Rund 350 Journalistinnen haben eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in deutschen Medien gefordert. Nur zwei Prozent aller Chefredakteure der rund 360 Tages- und Wochenzeitungen seien Frauen, heißt es in einem offenen Brief an 250 Chefredakteure, Verleger und Intendanten. Von den 13 Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien lediglich drei weiblich.

Die Initiatorinnen des Briefs, der unter www.pro-quote.de nachzulesen ist, arbeiten bei Tageszeitungen, Wochen- und Monatszeitschriften, in Online-Redaktionen sowie für Hörfunk und Fernsehen. Beispielsweise trägt der Aufruf die Unterschriften der Moderatorinnen Anne Will , Sandra Maischberger und Frauke Ludowig. Auch mehrere Redakteurinnen von ZEIT ONLINE haben unterschrieben. Die Journalistinnen erklären auf der Website auch, warum sie für eine Quote sind. Auch mehrere Männer haben die Forderung mitunterzeichnet.

Der Brief richtet sich direkt an die Chefredakteure: "Es ist Zeit etwas zu ändern. Wir fordern, dass mindestens 30 Prozent der Führungspositionen im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen. Schaffen Sie das?"

Gleichberechtigung - Ursula von der Leyen im Gespräch Die Bundesministerin für Soziales und Arbeit, Ursula von der Leyen, im Interview über die Frauenquote, Kinderbetreuung und Lohngleichheit bei Männern und Frauen.

Der Brief beginnt mit einem Zitat von Handelsblatt -Chefredakteur Gabor Steingart, der eine Frauenquote in allen Führungspositionen seiner Redaktion angekündigt hatte und dabei mit "ökonomischer Vernunft" argumentiert. Mehrere Studien hatten jüngst festgestellt, dass Unternehmen mit Frauen an der Führungsspitze erfolgreicher sind .

In ersten Reaktionen erklärten Chefredakteure, die geforderte Frauenquote längst zu erfüllen. Als großes Manko nannte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), dass es keine verlässlichen Zahlen über die Geschlechterverteilung im Journalismus gebe. Die letzte repräsentative Berufsfeldstudie ist aus dem Jahr 2006 . Bekannt sei jedoch, dass mehr als 50 Prozent der Berufseinsteiger weiblich seien.

Der DJV-Vorsitzende Michael Konken begrüßte, dass etliche Journalistinnen auf die andauernde Ungleichbehandlung in journalistischen Führungspositionen aufmerksam machten. Es gebe keinen nachvollziehbaren Grund dafür, dass  "in den redaktionellen Chefsesseln immer noch überwiegend Männer sitzen". Konken unterstrich die Vorbildfunktion, die der Journalismus als vierte Gewalt habe. "Wer Gleichberechtigung in den Führungszirkeln von Wirtschaft und Politik fordert, kann die Medien davon nicht ausklammern."

Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) hatte unlängst im Videointerview mit ZEIT ONLINE eine Quote von mindestens 30 Prozent Frauen in den Spitzengremien der Wirtschaft ab 2018 gefordert. Deutschland könne es sich nicht mehr leisten, auf gut ausgebildete Frauen zu verzichten, sagte die Ministerin.