmt all das in Kauf.

    Ich gehe davon aus, dass Menschen, die eine Familie gründen, dies auch mit einem Gespräch über Perspektiven und Ideen für ein Zusammenleben einleiten und miteinander in Kontakt bleiben, sodass man sich austauscht, ob eine Zukunftsplanung für alle Beteiligten von Vorteil ist.

    Man kann den Rücken nur frei haben, wenn ein anderer dies freiwillig tut.

  4. @christygoe:

    Die Aufklärung ist zweifelsohne schon lange bekannt bezüglich der Scheidungsfolgen.

    Was aber immer noch nicht so recht bekannt zu sein scheint, ist die Problematik "Arbeitgeber/Arbeitnehmerinnen mit Kind"... , aber die werde ich hier nicht weiter ausführen.

    Interessanter finde ich folgenden Gedankengang:
    Desweiteren ist der Bereich, in dem Arbeitnehmerinnen gerne (!) gesehen und auch eingestellt (!) werden. Das ist der Bereich mit dem traditionellen Lohngefälle (basierend auf verschiedenen Lohngruppen für Männer und Frauenberufe in der BRD nach dem 2. WK), da Arbeit mit Menschen beispielsweise nur so mikrige Brutto-Gehälter hervorbringt, dass *Achtung, hier beißt sich die Katze in den Schwanz* sich eine Versorger-Ehe mehr lohnt als 40h/Woche inkl. Second Shift per day für Kind/Hausarbeit... Denn dies bringt über Dekaden hinweg als Altenpflegerin oder Krankenschwester etc. wenig Rente ein ...

    Diese Problematik wird aber selten thematisiert.
    Fazit: Ob Ehescheidung oder Arbeit: Altersarmut gib es leider in beiden Fällen...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Das alte Problem... "
    • Logeg
    • 24. Februar 2012 22:28 Uhr

    Darauf wurde aber nicht eingegangen. Könnte ja rauskommen, dass der Mann auch nicht (viel) mehr erhält.

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    Antwort auf "Versorgungsausgleich"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Ursula von der Leyen | Hartz IV | Altersvorsorge | Ehe | Euro
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