Mobbing am Arbeitsplatz beginnt oft harmlos. Es geschieht im Verborgenen, steigert sich nach und nach. Für die Betroffenen ist die systematische Schikane ein Albtraum. Aber auch für den Vorgesetzten, in dessen Abteilung gemobbt wird, ist die systematische Schikane ein Problem. Der Ruf des Unternehmens leidet, die Leistungsfähigkeit aller Mitarbeiter sinkt und meist fallen die Opfer des Mobbing für lange Zeit krankheitsbedingt aus – oder wechseln den Job, um der Psychohölle zu entkommen.

Darum geht jeder Mobbingfall den Arbeitgeber etwas an. Die beste Prävention ist ein Betriebsklima des Vertrauens. 

Fairness, Ehrlichkeit, ein respektvoller Umgang und Vertrauen sind unverzichtbare Bausteine dafür. Konflikte müssen offen und fair ausgetragen werden. Das gelingt allerdings nur, wenn alle Beteiligten auch wollen. Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist das Vertrauen . Ein Vertrauen darin, Standpunkte und Meinungen offen – und ohne Nachteile befürchten zu müssen – äußern zu können. Ist diese Basis nicht oder nur unzureichend vorhanden, sollten Vorgesetzte handeln, denn es liegt in ihrer Hand, diese Kultur zu schaffen und zu stärken – und selbst Vorbild zu sein.

Dass das nicht nur blanke Theorie ist, zeigt der Autobauer Ford . Die weltweiten Aktivitäten bringen es mit sich, dass bei Ford Mitarbeiter aus über 50 verschiedenen Nationen arbeiten. Daher entwickelten Betriebsrat und Geschäftsleitung für die deutschen Werke Verfahren und Strukturen, die im Falle von Problemen Abhilfe schaffen. Seit 2002 existiert die Betriebsvereinbarung Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz , die dazu dient, Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung bewältigen zu können. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Betriebsvereinbarung ist eine innerbetriebliche Beratungsgruppe, die paritätisch sowohl mit Mitgliedern der Geschäftsleitung als auch mit Vertretern des Betriebsrates besetzt ist. 

Betriebsvereinbarungen können helfen

Auch Galeria Kaufhof hat 2004 die Betriebsvereinbarung Partnerschaftliches Verhalten und faire Konfliktlösung verabschiedet. Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat wollten für die über 20.000 Beschäftigten neue Möglichkeiten schaffen, bei zwischenmenschlichen Problemen, Team-Konflikten und Stress mit Vorgesetzten Hilfe zu bekommen. Insbesondere sollten Mitarbeiter Unterstützung erhalten, die unter Diskriminierung, sexueller Belästigung oder Mobbing zu leiden haben. Damit diese Vereinbarung auch konsequent umgesetzt wird, wurden in allen Galeria-Kaufhof-Filialen Fairness-Beauftrage als zentrale Ansprechpartner etabliert. Die Vorteile solch einer lokalen Kontaktperson: Sie sind sowohl zeit- und ortsnah, als auch mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Die Hemmschwelle, mit ihr Kontakt aufzunehmen, ist meist geringer als mit einer unbekannten Person aus der Firmenzentrale.

Manchmal fühlen sich Mitarbeiter allerdings gemobbt, ohne dass das der Fall ist. Auch in diesen Situationen sollten Vorgesetzte sofort und objektiv reagieren und diese Vorwürfe ernst nehmen. Zum einen geht es um das Empfinden des betroffenen Mitarbeiters, dem Führungskräfte auf den Grund gehen sollten. Zum anderen sind Arbeitgeber aufgrund ihrer Fürsorgepflicht dazu verpflichtet. Verletzen sie diese Pflicht, können unter anderem Schadensersatzansprüche drohen.