ChefsacheDas können Führungskräfte gegen Mobbing tun

Mobbing schadet nicht nur dem Opfer, sondern auch dem Unternehmen, in dem es passiert. Wie Führungskräfte den Psychoterror verhindern können, erklärt Sabine Hockling. von 

Mobbing am Arbeitsplatz beginnt oft harmlos. Es geschieht im Verborgenen, steigert sich nach und nach. Für die Betroffenen ist die systematische Schikane ein Albtraum. Aber auch für den Vorgesetzten, in dessen Abteilung gemobbt wird, ist die systematische Schikane ein Problem. Der Ruf des Unternehmens leidet, die Leistungsfähigkeit aller Mitarbeiter sinkt und meist fallen die Opfer des Mobbing für lange Zeit krankheitsbedingt aus – oder wechseln den Job, um der Psychohölle zu entkommen.

Darum geht jeder Mobbingfall den Arbeitgeber etwas an. Die beste Prävention ist ein Betriebsklima des Vertrauens. 

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Fairness, Ehrlichkeit, ein respektvoller Umgang und Vertrauen sind unverzichtbare Bausteine dafür. Konflikte müssen offen und fair ausgetragen werden. Das gelingt allerdings nur, wenn alle Beteiligten auch wollen. Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist das Vertrauen . Ein Vertrauen darin, Standpunkte und Meinungen offen – und ohne Nachteile befürchten zu müssen – äußern zu können. Ist diese Basis nicht oder nur unzureichend vorhanden, sollten Vorgesetzte handeln, denn es liegt in ihrer Hand, diese Kultur zu schaffen und zu stärken – und selbst Vorbild zu sein.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Dass das nicht nur blanke Theorie ist, zeigt der Autobauer Ford . Die weltweiten Aktivitäten bringen es mit sich, dass bei Ford Mitarbeiter aus über 50 verschiedenen Nationen arbeiten. Daher entwickelten Betriebsrat und Geschäftsleitung für die deutschen Werke Verfahren und Strukturen, die im Falle von Problemen Abhilfe schaffen. Seit 2002 existiert die Betriebsvereinbarung Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz , die dazu dient, Mobbing, Diskriminierung und sexuelle Belästigung bewältigen zu können. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Betriebsvereinbarung ist eine innerbetriebliche Beratungsgruppe, die paritätisch sowohl mit Mitgliedern der Geschäftsleitung als auch mit Vertretern des Betriebsrates besetzt ist. 

Betriebsvereinbarungen können helfen

Auch Galeria Kaufhof hat 2004 die Betriebsvereinbarung Partnerschaftliches Verhalten und faire Konfliktlösung verabschiedet. Geschäftsführung und Gesamtbetriebsrat wollten für die über 20.000 Beschäftigten neue Möglichkeiten schaffen, bei zwischenmenschlichen Problemen, Team-Konflikten und Stress mit Vorgesetzten Hilfe zu bekommen. Insbesondere sollten Mitarbeiter Unterstützung erhalten, die unter Diskriminierung, sexueller Belästigung oder Mobbing zu leiden haben. Damit diese Vereinbarung auch konsequent umgesetzt wird, wurden in allen Galeria-Kaufhof-Filialen Fairness-Beauftrage als zentrale Ansprechpartner etabliert. Die Vorteile solch einer lokalen Kontaktperson: Sie sind sowohl zeit- und ortsnah, als auch mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Die Hemmschwelle, mit ihr Kontakt aufzunehmen, ist meist geringer als mit einer unbekannten Person aus der Firmenzentrale.

Manchmal fühlen sich Mitarbeiter allerdings gemobbt, ohne dass das der Fall ist. Auch in diesen Situationen sollten Vorgesetzte sofort und objektiv reagieren und diese Vorwürfe ernst nehmen. Zum einen geht es um das Empfinden des betroffenen Mitarbeiters, dem Führungskräfte auf den Grund gehen sollten. Zum anderen sind Arbeitgeber aufgrund ihrer Fürsorgepflicht dazu verpflichtet. Verletzen sie diese Pflicht, können unter anderem Schadensersatzansprüche drohen.

Leserkommentare
    • joG
    • 03. Februar 2012 8:04 Uhr

    ....gegen Mobbing an sich etwas haben. Sie haben nur etwas dagegen, wenn es ihren Zielen entgegenläuft. In wenigstens einem deutschen Daxwert Unternehmen hat der Vorstand (mündlich der zweiten Ebene) vorgegeben Mobbing zu verwenden um vor allem ältere Mitarbeiter zu Vereinbarungen zu bewegen auszuscheiden.

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  1. Mobbing wird oft gar nicht erkannt. Nur selten äußert es sich als sexuelle Belästigung o.ä. Weit häufiger besteht Mobbing darin, dass ein Büronachbar einfach nicht mehr mit Ihnen spricht, dass er Ihnen wichtige Informationen vorenthält und Sie dann beim Vorgesetzten anschwärzt, weil bei Ihnen was falsch gelaufen ist.
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    Oder, ganz gemein: Ihnen werden absichtlich falsche Informationen geliefert: Eine veraltete Datei mit den Stammdaten wird Ihnen untergeschoben, oder der Kollege (m/w) nennt Ihnen eine falsche Uhrzeit des Meetings.
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    Nach außen hin ist natürlich alles eitel Sonnenschein. Ist der Chef anwesend, plaudert Ihr Kollege superherzlich mit Ihnen! Wenn Sie dann eine misstrauische Bemerkung machen, wird der Kollege hinter Ihrem Rücken behaupten, dass mit Ihnen eben nicht gut Kirschen essen ist!
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    Mobbing in Form übler Nachrede umschifft im Allgemeinen geschickt die üblichen Tabus (Geschlecht, Migrationshintergrund, Hautfarbe). Aber es beruht auf einem Konsens im Kollegium, etwa: "Der Neuen fehlt ja die Berufserfahrung!" oder: "Die kommt ja direkt von der Uni und kann die nötige Praxis gar nicht haben!" Häufig, nicht immer, ist der Mitarbeiter, über den sich ein ganzes Team ständig ärgert, das Opfer, nicht der Täter!
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    Wenn sich ein Chef für ein Kommunikationsseminar einschreibt, ist das ein Zeichen für Sensibilität. Damit ist schon viel gewonnen!

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  2. Sehr gut geschrieben, treffend, genau! Und immer wieder muss gesagt werden: hinter jedem Mobbingfall steckt ein schwacher Vorgesetzter.

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  3. Niemand kümmert sihc um seinen Nächsten, und das wird so bleiben solange es Menschen gibt. Ob man nun geheuchelte Fairness-Abkommen abschließt oder nicht aändert nichts an der erbärmlichen menschlichen Natur. In der Schule gab es sogenannte Streitschlichter, die in besonderen Lehrgängen von Profis geschult wurden und fortan als Ansprechpartner dienen sollten. Diese Streitschlichter waren oft selbst Mittäter und setzten dem Ganzen die Krone auf. ICh war der einzige in der KLasse der zu dem Opfer hielt, hab es sogar zum Schulsprecher geschleift und die ganze Sache offen gelegt. Dass gab es mehrmals eine Standpauke für die Klasse, aber nach 1-2 Wochen verfiel alles in den alten Trott. Und das liegt jetzt nicht daran, dass es halt 16/17 Jahre alte "Kinder" waren und nicht Erwachsene, die ja bekanntlich vieeeeel reifer und intelligenter sind. Menschen bleiben Menschen und Mobbing kann nicht abgeschafft werden. Egal wie viel darüber geschrieben wird.

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  4. ...müssen sich auch daran messen lassen, wie sie mit "Mobbing" und "Mobbern" umgehen. In erster Linie sollten Mitarbeiter, egal ob Führungskräfte oder an der Basis schaffende Kollegen, das Unternehmensinteresse im Auge haben. Beim Mobbing ist das nachweislich wohl kaum der Fall.

    Wenn allerdings erkennbar ist, dass Vorgesetzte durch ihre Arbeit schon überlastet sind, keine Durchsetzungskraft bei den Mitarbeitern haben oder sie keine geeignete Personalsensibilität erkennen lassen, wird es für den gemobbten Mitarbeiter noch schwerer.

    Ich halte eine direkte Ansprache des Problems genau jenen Kollegen gegenüber für die richtige Wahl, die hinter dem Rücken des Gemobbten ins Feld ziehen. Dem anderen zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lassen will und dennoch ein Teamworker zu sein, hat sich aus meiner Sicht immer als das erfolgreichste Mittel gegen Neider und Mobber gezeigt.

    • longely
    • 03. Februar 2012 11:45 Uhr

    wenn im Unternehmen Veränderungen stattfinden sollen und Beraterfirmen sich die Türklinge in die Hand geben.
    Dann wird Mobbing sogar von den Leadern stillschweigend
    geduldet oder gefördert.

    • mussec
    • 03. Februar 2012 12:20 Uhr

    Mobbing wird teilweise von den Chefs selbst instrumentalisiert um Mitarbeiter ohne Abfindung los zu werden....

    Der Artikel ist richtig, verkennt aber diese Seite des Medaillons.

  5. Aber ja! Oder was ist Hartz IV-Bashing? Oder auch: "Wie der Herr,so's Gescherr" mit Gruß hupie-desktop

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